Nach der Fandemo in Berlin

»Wir warten auf ein Zeichen«

»Spieler kann man kaufen. Fans nicht«, skandierten am Samstag Fußballfans aus ganz Deutschland in Berlin. Christian Bieberstein vom Fanprojekt »Unsere Kurve« über Ursachen und Wirkung der Demo »Zum Erhalt der Fankultur«. Nach der Fandemo in Berlin Imago

Christian Bieberstein, war die Demonstration ein Erfolg?

Sie war definitiv ein Erfolg. Wir haben etwa 10.000 Teilnehmer gezählt. Alle haben sich vorbildlich verhalten. Es gab keinen einzigen Vorfall und viele waren wirklich kreativ. Ich bin mehr als zufrieden.

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Sind Sie auch zufrieden mit der Berichterstattung in den Medien?

Angesichts der Tatsache, dass am Wochenende ein wichtiges Länderspiel war, bin ich angenehm überrascht. Es wurde viel berichtet und zwar meistens positiv. Da können wir sehr zufrieden sein.

Wie waren denn die Reaktionen der Menschen auf den Berliner Straßen?

Das war sicherlich ein komisches Bild für viele. Die Bevölkerung hat aber unheimlich positiv reagiert und war total begeistert von den Gesängen und der Kreativität unserer Demonstration. Viele waren interessiert und haben uns gefragt, wogegen wir demonstrieren. Einige haben dann sogar T-Shirts gekauft.

Bleibt bei so viel Erfolg denn noch Platz für hausgemachte Probleme?

Klar. Wir dürfen nicht die Augen verschließen vor den Fehlern, die wir als Fans gemacht haben. Wir sind längst nicht frei von Fehlern und müssen auch unser eigenes Handeln in Frage stellen. Gerade das Thema Gewalt muss in Zukunft offensiv und selbstkritisch hinterfragt und innerhalb der Szenen behandelt werden.

War es schwierig, die Fangruppen für so viele Themen, wie die Reform der Regionalliga, die Aufsplittung des Spieltags oder die berüchtigte »Datei Gewalttäter Sport« unter einen Hut zu bringen?

Das war recht einfach, da jede Gruppe sich quasi ihr Thema herausgesucht hat. Die Gruppen aus dem bayrischen Raum etwa hatten mit dem USK (Unterstützungskommando. Eine Spezialeinheit der bayerischen Polizei zur Bekämpfung schwerer Ausschreitungen, d. Red.) auch eine speziell regionale Thematik. Trotzdem gehen die Themen uns alle etwas an.

Aber was stört sich denn der Fan eines Bundesliga-Vereins an der Regionalliga-Reform?

Man sollte nicht die Arroganz haben nur an die Interessen des eigenen Vereins zu denken. Ich sehe es mit Skepsis, dass die Existenz von immer mehr Traditionsvereinen wie Rot-Weiß Essen oder Waldhof Mannheim bedroht ist.

Viele Themen, viele Feindbilder. Wer ist Ihr der Hauptgegner? DFB, DFL oder Innenminister?

Wir richten uns ja nicht vorrangig gegen etwas, sondern treten ein für den Erhalt der Fankultur. Wir wollten der Öffentlichkeit zeigen, wie vielfältig Fankultur ist und was Fankultur ausmacht. Und wir wollten zeigen, dass diese bedroht ist. Unsere Forderungen richten wir natürlich hauptsächlich an den DFB und die DFL, da diese beiden einfach für die meisten Themen zuständig sind. Von denen wollen wir gehört werden.

Gab es schon eine Reaktion?

Nein. Es gab am Samstag keine Gespräche und bisher auch noch keine Reaktion. Ich denke, DFB und DFL werden die Demonstration und deren Forderungen wohl erst einmal intern auswerten. Wir warten jetzt auf ein Zeichen.

Planen Sie weitere Aktionen um auf Ihre Sache aufmerksam zu machen?

Wir überlegen aktuell, was die nächsten Schritte sein könnten. Das passiert in den nächsten Tagen. Man könnte zum Beispiel die am Samstag gezeigten Banner ins Stadion bringen und die gestellten Forderungen gezielt als Katalog darstellen. Wenn von Seiten des DFB und der DFL keine Reaktion kommt, könnte man über eine Deadline nachdenken. Aber momentan steht so etwas nicht zur Debatte.

Wäre eine Neuauflage der »AG Fandialog« (Arbeitsgruppe von DFB, DFL und Fangruppen die 2007 ins Leben gerufen wurde um den Dialog von Fans und Offiziellen zu verbessern, d. Red.) eine Möglichkeit?

Auf jeden Fall. Wir werden uns dem Dialog nicht verschließen. Aber wir wollen auch weg von ständigen Lippenbekenntnissen. Wenn es wieder Gespräche gibt, ist es uns wichtig, dass diese auch zielführend sind.

Besteht denn bei DFB und DFL überhaupt Bereitschaft zu einem solchen Dialog?

Die Bereitschaft ist sicherlich da. Es gibt da schon einige Signale. Man merkt, dass sie unsere sachliche Kritik aufgenommen haben und bereit sind Dinge zu ändern.

Wird die Demonstration zum Erhalt der Fankultur nach dem großen Erfolg jetzt eine jährliche Veranstaltung?

Ich hoffe, dass wir in der Zukunft nicht mehr demonstrieren müssen.


Christian Bieberstein, 26, ist Sprecher von »Unsere Kurve«, einer Fanvereinigung die sich vereinsübergreifend für die Interessen von Fans einsetzt und die Demonstration vom Samstag mitorganisiert hat. Bieberstein ist außerdem Mitglied im »HSV Supporters Club«

Mehr über »Unsere Kurve«: www.unserekurve.de

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