Naldo über Werders goldene Zukunft

»Wir sind wie der BVB vor einem Jahr«

Zahlen lügen nicht! Bereits 51 Tore kassierte Werder in der Saison und die Experten sind sich einig: Naldo fehlt wie nie zuvor. Wir sprachen mit dem Innenverteidiger über das Positive im Abstiegskampf, die Meisterschaft 2011/12 und Eintopf satt. Naldo über Werders goldene ZukunftImago

Naldo, in Brasilien und Deutschland erholen sich die Menschen gerade vom Karneval. Welches Kostüm haben Sie getragen?

Naldo: (lacht) Ich bin als verletzter Innenverteidiger von Werder Bremen gegangen. Im Ernst: Bremen ist nicht wirklich eine Karnevalshochburg und wir haben momentan ohnehin ganz andere Sorgen als Samba  und Kostüme .

Werder steht auf Platz 14 und kämpft gegen den Abstieg – eine völlig neue Situation für Sie und den ganzen Verein.

Naldo: Der Saisonverlauf überrascht uns alle. Vor allem die vergangenen drei Monate waren extrem hart.

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Was macht Ihnen Hoffnung, dass es jetzt besser wird?

Naldo: Die Mannschaft hat zu viel Qualität, um sich nicht in der 1. Bundesliga zu halten. In den vergangenen beiden Spielen gegen Leverkusen und Freiburg haben wir endlich bewiesen, dass wir kämpfen  und Erfolg haben können. Spätestens der Sieg gegen Freiburg hat gezeigt, dass alle wissen, um was es in dieser Spielzeit geht.

Viele Kritiker befürchten, dass die fetten Jahre in Bremen jetzt vorbei sind. Muss sich der erfolgsverwöhnte Werder-Anhang darauf einstellen, dass statt Champions League der Klassenerhalt in Zukunft Priorität genießt?

Naldo: Völliger Unsinn. Diese Saison ist ein Ausrutscher. Das wird  und darf uns nicht noch einmal passieren.

Was macht Sie da so sicher?

Naldo: Ich sprach es bereits an: Die Qualität im Kader ist dafür zu groß. Diese Saison ist hart – aber wir werden sie anständig zu Ende bringen und die Klasse halten. Für unsere jungen Spieler ist diese Spielzeit übrigens eine wertvolle Erfahrung: In schlechten Zeiten lernt man am meisten. Und wir haben – ohne, dass ich Namen nenne – mehr als einen jungen Spieler in der Mannschaft, der in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle in der Bundesliga spielen wird. Wenn man so will, sind wir wie Borussia Dortmund vor einem Jahr: Wir haben viele überdurchschnittlich begabte Fußballer in unseren Reihen, manchen kennt man noch gar nicht.

Das heißt, Werder Bremen wird Deutscher Meister 2011/12?

Naldo: Nein, nein. Das habe ich nicht gesagt. Aber wir können viel von den Dortmundern lernen – und spielstark sind wir auch. Das haben ja die vergangenen Jahre eindrucksvoll bewiesen.

In dieser Spielzeit hat der SV Werder aber genau diese allseits gefürchtete spielerische Qualität häufig vermissen lassen. Wie erklären Sie sich das?

Naldo: Den Verlust von Mesut Özil haben wir bislang nicht verkraftet. Er war unsere kreative Schaltzentrale, er konnte uns Chancen quasi aus dem Nichts kreieren. Wie wertvoll er ist, beweist Mesut ja gerade eindrucksvoll bei Real Madrid. Auch ein Abgang wie Hugo Almeida hat eine  Lücke hinterlassen. Solche Spieler kann man nicht einfach ersetzen. Das braucht seine Zeit.

Werder Bremen hat in 25 Saisonspielen 51 Gegentreffer kassiert. Und alle sind sich einig: Weil Naldo fehlt. Tatsächlich haben Sie in dieser Spielzeit noch keine Partie absolvieren können.

Naldo: Das Schicksal von Fußball-Mannschaften hängt nie an nur einem Spieler, wir hatten insgesamt zu viele Verletzte. Aber das Interesse der Fans und Medien an meiner Person ehrt mich, man hat mich also noch nicht vergessen.

Sie sind seit 2005 bei Werder Bremen und gelten seitdem als einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga – wie häufig meldet sich Trainer Thomas Schaaf bei Ihnen und erkundet sich nach Ihrem Heilungsprozess?

Naldo: Nicht  jeden Tag. Aber das liegt daran, dass er gerade ganz andere Sorgen hat und ich mich intensiv auf meine Heilung konzentriere.

Wann sind Sie wieder einsatzbereit?

Naldo: Ich kann es nicht sagen. Ich mache zwar Fortschritte, aber wann ich mein Comeback geben kann, ist noch ungewiss.

Stichwort Thomas Schaaf – zeitweise dachte man, er würde seinen Trainerjob hinwerfen. Haben Sie jemals befürchtet, dass es so weit kommen könnte?

Naldo: Niemals. Thomas Schaaf hat diese ganz bestimmte Aura, die nur wenige Trainer auf der Welt besitzen. Er besitzt die Gabe, seine Spieler wirklich zu motivieren. Und auch wenn es so aussah: Er hat nie die Zuversicht verloren, er glaubt an diese Mannschaft! Wenn jemand davon überzeugt ist, den Klassenerhalt zu schaffen, dann Thomas Schaaf. Das wissen auch die Spieler, sie spüren das.

Als Ihr Landsmann Diego bei Werder spielte, wohnten Sie Tür an Tür und bekochten sich auch mal gegenseitig mit einem brasilianischen Bohneneintopf. Das wäre doch das passende Essen, um den Klassenerhalt zu feiern.

Wenn wir die Klasse halten, lade ich die ganze Mannschaft zu mir ein. Dann gibt es Eintopf satt!

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