Nando über seine Zeit beim HSV und 100.000 Dollar

»Alles erstunken und erlogen«

1991 bildete Nando mit Jan Furtok und Thomas Doll das magische Dreieck beim HSV. Zusammen schoss das Trio 35 Tore. Danach ging es bergab – am Ende ließ der Brasilianer angeblich noch 100.000 Dollar verschimmeln. Wir fragten nach. Nando über seine Zeit beim HSV und 100.000 Dollarimago

Nando, was verschlug Sie Ende der achtziger Jahre in das kalte Deutschland?
Ich nahm im Sommer 1989 mit meinem Klub Flamengo an der Seite des großen Zico am »Hafen-Turnier« teil, das anlässlich des 800. Geburtstags des Hamburger Hafens organisiert wurde. Als »Special-Guest« spielten wir gegen den HSV und St. Pauli. Mir gelang in beiden Partien jeweils ein Treffer. Ein Unternehmer  warf ein Auge auf mich und suchte den Kontakt zu Flamengo in Rio de Janeiro. Ein halbes Jahr später, während der Winterpause 1989/1990, ging der Wechsel dann über die Bühne.

Wurde mit dem Wechsel ein Traum wahr?
Ende der 1980er ging es der brasilianischen Wirtschaft sehr schlecht. Jeder Fußballer träumte davon, mehr Geld im Ausland – insbesondere in Europa – zu verdienen und seine Karriere dort voranzutreiben. Natürlich reizte mich dieses Angebot des HSV ungemein. Ich zögerte keine Sekunde.

Von der Copacabana an die vereiste Elbe: Ein Kulturschock?
Mit der Kälte kam ich schon klar, das war nicht das Problem. Die größte Schwierigkeit stellte die Sprache dar. Ich verstand nur Bahnhof bei meiner Ankunft.

Also eher ein Außenseiter im Team?
Natürlich ist die damalige Situation nicht mit den heutigen Verhältnissen zu vergleichen. Die Scouting-Tätigkeiten und die Integration der ausländischen Spieler in den Klubs verbessern sich von Jahr zu Jahr. Ich war 1990 erst der zweite Brasilianer, der jemals für den HSV gespielt hat. Aber ein Dolmetscher begleitete mich sechs Monate lang, ich lernte in Hamburg lebende Brasilianer kennen. Diese Umstände halfen ungemein. Und außerdem unterstützte mich die Mannschaft um Kapitän Didi Beiersdorfer phänomenal: In der Not verständigten wir uns auf dem Platz oder während des Trainings mit Händen und Füßen.

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Nonverbale Kommunikation führte zum Erfolg?
Scheinbar. Mein erstes Spiel in der Startelf des HSV am 22. Spieltag der Saison 1989/1990 war unbeschreiblich: Die Fans empfingen mich im Volksparkstadion so herzlich, dass ich mich direkt wie zu Hause fühlte. Wir schlugen Bayer Leverkusen mit 6:0, mir gelang ein Doppelpack. Ich hatte mir einen guten Start gewünscht, aber auf Anhieb zwei Tore. Wahnsinn.

Danach lief es nicht mehr so gut für Sie.
Die Erwartungen waren nach diesem Paukenschlag natürlich riesig, und in der Rückrunde hatte ich große Probleme. Aber nach einer intensiven Vorbereitung unter Trainer Gerd-Volker Schock kamen wir in der Saison 1990/1991 immer besser in Schwung. Thomas Doll, ein Wahnsinns-Fußballer, zog im Mittelfeld die Fäden und fütterte Jan Furtok und mich mit seinen Traumpässen. Ich wühlte mich durch den Strafraum und Jan lauerte auf die Zuspiele. Zusammen machten wir 31 Treffer und schossen den HSV in den UEFA-Cup.

Der HSV konnte sein »magisches Dreieck« aber nicht zusammenhalten.
Leider. Die Mannschaft fiel auseinander. Thomas Doll zog es zu Lazio Rom nach Italien und HSV-Urgestein Manni Kaltz beendete seine Karriere. Diese Abgänge konnten wir nicht kompensieren und landeten am Ende der Saison 1991/1992 auf einem enttäuschenden 12.Platz.

War der Misserfolg ausschlaggebend für ihren Abgang 1992?
Ich hatte vom HSV ein Angebot über ein Jahr vorliegen, ein türkischer Verein zeigte Interesse, aber mich zog es zurück in die Heimat und zu meiner Familie. Aus heutiger Sicht ein Fehler, aber als junger Mensch denkt man mit dem Herzen und nicht mit dem Verstand.

Zum Abschluss eine Frage, die vielen HSV-Fans auf den Nägeln brennt. Was fällt Ihnen beim Stichwort 100.000 Dollar ein?
(lacht) Diese Geschichte mit den verschimmelten Hunderttausend wird mich wohl immer verfolgen. Mir wurde nachgesagt, ich hätte aus Angst vor der Steuerbehörde 100 000 Dollar in meine Hauswand in Hamburg eingemauert. Und das Geld sei dort verschimmelt. Diese Story werde ich wohl mit in mein Grab nehmen. Leider muss ich Sie aber enttäuschen: Sie ist erstunken und erlogen. Mit meinem Geld weiß ich besseres anzufangen.

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