27.07.2010

Nach dem Tod von Vorsahs Bruder

»Isaac hat viele Neider«

Der Hoffenheimer Bundesliga-Profi Isaac Vorsah kommt nicht zur Ruhe: Erst starb sein jüngerer Bruder in der ghanaischen Heimat, jetzt werden Gerüchte laut, es könne sich um einen Mordfall gehandelt haben. Wir sprachen mit seinem Berater.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Nach dem Tod von Vorsahs Bruder
Djuro Ivanisevic, Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick wurde gestern mit der Aussage zitiert: »Es war ein Mordanschlag. Die Wahrheit ist: Jemand hat Vorsahs Bruder Gift ins Getränk getan. Daran ist er gestorben.«

Das ist auch das, was mir Isaac erzählt hat. Die Information wurde über einen ghanaischen Radiosender bekannt gemacht. Für Isaac machen diese Neuigkeiten die Sache auch nicht leichter.

Inwiefern?

Ich habe den Jungen am Sonntag in Frankfurt am Flughafen getroffen. Es geht ihm sehr schlecht und jetzt werden diese Gerüchte laut. Nach der Hoffenheimer Pressekonferenz haben bestimmt 50 Reporter bei mir angerufen und wollten ein Interview mit Isaac. Ich habe alle abgeblockt.



Vorsahs Bruder ist in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli in Accra gestorben, nachdem er von einer Party nach Hause gekommen war. Wie haben Sie von dem Todesfall erfahren?

Isaac rief mich am Samstagmorgen an und hat mit erzählt, was passiert ist. Er war völlig fertig und hat geweint. Ich war auf der Autobahn und musste erstmal rechts ran fahren. Das ist eine schreckliche Tragödie.

Die Informationen über den Tod von Vorsahs Bruder sind sehr vage. Woran ist er letztlich gestorben?

Ich kann Ihnen auch nur die Informationen geben, die ich von Isaac habe: Sein Bruder starb an einer Vergiftung. Er kam von einer Party nach Hause, es ging ihm sehr schlecht und man hat ihn ins Krankenhaus gebracht. Dort dachten die Ärzte zunächst, er hätte zu viel getrunken, aber das war nicht der Fall.

Vorsahs Mitspieler und Mitbewohner Prince Tagoe soll seinem Landsmann gleich zur Seite gestanden haben...

Richtig. Am 19. Juli sollten beide Spieler eigentlich wieder nach Deutschland kommen, gleich nachdem mich Isaac angerufen hatte, rief ich Prince an und sagte ihm: »Du musst zu Isaac fahren und ihn unterstützen.« Kurz nachdem er dort angekommen war, bekam ich einen Anruf von Prince: »Ich kann hier nicht weg, es geht ihm furchtbar.« Der Verein hat sich auch gleich darum gekümmert, dass Beide länger in Ghana bleiben konnten.

Wie ist es jetzt möglich, sich wieder zu 100% in den Trainingsalltag einzugliedern?

Ganz da ist er sicherlich noch nicht. Das ist in einer solchen Situation auch gar nicht möglich. Aber er wurde vom Verein hervorragend aufgefangen, dort kümmert man sich wirklich rührend um ihn.

Vorsah ist in Ghana ein Volksheld, nach der WM konnte er angeblich nicht mehr aus dem Haus gehen. Wie groß ist der Hype um die Nationalspieler tatsächlich?

Das kommt der Realität schon nahe. Isaac hat während der WM zweimal seine Telefonnummer wechseln müssen, weil er ständig angerufen wurde. Irgendwann rief er mich an und sagte: »Djuro, ich kann nicht mal einkaufen gehen, ohne dass mich gleich hunderte Menschen belagern. Das ist der Wahnsinn hier!«

Teil der Spekulationen um den Tod des jüngeren Bruders ist offenbar auch, dass Josua Vorsah seinem Bruder extrem ähnlich gesehen haben soll. Jetzt vermutet man gar eine Verwechslung.

Dazu kann ich nichts sagen. Aber das mit der Ähnlichkeit stimmt. Isaac hat mir am Flughafen einen Foto seines Bruders auf dem Handy gezeigt, ich war zunächst felsenfest davon überzeugt, dass er selbst auf dem Bild zu sehen wäre.

Wenn es tatsächlich eine gezielte Vergiftung war, wer könnte dazu fähig sein? Hatte Vorsah so viele Feinde?

Das nicht, aber das Problem in Ghana ist: Es gibt viele Neider. Die Nationalspieler sind dauernd von Menschen umgeben, die sich an die Fußballer hängen wollen, die nach Geld fragen und so weiter. Vielleicht war das ein Motiv. Aber auch das sind nur Spekulationen. Wir warten jetzt die Untersuchungen in Ghana ab.
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