26.05.2008

Miroslav Klose im Interview

»Wir haben was im Kopf«

Lange war Miroslav Klose die unangefochtene Nummer 1 im deutschen Angriff – plötzlich muss er um seinen Stammplatz zittern. Wir sprachen mit ihm über ein schwieriges Jahr bei den Bayern, eine Wette mit Toni und das Klima bei der Nationalelf.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago
Herr Klose, haben Sie sich gut eingelebt auf Mallorca?

Ich muss ja nicht leben hier, ich muss nur trainieren. Und dafür sind die Bedingungen perfekt. Es gibt nichts zu meckern. Keine Mühe wurde gescheut, und so ist auch die Intensität in den Trainingseinheiten. Es wird viel gearbeitet, es wird gut gearbeitet. Jeder ist gedanklich immer dabei. Das ist sehr professionell und macht sehr viel Spaß.



Haben Sie die ersten Tage der Regeneration und aktiven Erholung genossen?

So würde ich es nicht sagen. Regeneration war es nach meinem Empfinden nicht. Wir haben viel Fitnesstraining für die Beine und den Oberkörper gemacht. Das tut uns gut. Und vor allem freut man sich dann auch ein bisschen auf den Ball.

Der Bundestrainer hat gesagt, Ihnen tue die Luftveränderung gut. Empfinden Sie das auch so?

Ja, das Wetter war ja bisher schön.

Joachim Löw hat wohl eher das Klima innerhalb der Mannschaft gemeint. Was macht das aus?

Der Zusammenhalt. Viele Spieler treffen sich abends im Hotel – das war auch so, als unsere Frauen noch hier waren. Die Frauen haben in der einen Ecke gesessen, und wir Spieler waren zusammen. Daran merkt man, dass wir eine Einheit sind. Wir finden uns langsam wieder. Es ist gut, dass wir erfahrenen Spieler uns schon länger kennen, mit allen Stärken und Schwächen. Ich weiß zum Beispiel genau, wie Torsten Frings oder Christoph Metzelder ticken.

Wieso ist das wichtig?

Der Fußball ist mittlerweile so schnell, da kann man nicht zweimal hochgucken, sonst ist der Gegner schon da. Aber wenn du im Spiel mal den Ball verlierst, kannst du dich darauf verlassen, dass da noch einer ist, der deinen Fehler wieder wettmacht. Das zeichnet uns aus, und nur so kommen wir weiter. Fußball spielen können wir alle. Aber die letzten zehn Prozent, die müssen aus dem Inneren kommen, aus dem Herzen.

Woraus bezieht diese Mannschaft ihre Motivation?

Wir wollen so Fußball spielen, dass die Fans automatisch hinter uns stehen. Wir wollen offensiv spielen, wir wollen guten Fußball spielen, wir wollen, dass der Fan sieht: Aha, die Mannschaft will, die Mannschaft hat was vor, die Mannschaft agiert und reagiert nicht nur. Das ist das A und O: dass wir versuchen, den Ton anzugeben. Natürlich muss man sich auf den Gegner einstellen und den Gegner respektieren, aber wir haben was im Kopf, das wir umsetzen wollen.

Wie nehmen Sie den Konkurrenzkampf im Sturm wahr?


Durchaus positiv, und das gilt nicht nur für den Sturm, sondern für die gesamte Mannschaft. Im Training geht es hart zur Sache, und das ist absolut richtig. Gerade bei den vielen jungen Spielern merkt man: die wollen. Für die Trainer wird es schwer zu entscheiden, wer nach Hause muss.

Müssen Sie auch um Ihren Platz als Führungsspieler im Sturm ein bisschen fürchten?

Glauben Sie das?

Nein.


Dann sind wir uns ja einig.

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