09.01.2008

Nach der Schlacht von Mülheim

„Mit einem Schlag zerstört“

Am Samstag musste in Mülheim ein Hallenturnier abgebrochen werden, weil sich Chaoten — vor den Augen von Dutzenden Kindern – eine üble Schlägerei lieferten. Wir sprachen mit Veranstalter Jochen Guß über die Ursachen und Folgen.

Interview: Florian Ziegler Bild: Imago
Herr Guß, wie beurteilen Sie zwei Tage später die Geschehnisse?

Sie können sich sicher vorstellen, dass ich schlecht geschlafen habe. Die Enttäuschung ist natürlich immer noch groß. Meine Vorstandskollegen und ich sowie die vielen Helfer haben Wochen und Stunden investiert. Ich bin einfach nur traurig und frustriert. Ich selbst habe so etwas auch noch nie erlebt. Wir haben vorher noch appeliert, respektvoll miteinander umzugehen. Das ist mit einem Schlag zerstört worden.



Was genau der Auslöser für die Massenschlägerei war, scheint immer noch völlig unklar. Was haben Sie vom Veranstalter-Team für Erkenntnisse?


Mein Eindruck ist, dass sich da eine Gruppendynamik entwickelt hat. Und da ist dann nichts mehr zu machen. Wir hatten ja einen Sicherheitsdienst. Mehr kann man nicht machen. Eine 100%ige Sicherheit wird es nie geben.

Die Kommentare in diversen Internetforen waren teilweise deftig.

Ja, da war leider alles dabei. Von ganz Bekloppten bis zu Rassisten. Aber die sind ja derzeit völlig durch den Wind. Als vernünftiger Mensch kann man das gar nicht glauben, was da teilweise geschrieben wird. Ich messe dem auch keine Bedeutung bei. Damit würde man auch nur Öl ins Feuer gießen. Schuldzuweisungen machen keinen Sinn.

Beim Halbfinale gab es auch zwei Rote Karten. Zudem wurde der Schiedsrichter angespuckt.

Da der Spielbericht daraufhin deutet, dass auch rassistische Beleidigungen gefallen sind, geht der Spielbericht direkt an den Verband nach Duisburg.

In der Kritik sind auch die Schiedsrichter, die der Aufgabe nach Meinung mancher Beobachter nicht gewachsen waren.

Das sehe ich nicht so. Die Schiris haben völlig normal gepfiffen. Das waren ja auch extreme Bedingungen.

Wie geht es nun weiter in nächsten Tagen? Auch der Presserummel war ja groß.

Wenn es etwas ruhiger geworden ist, werden wir alle Vorstände und Beteiligte einladen. Klar ist, ein Jahr Pause wäre der Todesstoß für die Veranstaltung.

Wird es das Turnier also definitiv auch im nächsten Jahr geben?

Ja. Ich möchte auf die Mannschaften nicht verzichten. Die Speldorf-Mannschaft hat sich ja ohnehin vorbildlich verhalten. Das ist mir schon wichtig. Man kann nicht nur einen verurteilen. Dazu waren einfach zu viele dran beteiligt.

Was für Konsequenzen werden Sie aus den Vorfällen ziehen?


Wir sind nicht wirklich glücklich mit dem eingeführten Seitenwechsel in der Halbzeitpause. Da hat man direkt den Atem der gegnerischen Zuschauer im Nacken. Das hat sicher zu der explosiven Stimmung beigetragen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das so ändern, dass auch nur noch hinter den Toren eingewechselt wird. Aber Patentlösungen gibt es leider nicht.

Bleibt die Frage, ob auch die Sponsoren noch weiter mitziehen?

Ich habe bisher zumindest nichts Gegenteiliges gehört. Auch bei der Sparkasse und dem Versorger herrschte vor allem Trauer über die Vorfälle. Ich hoffe einfach mal, dass das ein einmaliger Ausrutscher war.


Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der Sportzeitung RevierSport

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