Mohamed Zidan im Interview

»Als hätte man mich erstochen«

Er war nicht unumstritten, doch mit vier, teils entscheidenden Treffern erkämpfte sich Mohamed Zidan Respekt bei den Fans der Borussia. Ein Gespräch über seine Freude auf die Vorbereitung und den ewigen Vergleich mit Mladen Petric. Mohamed Zidan im InterviewImago

Mohamed Zidan, wenn man sich Ihre Tor-Bilanz ansieht, war das »Derbyfieber«-Hallenturnier am Sonntag genau der richtige Start ins neue Jahr für Sie, oder?

Ja, Hallenturniere machen immer riesig Spaß. Aber es war am Sonntag unser erster Tag der Vorbereitung, von daher darf man das Ergebnis nicht so wichtig nehmen. Wir hatten davor drei Wochen Pause, in denen es sogar in Ägypten richtig kalt war. Von daher bin ich sehr froh, dass es mittlerweile wieder losgegangen ist und wir am Freitag ins Warme fahren.

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Sie wurden in Dortmund ins kalte Wasser geworfen, sind erst nach dem ersten Bundesliga-Spiel zum BVB gestoßen und haben deshalb keine Vorbereitung mit dem Team absolvieren können. Geht es für Sie jetzt erst richtig los?

Es ist sehr wichtig für einen Spieler, die Vorbereitung mit der Mannschaft zu verbringen, nicht nur aufgrund des Spielerischen. Gerade im Trainingslager ist man zehn Tage mit seinen Kollegen zusammen, wohnt mit ihnen in einem Hotel. Dort macht man einfach alles miteinander. Das ist für den Teamgeist wirklich sehr wichtig und bringt Leidenschaft in den Kader.

Fehlte Ihnen diese Vorbereitung in der Hinrunde?

Sicherlich, es ging damals alles sehr schnell. Deshalb brauchte es auch seine Zeit, bis ich die Mannschaft in ihrer Spielweise verstanden habe und meine Kollegen richtig kennengelernt hatte. Dazu kam noch meine Verletzung, die mich vier Wochen ausgebremst hat. Zum Schluss lief es deutlich besser für mich. Jetzt freue ich mich darauf, vier Wochen in Ruhe mit dem Team zu arbeiten.

Trotz der beschriebenen Probleme konnten Sie bereits vier Treffer auf Ihrem Konto verbuchen. Wie viel ist denn in der zweiten Saisonhälfte noch drin bei Ihnen?


Das kann ich nicht sagen. Erstmal bin ich froh, dass bereits das letzte halbe Jahr viel besser war als meine Vorsaison. Dort habe ich in der ganzen Spielzeit nur zwei Treffer für den Hamburger SV erzielt. Jetzt habe ich 13 Spiele und vier Tore gemacht. Doch darum geht es nicht. Ich muss nicht unbedingt so und so viele Treffer erzielen oder Torschützenkönig werden. Ich will nur Leistung bringen und mit dem Team noch vorne kommen.

Am Ende der Hinrunde lag der BVB auf Rang sechs der Tabelle und war damit so erfolgreich wie seit sechs Jahren nicht mehr. Was kann die Borussia im Jubiläumsjahr noch erreichen?

Wir hatten ein gutes Halbjahr, aber es wird nicht einfach, das zu wiederholen, denn jede Mannschaft legt jetzt noch einmal eine Schippe drauf. Unser Abstand nach unten ist nicht riesig, aber das gilt auch für den Abstand nach vorne. Wenn wir nicht so viele Runden weggeben, sind wir oben mit dabei. Das ist unser Ziel, gerade um unseren Fans etwas zurückzugeben.

Sie sprechen den schwarz-gelben Anhang an. Sie hatten zu Beginn einen schweren Stand unter den Fans auf der Südtribüne. Wie hat sich die Beziehung mittlerweile entwickelt?

