22.09.2009

Miro Kadlec über Sohnemann und FCK

»Gelobt wird später«

Sein Sohn spielt für Bayer Leverkusen, Miroslav Kadlec erlebte seine erfolgreichste Zeit beim 1. FC Kaiserslautern. Am Mittwoch treffen die beiden Klubs im Pokal aufeinander. Ein Gespräch über Liberos und väterliches Lob.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Miro Kadlec über Sohnemann und FCK
Herr Kadlec, wem drücken Sie am Mittwoch die Daumen - dem Klub Ihres Sohnes Michal oder »Ihrem« FCK?

Das ist schwierig. Ich sag’s mal ganz diplomatisch: Der Bessere soll gewinnen. Ich hoffe natürlich, dass die Mannschaft von Michal weiterkommt, aber wenn der FCK verdient gewinnt, bin ich darüber auch nicht unglücklich. Ich habe ja auch noch viele Freunde im Verein.

Sie waren in den Neunzigern einer der besten Liberos der Bundesliga. Den »freien Mann« gibt es heute nicht mehr. Wo würden Sie im heutigen Fußball spielen?

Ich wäre wohl Innenverteidiger. Heute ist natürlich alles schneller, aber die Innenverteidiger haben es heute auch einfacher. Ich musste damals die ganze Abwehr absichern und alle langen Bälle ablaufen, hatte nur den Vorstopper vor mir. Heute verschiebt sich die ganze Viererkette ständig.



Ihr Sohn ist Außenverteidiger. Welche Fähigkeiten hat Michal Kadlec von seinem Vater geerbt – und welche hat er vielleicht, die Sie nicht hatten?

Mir gefällt, dass Michal an sich arbeitet und immer stärker wird. Er ist wirklich ein Vorzeigeprofi, der alles für seinen Beruf tut. Er hat mit seiner Schnelligkeit und seinem linken Fuß andere Stärken als ich. Aber auch sein Stellungsspiel wird immer besser.

Trauen Sie Ihrem Sohn eine Karriere zu, die ähnlich erfolgreich verläuft wie Ihre eigene?

Ja, ich denke schon, dass er das schaffen kann. Er ist in seiner Entwicklung früher dran als ich. Ich wurde erst in der U 21 Nationalspieler, er in der U 19. Ich bin erst nach der Wende mit 26 ins Ausland gegangen, er ist schon drei Jahre früher nach Deutschland gewechselt. Es kommt auch darauf an, bei welchen Mannschaften er spielt. Momentan ist Bayer Leverkusen wirklich optimal für ihn. 

Sind Sie eher der größte Kritiker Ihres Sohnes oder fällt auch ein wenig väterliches Lob ab?

Früher war ich eher kritisch und habe ihn oft auf Situationen hingewiesen, die nicht so gut waren. Aber jetzt bin ich mit Kritik vorsichtiger, er spielt ja schon im zweiten Jahr erfolgreich in der Bundesliga. Wenn er etwas gut gemacht hat, dann sage ich schon mal »Das war nicht schlecht«... (lacht)

Das Lob ist gut verpackt...

Nein, im Ernst: Ich bin mit Lob vorsichtig und sage immer: Loben kann man nach der Karriere. Jetzt muss er noch Gas geben, dass er besser wird. Wenn man mit dem, was man hat, zufrieden ist, erreicht man nichts.

Vor 13 Jahren schossen Sie die Lauterer ins Pokalfinale – gegen Bayer Leverkusen. Erinnern Sie sich an Ihr Tor zum 1:0?

Ehrlich gesagt, kam mir das erst bei Ihrer Anfrage wieder in Erinnerung. Es war, glaube ich, ein abgefälschter Schuss damals.

Im Finale in Berlin gewann der FCK mit Ihnen dann den Pokal - eine Woche nach dem Abstieg. Wurde dennoch gefeiert?

Gefeiert haben wir schon. Wir waren am Rathaus. Es war natürlich ein bisschen komisch, man konnte nicht so befreit feiern.

Leverkusen scheint Sie zu verfolgen. Auch Ihre einzige rote Karte in der Bundesliga bekamen Sie gegen die Werkself vorgehalten.

Ach ja, das war diese Situation mit dem Polen mit dem Schnurrbart, wie hieß er noch..., ah ja: Marek Lesniak! Wir sind von der Mittellinie nebeneinander hergelaufen und haben uns am Strafraum mit den Schultern berührt. Der Schiedsrichter hat das als Notbremse aufgefasst. Es war aber eigentlich keine rote Karte.

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