Nach dem HSV-Trikot-Striptease: Wer ist Ali Eghbal?

»Eghbal wie Eckball – das passt doch!«

Soll noch jemand sagen, Mitgliederversammlungen seien nicht unterhaltsam. Am Sonntag legte Ali Eghbal in Hamburg einen Striptease hin – und wurde überraschend in den Aufsichtsrat des HSV gewählt. Doch wer ist der Mann überhaupt? Ein Gespräch über Grabenkämpfe, Ultras und eine besondere Cola.

Ali Eghbal, Sie sind am Sonntag in den HSV-Aufsichtsrat gewählt worden. Überrascht?
Ich wusste, dass ich ein ganz guter Redner bin, und dass mich einige HSV-Anhänger – auch die Ultras – sympathisch finden. Dennoch war mit so einem Ergebnis nicht zu rechnen. Ich war Außenseiter.
 
Sie zogen sich während Ihrer Rede Sakko und Krawatte aus und präsentierten darunter ein rotes HSV-Trikot. Ihnen war sicherlich bewusst, dass so ein solcher Auftritt auch nach hinten losgehen kann?
Natürlich hätten mich die Leute im schlimmsten Fall ausgepfiffen oder das bekannte »Ausziehen, ausziehen«-Lied angestimmt. Heute hätte man dann über den Clown auf der Mitgliederversammlung gesprochen. Doch das Risiko musste ich eingehen.
 
Wieso?
Man hat auf solchen Mitgliederversammlungen kaum fünf Minuten Zeit, um sich zu präsentieren. Das ist verdammt wenig. Mit dieser Aktion konnte ich kurz und kreativ veranschaulichen, dass ich zwar ein Wirtschaftsmensch, aber auch ein echter HSV-Fan bin.
 
Was sind Ihre Kompetenzen?
Ich bin in verschiedenen Geschäftsfeldern tätig. Zum einen bin ich Unternehmensberater und bei einer Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Natürlich hätte ich die ganze Zeit im Anzug über dieses Feld referieren können, ich hätte über Zahlen, Bilanzen und Finanzen sprechen können. Doch ganz ehrlich: Hätten Sie mich dann gewählt?
 
Sie sind außerdem im Getränkegeschäft tätig.
Richtig, mit meinem Partner Gregor vom Endt habe ich zwei Softdrinks entwickelt: Die »haji Cola« und das »haji Water«.
 
Es heißt, Sie hätten somit die erste muslimische Cola der Welt erfunden.
Das stimmt nicht, andere große Getränkemarken stellen für Märkte in Malaysia, Indonesien oder Saudi-Arabien ihre Cola seit Jahren halal her, sonst dürften sie dort gar nicht verkaufen. Sowieso habe ich ein Problem mit dem Begriff, denn das würde ja bedeuten, dass die Cola von Muslimen für Muslime gemacht wird. Das stimmt nicht – schon weil mein Partner Christ ist.

Was ist denn das Besondere an der Cola?
Das Besondere an »haji Cola« ist, dass wir keine Schweinegelatine hinzugeben, natürliches Mineralwasser statt industriell bearbeitetem Wasser verwenden, zudem auf Industriezucker uznd schädliche Phosphorsäure verzichten. Dafür verwenden wir natürliches Fruchtzucker und Dattelsirup. Wenn man so will: Es ist die erste gesunde Cola der Welt.
 
Wie ist Ihre Verbindung zum HSV?
Ich gehe seit über 40 Jahren zu den Spielen des HSV, meine erste Partie sah ich 1972, ein 0:5 gegen den FC Bayern – ich wusste also von Anfang an, dass Fußball auch Leiden bedeutet. In den Jahren danach stand ich meistens in der Westkurve, Block E, also dort, wo die echten Fans standen. Auch heute noch sehe ich Spiele lieber von der Nord- als von der Haupttribüne.


 
Sie kennen also die Befindlichkeiten der verschiedenen Lager?
Natürlich. Ich habe mich im Vorfeld mit verschiedenen Leuten unterhalten. Ich war bei der HSV-Leichtathletikabteilung, bei den Senioren, bei traditionellen Fanklubs, aber auch bei den Jungs und Mädels auf den Stehplätzen, bei den Ultras von »Poptown« und »Chosen Few«. Ich finde es wichtig, dass man in der Position als Aufsichtsratsmitglied keine Berührungsängste hat. Ich gehöre jedenfalls keinem Lager an.
 
Kurzum: Sie wollen die Grabenkämpfe im Aufsichtsrat beenden?
Das ist vielleicht das falsche Wort, zumal ich nicht darüber urteilen mag, inwiefern es solche Grabenkämpfe tatsächlich gegeben hat.
 
Sie haben aber mitbekommen, wie der HSV-Aufsichtsrat in der Vergangenheit gewirkt hat? Sie kennen die Sportdirektor-Posse um Matthias Sammer und die Indiskretionen der Räte.
Natürlich habe ich von diesen Geschichten in der Presse gelesen. Und trotzdem wäre es vermessen, wenn ich mir zum jetzigen Zeitpunkt, zwei Tage nach der Wahl, ein Urteil darüber erlauben würde. Sagen wir es so: In der Außendarstellung war nicht immer alles perfekt. Allerdings muss ich auch sagen, dass seit Oktober 2011, seit Thorsten Fink und Frank Arnesen wirken, rund um den Aufsichtsrat etwas Ruhe eingekehrt ist.
 
Viele Leute monieren, dass dem HSV-Aufsichtsrat die Fußball-Kompetenz fehle. Was denken Sie?
Bei einem elfköpfigen Gremium wären ein oder zwei ausgesprochene Fußball-Experten sicher nicht verkehrt. Daneben sind natürlich Vertrauen und Respekt wichtig. Ein konkretes Beispiel dazu: Aus der Vergangenheit ist mir ein Fall bekannt, als ein Aufsichtsrat-Mitglied auf eigene Kosten die Mannschaft in ein Trainingslager begleitet hat und dafür kritisiert wurde. Man sprach von einer »Lustreise«, dabei wollte er sich ein  Bild vom aktuellen Stand der Profimannschaft verschaffen, also die immer wieder geforderte Fußball-Kompetenz zeigen.
 
Der HSV hat die vergangene Saison auf Platz 15 abgeschlossen, momentan steht er auf dem 10. Rang. Was ist noch drin?
Ein Europa-League-Platz wäre toll.
 
Das halten Sie für realistisch?
Säßen wir jetzt am Stammtisch, würde ich sagen: Auf jeden Fall. Um wirklich fachkundig antworten zu können, müssten wir uns noch einmal unterhalten, wenn ich mir vor Ort beim Training einen detaillierteren Blick auf den Kader und die Form der Spieler verschafft habe.
 
Herr Eghbal, entschuldigen Sie die Frage...
Ja...
 
...wie spricht man eigentlich Ihren Nachnamen aus?
Eghbal wie Eckball. Passt doch. (lacht)

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