Miro Kadlec über Sohnemann und FCK

»Gelobt wird später«

Sein Sohn spielt für Bayer Leverkusen, Miroslav Kadlec erlebte seine erfolgreichste Zeit beim 1. FC Kaiserslautern. Am Mittwoch treffen die beiden Klubs im Pokal aufeinander. Ein Gespräch über Liberos und väterliches Lob. Miro Kadlec über Sohnemann und FCK

Herr Kadlec, wem drücken Sie am Mittwoch die Daumen - dem Klub Ihres Sohnes Michal oder »Ihrem« FCK?

Das ist schwierig. Ich sag’s mal ganz diplomatisch: Der Bessere soll gewinnen. Ich hoffe natürlich, dass die Mannschaft von Michal weiterkommt, aber wenn der FCK verdient gewinnt, bin ich darüber auch nicht unglücklich. Ich habe ja auch noch viele Freunde im Verein.

Sie waren in den Neunzigern einer der besten Liberos der Bundesliga. Den »freien Mann« gibt es heute nicht mehr. Wo würden Sie im heutigen Fußball spielen?

Ich wäre wohl Innenverteidiger. Heute ist natürlich alles schneller, aber die Innenverteidiger haben es heute auch einfacher. Ich musste damals die ganze Abwehr absichern und alle langen Bälle ablaufen, hatte nur den Vorstopper vor mir. Heute verschiebt sich die ganze Viererkette ständig.

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Ihr Sohn ist Außenverteidiger. Welche Fähigkeiten hat Michal Kadlec von seinem Vater geerbt – und welche hat er vielleicht, die Sie nicht hatten?

Mir gefällt, dass Michal an sich arbeitet und immer stärker wird. Er ist wirklich ein Vorzeigeprofi, der alles für seinen Beruf tut. Er hat mit seiner Schnelligkeit und seinem linken Fuß andere Stärken als ich. Aber auch sein Stellungsspiel wird immer besser.

Trauen Sie Ihrem Sohn eine Karriere zu, die ähnlich erfolgreich verläuft wie Ihre eigene?

Ja, ich denke schon, dass er das schaffen kann. Er ist in seiner Entwicklung früher dran als ich. Ich wurde erst in der U 21 Nationalspieler, er in der U 19. Ich bin erst nach der Wende mit 26 ins Ausland gegangen, er ist schon drei Jahre früher nach Deutschland gewechselt. Es kommt auch darauf an, bei welchen Mannschaften er spielt. Momentan ist Bayer Leverkusen wirklich optimal für ihn. 

Sind Sie eher der größte Kritiker Ihres Sohnes oder fällt auch ein wenig väterliches Lob ab?

Früher war ich eher kritisch und habe ihn oft auf Situationen hingewiesen, die nicht so gut waren. Aber jetzt bin ich mit Kritik vorsichtiger, er spielt ja schon im zweiten Jahr erfolgreich in der Bundesliga. Wenn er etwas gut gemacht hat, dann sage ich schon mal »Das war nicht schlecht«... (lacht)

Das Lob ist gut verpackt...

Nein, im Ernst: Ich bin mit Lob vorsichtig und sage immer: Loben kann man nach der Karriere. Jetzt muss er noch Gas geben, dass er besser wird. Wenn man mit dem, was man hat, zufrieden ist, erreicht man nichts.

Vor 13 Jahren schossen Sie die Lauterer ins Pokalfinale – gegen Bayer Leverkusen. Erinnern Sie sich an Ihr Tor zum 1:0?

Ehrlich gesagt, kam mir das erst bei Ihrer Anfrage wieder in Erinnerung. Es war, glaube ich, ein abgefälschter Schuss damals.

Im Finale in Berlin gewann der FCK mit Ihnen dann den Pokal - eine Woche nach dem Abstieg. Wurde dennoch gefeiert?

Gefeiert haben wir schon. Wir waren am Rathaus. Es war natürlich ein bisschen komisch, man konnte nicht so befreit feiern.

Leverkusen scheint Sie zu verfolgen. Auch Ihre einzige rote Karte in der Bundesliga bekamen Sie gegen die Werkself vorgehalten.

Ach ja, das war diese Situation mit dem Polen mit dem Schnurrbart, wie hieß er noch..., ah ja: Marek Lesniak! Wir sind von der Mittellinie nebeneinander hergelaufen und haben uns am Strafraum mit den Schultern berührt. Der Schiedsrichter hat das als Notbremse aufgefasst. Es war aber eigentlich keine rote Karte.

Sie spielten für einen Abwehrspieler extrem fair, haben in acht Jahren Bundesliga nur 16 gelbe Karten bekommen. Hatten Sie Fouls nicht nötig?