In den ersten zwei oder drei Spielen gab es Situationen, in denen Sie mich ausgepfiffen haben. Aber ich habe das mit Ruhe aufgenommen und es akzeptiert. Meine Teamkameraden haben mich in dieser Phase sehr unterstützt und sich hinter mich gestellt. Das hat mir sehr weitergeholfen. Mittlerweile läuft es besser, ich werde unterstützt. Das habe ich auch im Urlaub in Ägypten meinen Landsleuten erzählt. Ich war dort zu Gast in einer TV-Show und wurde über die Südtribüne ausgefragt.

Was haben Sie geantwortet?


Ich habe gesagt, dass ich so etwas noch nie erlebt habe. Auch in Ägypten gibt es Stadien, die 80.000 oder sogar 90.000 Zuschauer fassen, aber das, was auf der Südtribüne abgeht, kann man mit nichts vergleichen. Man braucht eigentlich gar nicht zu denken, dass es noch größer wäre, für Madrid oder Barcelona zu spielen. In meinen Augen ist Dortmund genauso groß, zumindest was die Fans betrifft.

Wenn man sich mit Ihnen unterhält, bekommt man ein ganzes anderes Bild, als das, was gerade in den Hamburger Medien zuletzt kursierte. Sie wirken befreit. War der Schritt nach Dortmund der erhoffte Neuanfang für Sie?

Ja, absolut. Wir haben hier eine super Mannschaft, auch im menschlichen Bereich. Ich bin richtig froh, hier zu sein.

Welchen Anteil hat Jürgen Klopp an Ihrem Aufschwung?

Sein Anteil ist der, dass er mir das Selbstvertrauen wieder gegeben hat. Er glaubt an mich und vertraut mir. Das gibt enorm Kraft. Ich denke, ich spreche da nicht nur für mich, sondern für die ganze Mannschaft. Es macht richtig Spaß, unter ihm zu arbeiten. In Hamburg spürte ich kein Vertrauen, das ist jetzt anders.

Lag es allein daran, dass es nicht lief beim HSV und Sie dort zum Sündenbock degradiert wurden?

Ich war dort nicht anders als jetzt auch. Der Unterschied war: ich wurde dort nicht so aufgenommen wie in Dortmund, habe mich immer einsam gefühlt. Ich bin traurig darüber, dass ich dieses schlechte Image abbekommen habe. Was beim HSV für mich falsch gelaufen ist, war, dass die Presse am Anfang extrem auf mich angesprungen ist. Die ersten zwei, drei Wochen waren nur Geschichten über van der Vaart und mich in der Zeitung.

Was hatte das für Auswirkungen?

Das hat mich in der Mannschaft kaputt gemacht, weil sie gelesen haben, was teilweise aus meinen Worten gemacht wurde. Einmal hatten wir ein Ui-Cup-Spiel in Budapest, wir haben schlecht gespielt. Nachher wollte ein Journalist mit mir sprechen, doch dann kam Frank Rost und hat mich weggehauen. Ich fragte, was er für ein Problem habe, da sagte er zu mir: In Bremen hast du es nicht geschafft, du bist ein Absteiger. Ich habe mich gefühlt, als hätte man mich mit dem Messer erstochen. Ich saß im Bus, hatte Tränen in den Augen. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade einen Monat im Verein.

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Als ich nach Dortmund gekommen bin, habe ich viele Interviewanfragen abgelehnt, es zugleich aber auch erklärt. Ich wollte erst richtig in der Mannschaft ankommen.

Was Sie wohl noch länger beschäftigen wird als die Frage nach Ihrem Image ist der ewige Vergleich mit Mladen Petric. Wie sehr nervt es Sie, immer in einen Topf mit ihrem »Tauschpartner« geworfen zu werden?

Es nervt mich wirklich. Wenn ich nicht nach Dortmund, und er nicht zum HSV gewechselt wäre, wäre die Situation eine völlig andere. Man muss nur mal sehen, wie viele Spiele er, und wie viele Spiele ich absolviert habe. Man weiß nie, wie es weiter läuft. Aber selbst, wenn ich in der Rückrunde mehr Tore schießen sollte als er, interessiert es mich nicht. Wir gehen beide unseren Weg. Hamburg ist glücklich mit ihm und Dortmund glücklich mit mir - das hoffe ich jedenfalls.

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