Muslimische Spieler im Fastenmonat Ramadan

»Es ist unsere Pflicht«

Weniger Leistung für den Glauben? Das fragen sich muslimische Fußballprofis im Fastenmonat Ramadan – und mittlerweile auch der DFB und die DFL. Yakup Tufan vom Zentralrat der Muslime erklärt, wo die Schwierigkeiten liegen. Muslimische Spieler im Fastenmonat Ramadan

Der FSV Frankfurt hatte seine Spieler Soumaila Coulibaly, Pa Saikou Kujabi und Oualid Mokhtari im Oktober vergangenen Jahres abgemahnt, weil sie während des Ramadans gefastet hatten. Der Verein hatte die Spieler anschließend vertraglich dazu verpflichtet, nur mit Genehmigung des Vereins zu fasten. Um eine allgemeine Regelung für muslimische Fußballer zu finden, haben sich der Zentralrat der Muslime, die DFL und der DFB in einem Leitfaden darauf geeinigt, dass die Spieler das Fasten in der spielfreien Zeit nachholen können. Da Profifußballer körperliche Schwerstarbeit verrichten, soll für sie eine Ausnahmeregelung gelten. Verein und Spieler können somit dementsprechende Absprachen treffen und im Vertrag festlegen. Nach islamischem Glauben müssen solche Ausnahmen gut begründet sein. Der zweite stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Yakup Tufan, misst diese Regelung mit den Maßstäben des Korans.

Yakup Tufan, wie beurteilen Sie die getroffene Regelung im Fußball für die islamische Religion?

Ich kann nicht gutheißen, was man vereinbart hat.

Wieso?

Diese Lösung ist keine Lösung des Dialogs. Um die Situation einzelner Spieler bewerten zu können, sollten sich die Beteiligten zusammensetzen und darüber reden. Dazu müssten auch Gelehrte des Islams zu Rate gezogen werden. Stattdessen versucht man mit dieser Regelung, eine pauschale Ausnahme zu erzwingen.

Welche Ausnahmen lässt der Koran in Bezug auf den Ramadan zu?

In einzelnen Fällen kann die Situation als Notlage angesehen werden. Nur wer das Fasten, so wie es der Koran vorschreibt, ohne gesundheitlichen Schaden durchführen kann, ist zu diesem Gebot verpflichtet. Deshalb sind Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation und ähnliche Personengruppen von dieser Pflicht ausgenommen. In solchen Fällen ist es möglich, das Fasten aufzuschieben.

Gibt es spezielle Berufsgruppen, für die eine Ausnahmeregelung gilt?

Echte, geregelte Ausnahamen für ganze Berufsgruppen sind mir nicht bekannt. Abhängig vom Beruf haben es immer einige Muslime schwerer oder leichter, den Ramadan einzuhalten. Das ist allerdings nicht maßgebend dafür, ob die Fastenzeit eingehalten wird. Es kann nur von Fall zu Fall entschieden werden, ob für die Person eine echte Notlage herrscht, wegen der sie den Ramadan verschieben muss. Zudem gibt es die so genannte Fidja. Statt zu fasten, können beispielsweise Kranke einen Bedürftigen speisen.

Welche Situation liegt im Falle der Bundesligaspieler vor?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Jeder Fall muss für sich bewertet werden. Auf jeden Fall sollte der Spieler selbst darüber entscheiden können, ob er fastet oder nicht. Eine Regelung, bei der andere darüber entscheiden, halte ich nicht für richtig. Ramadan ist kein Angebot, sondern für jeden Muslim eine Pflicht. Gläubige Muslime halten sich unabhängig von ihrem Beruf an die ibada, ihre Verpflichtung. Man sollte für die Spieler die Möglichkeit zu fasten nicht erschweren, sondern erleichtern.

Nach welchen Kriterien kann der Spieler für sich entscheiden, ob er den Fastenmonat verschiebt?

Für den Muslim ist maßgebend, mit welcher Kraft und Gläubigkeit er dem Fasten gegenübertritt. Diese Voraussetzungen sind nicht immer gleich und müssen bei der Entscheidung mit berücksichtigt werden. Grundsätzlich sollte er alles versuchen, um die Fastenzeit einzuhalten. Dazu muss er alle Möglichkeiten berücksichtigen und als Arbeitnehmer unter Umständen auch Urlaub nehmen, wenn es nicht anders geht.

Welche Möglichkeiten hat ein Bundesligaprofi, sich bei der Bewertung seiner Situation helfen zu lassen?

Beurteilen können die Situation nur die islamischen Gelehrten. Als Hilfe sollte dem Spieler immer das Denken dienen: Der Beruf soll sich am Ramadan orientieren und nicht der Ramadan am Beruf.

Wie kann das im Berufsalltag eines Fußballers aussehen?

Aus meiner Sicht ist es nicht möglich, einen Kompromiss zu finden. Der Fußballer, der Arbeitnehmer allgemein, muss versuchen, mit seinem Arbeitgeber eine Möglichkeit zu finden, bei der er weiterhin in der vorgesehenen Zeit fasten kann. Für uns Muslime ist es wichtig, die Meinung der Gelehrten heranzuziehen, bevor wir unsere eigene Meinung entscheiden lassen. Das ist eine große Verantwortung. Auch für den Fußball.

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