Der Schnellste war ich nie, aber mein Stellungsspiel war sicher sehr gut. Ich habe meistens vorher schon geahnt, wo der Gegner den Ball hinspielen konnte. Mein gutes Auge war mein großer Vorteil.

Ihre Jahre in Kaiserslautern waren sehr erfolgreich...

Wenn man heute auf den FCK-Wimpel schaut, steht dort »4 Mal Deutscher Meister« und »2 Mal Pokalsieger« - und ich war bei drei Erfolgen mit dabei. Man muss erst einmal sehen, wie lange das dauert, bis da wieder etwas dazu kommt... Die Neunziger waren ja die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte – und ich war acht Jahre davon dabei. Das macht schon stolz.

Was war damals das Besondere an der Lauterer Mannschaft?

Der Teamgeist war super, es gab keinen großen Star. Mit uns hat damals auch keiner gerechnet. Mit dem Meistertitel 1991 haben einige Spieler sicherlich Selbstvertrauen getankt, wir haben dann fast jedes Jahr oben mitgespielt – außer 1996 – und waren sogar noch einmal Vizemeister. Vor allem zu Hause waren wir sehr stark, haben fast zwei Jahre nicht verloren. Nach Lautern ist keiner gerne fahren.

Wie kam es zu dem plötzlichen Einbruch und dem ersten Abstieg in die 2. Liga?

Wir haben blöde Niederlagen kassiert, hatten mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Es ist einiges schief gelaufen. Im Nachhinein muss man aber sagen, dass es so ganz gut war.

Weil Kaiserslautern ohne den Abstieg nicht Meister geworden wäre?

Genau. Ohne den Abstieg wäre wahrscheinlich alles beim Alten geblieben, man hätte mit dem Pokalsieg alles unter den Teppich gekehrt.

Was geht in einem ehemaligen Spieler vor, wenn man zusehen muss, wie es immer weiter nach unten geht?

Ich lebe 1.800 km von Kaiserslautern entfernt, deswegen bekomme ich nicht alles hautnah mit. Aber wenn man hört, was für eine Einkaufspolitik gefahren wurde, wie Gelder einfach verschwunden sind, dann ist das sehr traurig.

Was schmerzt besonders?

Vor allem, dass man zehn Jahre alles aufgebaut hat und in der Champions League gespielt hat – damals war ja sozusagen Kohle ohne Ende da! Und dann wird innerhalb von ein, zwei Jahren alles kaputt gemacht... Das tut einem natürlich für die Pfälzer Fans sehr Leid, die teilweise 100 Kilometer zu den Spielen fahren.

Denken Sie, dass mit Stefan Kuntz nun der richtige Mann am Ruder ist?

Gerry Ehrmann hat mir erzählt, dass letztes Jahr der Klassenerhalt in der zweiten Liga wie die Meisterschaft gefeiert wurde! Mit Stefan Kuntz scheint es nach oben zu gehen. Man muss natürlich abwarten, wie sich die Lage mit den Sponsoren entwickelt. In Kaiserslautern gibt es nicht viel Industrie, es ist keine große Stadt wie Köln oder Frankfurt.

Haben Sie selbst zwischenzeitlich über ein Engagement bei Ihrem alten Verein nachgedacht?

Einige Monate bevor Stefan Kuntz angefangen hat, kam der FCK auf mich zu. Dass muss im November oder Dezember gewesen sein. Aber ich lebe nicht in Deutschland und konnte mir nicht vorstellen, weit entfernt von meiner Familie zu wohnen.

Für die Nationalmannschaft Ihrer Heimat Tschechien wird es in der WM-Qualifikation ganz eng.

Tschechien kann den europäischen Fußball nicht auf Jahrzehnte hinaus beherrschen. Wir sind ein kleines Land, hatten in den Neunzigern ausnahmsweise eine sehr gute Generation. Das ging los 1995/96, vielleicht bis 2005. Bei der WM in Deutschland waren wir schon schlecht.

Sind die goldenen Zeiten, als Tschechien eine der besten Mannschaften in Europa war, vorbei?

Die guten zehn Jahre waren eine Ausnahme. Wenn wir uns einmal nicht für ein großes Turnier qualifizieren, ist das sicher nicht schlimm. Dann können sich die Leute auch wieder richtig freuen, wenn wir es dann wieder in die Endrunde schaffen.

Letzte Frage: Wie lautet Ihr Tipp für Mittwoch?

Es ist ein Pokalspiel, deswegen ist alles möglich. Das Spiel wird ausverkauft sein, nehme ich an. Gute Stimmung ist garantiert. So wie Leverkusen momentan spielt, müssen sie normalerweise gewinnen. Auch weil Lautern nur zweite Liga spielt. Ich setze auf Leverkusen.

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