Nach Barcas Mitgliedsstopp

»Der Klub gehört uns«

Die Entscheidung des neuen Barca-Präsidenten Sandro Rosell, ab dem 1. November keine neuen Mitglieder mehr zuzulassen, sorgt in Katalonien für Aufregung. Wir sprachen mit Barca-Fan Joan Sandoval über Erbschaft und Spekulanten. Nach Barcas Mitgliedsstopp

Joan Sandoval, seit wann sind Sie Mitglied beim FC Barcelona?

Seit 53 Jahren. Ich war vier Jahre alt, als mein Großvater meine Mitgliedschaft beantragt hat, das ist bei uns eine Familientradition. In Katalonien werden die Kinder gleich nach der Geburt von den Eltern zu Mitgliedern gemacht. Als meine Kinder geboren wurden, tat ich natürlich dasselbe.

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Der neue Barca-Präsident Sandro Rosell hat sein Wahlversprechen eingelöst: Ab dem 1. November 2010 kann nicht mehr jeder Fan Mitglied des FC Barcelona werden. Eine gute Entscheidung?
 
Ich muss gleich dazu sagen: Meine Stimme hat er nicht bekommen. Die Entscheidung zugunsten seiner Präsidentschaft muss man aus vielen Blickwinkeln betrachten und nur die Zeit entscheidet darüber, ob es gut war oder nicht.

Die neue Regel besagt, dass man nur noch Mitglied des Vereins werden darf, wenn man unter 14 Jahre alt ist, bereits einmal Mitglied war oder mit einem Mitglied verwandt ist. Das klingt eher nach Mafia, als nach Fußball. Was soll diese Entscheidung bezwecken?

Ich glaube, dass die neue Regelung vorsieht, die Kontrolle über das Wachstum eines Klubs zu behalten, der den Mitgliedern gehört. Barcelona ist keine Aktiengesellschaft, die den Aktionären Rechenschaft ablegen muss. Das haben die Mitglieder so entschieden. Was würde wohl geschehen, wenn eine Investorengruppe tausende von Mitgliedern anwirbt, die den Status des Klubs verändern und in eine Aktiengesellschaft umwandeln, so wie es in den englischen Klubs Gang und Gebe ist? Dann könnte der eigene Verein an irgendeine Spekulantengruppe veräußert werden. Das ist jetzt unmöglich.

Innerhalb der Fanszene ist eine Debatte entstanden: Die einen sehen die Grundidee in Gefahr, dass jeder Bürger Barcelonas auch Mitglied werden darf, andere fürchten um die Mehrheit im Klub. Muss der Verein nun befürchten, dass sich die Fanszene spaltet?
 
Das glaube ich nicht.

Barcelona ist weithin bekannt dafür »mehr als ein Klub« zu sein. Was bedeutet das für das Selbstverständnis eines Barca-Mitglieds?
 
Während der Franco-Diktatur konnten die Bürger die katalonische Flagge (La Senyera, d. Red.) nicht zeigen und sich nicht als Katalanen bekennen. Real Madrid war regimetreu und der Klub der Diktatur, Barca hingegen liberal und republikanisch. Wenn Barca spielte, fühlten wir uns frei. Deshalb ist es für uns »Més que un Club«.

Barcalona hat aktuell 156 000 Mitglieder, ins Nou Camp passen immerhin knapp 100 000 Menschen. Haben Sie Ihren Platz im Stadion sicher?

Natürlich, mein Sohn und ich sitzen auf der Südtribüne, meine Dauerkarte wird selbstverständlich weiter vererbt. Derzeit stehen ca. 9000 Menschen auf der Warteliste für einen festen Platz im Stadion, das Interesse ist also groß. Was gleichzeitig auch ein Problem ist: Viele verschachern ihre Plätze illegal für zum Teil enorme Summen.

Wenn Barcelona spielt, ist das Spektakel. Fans aus anderen Städten und Ländern sprechen allerdings häufig von einem verwöhnten Theater-Publikum. Berechtigte Kritik oder purer Neid?
 
Wenn das bedeutet, dass die verwöhnten Zuschauer eher dem stillen Publikum eines Theaters gleichen und sich dem Spektakel eher hingeben als anzuheizen, dann ist diese Kritik berechtigt. Das Publikum im Nou Camp ist kein Publikum wie in England oder in Südspanien, das permanent den eigenen Verein anfeuert. Wir wollen nicht nur gewinnen, wir wollen vor allem schönen Fußball sehen.

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