16.01.2013

Nach dem HSV-Trikot-Striptease: Wer ist Ali Eghbal?

»Eghbal wie Eckball – das passt doch!«

Soll noch jemand sagen, Mitgliederversammlungen seien nicht unterhaltsam. Am Sonntag legte Ali Eghbal in Hamburg einen Striptease hin – und wurde überraschend in den Aufsichtsrat des HSV gewählt. Doch wer ist der Mann überhaupt? Ein Gespräch über Grabenkämpfe, Ultras und eine besondere Cola.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Ali Eghbal, Sie sind am Sonntag in den HSV-Aufsichtsrat gewählt worden. Überrascht?
Ich wusste, dass ich ein ganz guter Redner bin, und dass mich einige HSV-Anhänger – auch die Ultras – sympathisch finden. Dennoch war mit so einem Ergebnis nicht zu rechnen. Ich war Außenseiter.
 
Sie zogen sich während Ihrer Rede Sakko und Krawatte aus und präsentierten darunter ein rotes HSV-Trikot. Ihnen war sicherlich bewusst, dass so ein solcher Auftritt auch nach hinten losgehen kann?
Natürlich hätten mich die Leute im schlimmsten Fall ausgepfiffen oder das bekannte »Ausziehen, ausziehen«-Lied angestimmt. Heute hätte man dann über den Clown auf der Mitgliederversammlung gesprochen. Doch das Risiko musste ich eingehen.
 
Wieso?
Man hat auf solchen Mitgliederversammlungen kaum fünf Minuten Zeit, um sich zu präsentieren. Das ist verdammt wenig. Mit dieser Aktion konnte ich kurz und kreativ veranschaulichen, dass ich zwar ein Wirtschaftsmensch, aber auch ein echter HSV-Fan bin.
 
Was sind Ihre Kompetenzen?
Ich bin in verschiedenen Geschäftsfeldern tätig. Zum einen bin ich Unternehmensberater und bei einer Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Natürlich hätte ich die ganze Zeit im Anzug über dieses Feld referieren können, ich hätte über Zahlen, Bilanzen und Finanzen sprechen können. Doch ganz ehrlich: Hätten Sie mich dann gewählt?
 
Sie sind außerdem im Getränkegeschäft tätig.
Richtig, mit meinem Partner Gregor vom Endt habe ich zwei Softdrinks entwickelt: Die »haji Cola« und das »haji Water«.
 
Es heißt, Sie hätten somit die erste muslimische Cola der Welt erfunden.
Das stimmt nicht, andere große Getränkemarken stellen für Märkte in Malaysia, Indonesien oder Saudi-Arabien ihre Cola seit Jahren halal her, sonst dürften sie dort gar nicht verkaufen. Sowieso habe ich ein Problem mit dem Begriff, denn das würde ja bedeuten, dass die Cola von Muslimen für Muslime gemacht wird. Das stimmt nicht – schon weil mein Partner Christ ist.

Was ist denn das Besondere an der Cola?
Das Besondere an »haji Cola« ist, dass wir keine Schweinegelatine hinzugeben, natürliches Mineralwasser statt industriell bearbeitetem Wasser verwenden, zudem auf Industriezucker uznd schädliche Phosphorsäure verzichten. Dafür verwenden wir natürliches Fruchtzucker und Dattelsirup. Wenn man so will: Es ist die erste gesunde Cola der Welt.
 
Wie ist Ihre Verbindung zum HSV?
Ich gehe seit über 40 Jahren zu den Spielen des HSV, meine erste Partie sah ich 1972, ein 0:5 gegen den FC Bayern – ich wusste also von Anfang an, dass Fußball auch Leiden bedeutet. In den Jahren danach stand ich meistens in der Westkurve, Block E, also dort, wo die echten Fans standen. Auch heute noch sehe ich Spiele lieber von der Nord- als von der Haupttribüne.

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