Mo Idrissou über Lügen und Zukunft

»Freiburg rettete mein Leben«

Über Mo Idrissou ist viel geschrieben worden: Über seinen Streit mit der Mannschaft, seine Verbannung auf die Bank gegen Hertha, seinen angeblichen Wechsel zu Schalke. Jetzt äußert sich Idrissou selbst. Mo Idrissou über Lügen und Zukunft

In der letzten Saison war Mo Idrissou mit 13 Toren der Garant für den Freiburger Aufstieg. In der Hinrunde 09/10 wurden erstmals Gerüchte laut, Idrissou würde ablösefrei nach Schalke wechseln. In der Rückrunde kam es zum Eklat: Idrissou wurde für das Spiel gegen Hertha aus der Elf gestrichen, weil er laut Medienberichten zu seinen Mitspielern gesagt haben soll: »Ich habe keine Lust mehr darauf, mit Absteigern zu spielen.« Trotz der Unruhe lieferte Idrissou zuletzt engagierte Vorstellungen ab. Wir sprachen mit ihm vor dem Spiel in Köln.

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Mo Idrissou, wie geht der SC in die Aufgabe beim FC Köln?

Wir müssen uns das Ziel setzen, auch auswärts drei Punkte zu holen. Die Kölner sind schon sicher durch, trotzdem wird es nicht einfach. Köln ist nicht unbedingt besser als wir. Sie haben einen höheren Zuschauerschnitt, aber ich glaube, dass wir mehr spielerisches Potenzial haben.

Freiburg hat zwei Mal in Folge gewonnen. War das eine Vorentscheidung im Abstiegskampf?

Es ist zu früh, sich auszuruhen. Wir haben eine junge, hungrige Mannschaft. Uns ist bewusst, dass wir noch nichts erreicht haben. Auch diese zwei Siege geben keine Garantie für den Klassenerhalt.

In Bremen bot die Mannschaft eine desolate Vorstellung, dann folgten zwei Heimsiege. Was ist mit dem Team passiert?

Gegen Bremen sind wir einfach allergisch. In zwei Spielen haben wir zehn Tore gegen Werder kassiert. Die Bremer haben für mich mit die spielstärkste Mannschaft der Bundesliga, deswegen ist es keine Schande, gegen sie zu verlieren. Wichtig war, dass wir die richtigen Schlüsse daraus gezogen haben. Es spricht für die Mannschaft, dass wir trotz der hohen Niederlage wieder aufgestanden sind. Das war nach dem 0:6 im Hinspiel gegen Bremen auch schon so.

Für den Aufstieg im letzten Jahr hatten Sie einen Striptease auf dem Rasen versprochen. Holen Sie den beim Klassenerhalt nach?

(lacht) Mal abwarten. Fragen Sie mich noch einmal, wenn es so weit ist. Letztes Jahr hatte der Trainer was dagegen.

In den letzten Spielen haben Sie sich richtig reingehängt. Dabei wurden Sie noch vor dem Spiel gegen Hertha aus dem Kader gestrichen, weil Sie gesagt haben sollen, nicht weiter mit »Absteigern« spielen zu wollen. Sind alle Probleme bereinigt?

Es gab nie Probleme. Ich habe nie gesagt, dass ich nicht mit Absteigern zusammen spielen will. Ich bin so lange schon in Deutschland, ich weiß, wie man sich verhält. Die Leute sollten wissen, dass ich nicht der Typ bin, der so etwas sagt. Es hat mich maßlos geärgert, dass so etwas über mich verbreitet wurde. Der SC Freiburg hat mein Leben gerettet – wie könnte ich dann so etwas sagen?!

Klingt, als wäre bei dieser Geschichte noch einiges hängen geblieben.

Ich wurde zu Unrecht an den Pranger gestellt. Noch einmal: Das, was da geschrieben wurde, habe ich nicht gesagt. Für mich persönlich ist das Thema abgehakt, das Verhältnis zwischen der Mannschaft, dem Trainer und mir ist überhaupt nicht belastet. Auch, wenn das viele meinen. Es geht jetzt nicht um Mo Idrissou, sondern um den Klassenerhalt vom SC.

Gerade sagten Sie, dass Freiburg Ihr Leben gerettet habe. Wie meinen Sie das?

Ich war am Boden, bevor der SC mich geholt hat. In meinen vorherigen Stationen gab es immer wieder Trubel um meine Person, den ich nie verstehen konnte. Hier in Freiburg gibt man mir die Ruhe und die Kraft, um mich auf das Sportliche zu konzentrieren. Ich bin in der Mannschaft akzeptiert. Die Mannschaft, die Fans und die Stadt geben mir Vertrauen.

Sie waren öfters in Ihrer Karriere in den Schlagzeilen. Lesen Sie überhaupt noch Zeitung?

Nein. Ich bin erfahren und stark genug, um über den Dingen zu stehen, die in der Zeitung über mich abgedruckt werden. Hier in Freiburg ist die Zusammenarbeit mit der Presse eigentlich sehr angenehm. Anders als bei anderen Vereinen, bei denen ich vorher war.

Auch wenn Sie sich in Freiburg also wohl fühlen, ist es nicht sicher, ob Sie in Freiburg bleiben, oder?

Ich konzentriere mich erst einmal auf den Abstiegskampf, dann freue mich auf die WM. Die Entscheidung liegt jetzt nicht mehr an mir. Ich fühle mich wohl in Freiburg und will hier bleiben. Der Verein muss mit meinem Berater eine Entscheidung treffen. Doch das wird sich nach der Saison klären.

Und was machen Sie, wenn Felix Magath noch einmal anruft?

Es ist normal, dass andere Vereine Interesse haben. Ich bin schließlich ablösefrei. Letztendlich nehme ich es, wie es kommt. Ich will nicht ausschließen, für andere Vereine zu spielen. Es wäre schön, wenn eine Einigung – egal mit wem – vor der WM klappen könnte. Aber das spielt jetzt keine Rolle, jetzt zählt nur: Klassenerhalt mit Freiburg.

Video: Mo Idrissou am Mikro (ab 2:19), Heiko Butscher an den Drums.



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