Miroslav Klose im Interview

»Wir haben was im Kopf«

Lange war Miroslav Klose die unangefochtene Nummer 1 im deutschen Angriff – plötzlich muss er um seinen Stammplatz zittern. Wir sprachen mit ihm über ein schwieriges Jahr bei den Bayern, eine Wette mit Toni und das Klima bei der Nationalelf. Miroslav Klose im InterviewImago

Herr Klose, haben Sie sich gut eingelebt auf Mallorca?

Ich muss ja nicht leben hier, ich muss nur trainieren. Und dafür sind die Bedingungen perfekt. Es gibt nichts zu meckern. Keine Mühe wurde gescheut, und so ist auch die Intensität in den Trainingseinheiten. Es wird viel gearbeitet, es wird gut gearbeitet. Jeder ist gedanklich immer dabei. Das ist sehr professionell und macht sehr viel Spaß.

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Haben Sie die ersten Tage der Regeneration und aktiven Erholung genossen?

So würde ich es nicht sagen. Regeneration war es nach meinem Empfinden nicht. Wir haben viel Fitnesstraining für die Beine und den Oberkörper gemacht. Das tut uns gut. Und vor allem freut man sich dann auch ein bisschen auf den Ball.

Der Bundestrainer hat gesagt, Ihnen tue die Luftveränderung gut. Empfinden Sie das auch so?

Ja, das Wetter war ja bisher schön.

Joachim Löw hat wohl eher das Klima innerhalb der Mannschaft gemeint. Was macht das aus?

Der Zusammenhalt. Viele Spieler treffen sich abends im Hotel – das war auch so, als unsere Frauen noch hier waren. Die Frauen haben in der einen Ecke gesessen, und wir Spieler waren zusammen. Daran merkt man, dass wir eine Einheit sind. Wir finden uns langsam wieder. Es ist gut, dass wir erfahrenen Spieler uns schon länger kennen, mit allen Stärken und Schwächen. Ich weiß zum Beispiel genau, wie Torsten Frings oder Christoph Metzelder ticken.

Wieso ist das wichtig?

Der Fußball ist mittlerweile so schnell, da kann man nicht zweimal hochgucken, sonst ist der Gegner schon da. Aber wenn du im Spiel mal den Ball verlierst, kannst du dich darauf verlassen, dass da noch einer ist, der deinen Fehler wieder wettmacht. Das zeichnet uns aus, und nur so kommen wir weiter. Fußball spielen können wir alle. Aber die letzten zehn Prozent, die müssen aus dem Inneren kommen, aus dem Herzen.

Woraus bezieht diese Mannschaft ihre Motivation?

Wir wollen so Fußball spielen, dass die Fans automatisch hinter uns stehen. Wir wollen offensiv spielen, wir wollen guten Fußball spielen, wir wollen, dass der Fan sieht: Aha, die Mannschaft will, die Mannschaft hat was vor, die Mannschaft agiert und reagiert nicht nur. Das ist das A und O: dass wir versuchen, den Ton anzugeben. Natürlich muss man sich auf den Gegner einstellen und den Gegner respektieren, aber wir haben was im Kopf, das wir umsetzen wollen.

Wie nehmen Sie den Konkurrenzkampf im Sturm wahr?


Durchaus positiv, und das gilt nicht nur für den Sturm, sondern für die gesamte Mannschaft. Im Training geht es hart zur Sache, und das ist absolut richtig. Gerade bei den vielen jungen Spielern merkt man: die wollen. Für die Trainer wird es schwer zu entscheiden, wer nach Hause muss.

Müssen Sie auch um Ihren Platz als Führungsspieler im Sturm ein bisschen fürchten?

Glauben Sie das?

Nein.


Dann sind wir uns ja einig.

Aber Sie haben bei den Bayern keine berauschende Rückrunde gespielt. Oder sehen Sie das anders?

Nein, ich muss mir nichts vormachen: Die Rückrunde war ganz schlecht. Das war absolut nicht auf meinem Niveau.

War das erste Jahr beim FC Bayern schwieriger als Ihr erstes bei Werder Bremen?

Nein, in Bremen hatte ich ähnliche Anlaufschwierigkeiten, nur dass da die Hinrunde etwas schlechter war und die Rückrunde besser. Bei den Bayern war es umgekehrt. Aber die Saison ist abgehakt. Das, was wir uns vorgenommen haben, Meisterschaft und Pokalsieg, haben wir erreicht.

Aber Sie werden wahrscheinlich nach Ursachen für Ihre schlechte Rückrunde geforscht haben.


Ich war körperlich nicht so fit, wie ich es hätte sein müssen, um alle drei Tage auf hohem Niveau zu spielen. Ich war oft angeschlagen und habe trotzdem versucht zu spielen. Aber die Vergangenheit hat schon mehrfach gezeigt, dass ich mir damit keinen Gefallen tue. So ist es immer mühsam.

Wie fühlen Sie sich jetzt nach Ihrer Operation an der Nase?


Bestens. Ich habe keine Angst mehr vor Zweikämpfen.

Also sind Sie zuversichtlich, dass die EM für Sie besser laufen wird.


Ja, es wird langsam wieder Zeit, das zu zeigen, was ich kann. Die Hauptsache ist, dass ich mit mir selbst klarkomme.

Bei der WM vor zwei Jahren wollten Sie fünf Tore schießen. Das haben Sie geschafft. Welche Ziele haben Sie sich für die Europameisterschaft gesetzt?

Das werde ich dieser Tage im Hotel mit mir selbst ausmachen. Ich habe auf jeden Fall mit Luca Toni gewettet, dass ich mehr Tore schieße als er.

Werden Sie vor dem Turnier bekannt geben, welches Ziel Sie mit sich ausgehandelt haben?


Nein, das ist intern. Wenn ich mein Ziel erreicht habe, werde ich sagen, welche Torquote ich mir vorgenommen hatte. Bei der WM wollte ich mindestens fünf Tore machen, weil ich vier Jahre zuvor auch fünf Tore geschossen habe. Aber ich kann jetzt nicht die letzte EM als Maßstab nehmen – da habe ich gar nicht getroffen.

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