22.04.2010

Moritz Volz über den FC Fulham

»Der HSV wird sich wundern«

Moritz Volz stand von 2004 bis 2009 beim FC Fulham unter Vertrag und machte über 150 Spiele für den Traditionsklub. Heute ist er in Hamburg – als Fan. Ein Gespräch über mittelalterliche Kabinen, Busreisen und Bobby Zamora.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Moritz Volz, Sie spielten von 2004 bis 2009 beim FC Fulham. Haben Sie den Durchmarsch der Mannschaft bis ins Halbfinale der Europa League verfolgt?

Ich bin doch Fan, klar. Und als der HSV als Halbfinalgegner gelost wurde, habe ich mir sofort eine Karte gekauft. Nicht nur, weil ich noch viele Freunde im Team habe, auch weil Hamburg seit jeher meine Lieblingsstadt in Deutschland ist.



Sind Sie mit der Mannschaft gefahren?

Glücklicherweise nicht. Die waren tatsächlich 17 Stunden im Bus unterwegs.

Barcelonas Trainer Pep Guardiola führte die strapaziöse Busreise als einen Grund für die Niederlage bei Inter Mailand an.

Das kann ich gut verstehen. Die eine Mannschaft reist zum Hinspiel eingepfercht im Bus an, die andere zum Rückspiel komfortabel mit drei Meter Beinfreiheit in der ersten Klasse im Flugzeug. Das ist doch Wettbewerbsverzerrung.

Was soll man machen?

Durch den engen Fußball-Zeitplan kann ich die Entscheidung der UEFA, die Spiele nicht zu verschieben, durchaus nachvollziehen. Ich bin allerdings dafür, dass die Mannschaften im Rückspiel auf die gleiche Art und Weise anreisen müssen.

Wie ist es denn den Fulham-Spielern ergangen? Erschöpfung durch zu viel Kartenspiel und iPod? 

So ungefähr. Nein, sie suchten natürlich nach positiven Aspekten, sagten, eine solche Reise stärke den Teamgeist und Zusammenhalt. Und Trainer Roy Hodgson nahm es mit Humor. Er scherzte, dass er durch die Enge im Bus um 20 Zentimeter geschrumpft sei. Allerdings lässt er die Reise nicht als Ausrede gelten, das hat er den Spielern auch längst klar gemacht. Sie glauben an sich.

Kein Wunder, die Mannschaft hat auf dem Weg ins Halbfinale Titelverteidiger Schachtjor Donezk, den italienischen Rekordmeister Juventus Turin und den amtierenden deutschen Meister VfL Wolfsburg ausgeschaltet.

Eine Riesengeschichte für den Verein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der FC Fulham vor zwei Jahren noch gegen den Abstieg gespielt hat. Und natürlich auch vor dem Hintergrund, dass die »Top Four« der Premier League allesamt aus der Champions League ausgeschieden sind. Das macht den Fulham-Fan natürlich stolz.

Sie haben über 150 Spiele für den FC Fulham bestritten. Einen ähnlichen Triumphmarsch haben Sie allerdings nie erlebt. Was macht die Mannschaft aktuell so stark?

Vor allem die Geschlossenheit. Es gibt zwar mit Bobby Zamora einen Stürmer, der heraussticht und eine wahnsinnig gute Saison spielt. Er besitzt viele Qualitäten, er kann den Ball sehr gut halten, ist stark im Kopfballspiel und natürlich torgefährlich. Er macht sich zurecht noch Hoffnungen auf die WM. Doch kommt der Mannschaft vor allem zugute, dass Hodgson kaum rotiert. Das Team ist eingespielt wie kaum ein anderes in der Premier League.  

Zieht die Mannschaft Ihre Stärke auch aus der Underdog-Situation?

Durchaus. Die Mannschaft ist, außer in den Qualifikationsspielen, stets als Außenseiter in die Partien gegangen. Nach dem Sieg gegen die sehr spielstarke Mannschaft von Donezk, der zugegebenermaßen etwas glücklich zustande kam, strotzten die Fulham-Spieler vor Selbstbewusstsein. Dann dieser epochale Heimsieg gegen Juventus – nach einem 1:3 in Turin gewann Fulham mit 4:1 im Craven Cottage. Von dem Spiel wird man noch in 50 Jahren sprechen.

Einen Grund, Fulham zu unterschätzen, hatte der Viertelfinalgegner VfL Wolfsburg nicht.

Dennoch ging Fulham auch in diese Partie als Außenseiter. Auf diesem Niveau ist der Klub immer Underdog. Da reicht ein Blick auf die Etats der Vereine.

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