Mirko Votava über Torsten Frings

»Er ist wer auf dem Platz«

Bundestrainer Joachim Löw will in Zukunft auf Torsten Frings verzichten. Wir sprachen mit Mirko Votava, dem Urvater der Bremer Sechser, über diese Entscheidung, den Wert der Erfahrung und Frings' Ökonomie beim Laufen. Mirko Votava über Torsten Frings

Mirko Votata, hat Sie die Entscheidung Joachim Löws überrascht, Torsten Frings nicht mehr zu nominieren?

Ich bin insofern überrascht, als es sehr früh kommt. In dem halben Jahr bis zur WM kann noch viel passieren. Einen so guten und erfahrenen Spieler wie Torsten Frings kann man immer gebrauchen. Ich hätte also die Tür noch nicht zugemacht.

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Löw hätte es ihm sogar noch früher sagen können. Frings hat seit über einem Jahr kein Länderspiel mehr bestritten und trotzdem auf seine Rückkehr gehofft. Vergeblich.


Wann ist schon der richtige Zeitpunkt? Es ist immer bitter.

Welche Alternativen hat Löw?


Ich habe die Sichtung nicht vorgenommen, kann das also nicht richtig beurteilen. Nur soviel: Es kommt auf die Mischung an. Nur mit jungen Talenten kann man nicht in ein solches Turnier starten, man braucht auch erfahrene Männer.

Frings zehrt von zwei Welt- und zwei Europameisterschaften.


Sagen wir so: Ob er gefehlt hat, wird man hinterher feststellen. Wenn Löw einem Spieler wie Frings absagt, ist er sich zum heutigen Zeitpunkt offenbar sicher, dass er eine gute Mischung aus Jung und Alt in seinem Kader hat.

Frings wird 34, sie haben bis zu ihrem 40. Lebensjahr gespielt. Wann erreicht ein defensiver Mittelfeldmann seinen Zenit?


Ich hatte mit 40 noch eine gute Zeit. Da konnte ich das Spiel erst komplett lesen und als Kapitän meine Mitspieler richtig stellen. Ich habe aber nicht nur rumgeschrieen, sondern meinen Nebenleuten auch den unbedingten Einsatzwillen vorgelebt.

Wird ein Sechser mit dem Alter immer besser?


Erfahrung ist für jede Position wichtig. Doch auf der Position des Sechsers ballen sich alle Anforderungen. Er muss die Abwehr stabilisieren und gleichzeitig Aufgaben übernehmen, die früher der Spielmacher inne hatte, zum Beispiel das Spiel eröffnen und sich im Dribbling durchsetzen.

Früher galt ein defensiver Mittelfeldmann als Wachhund für den gegnerischen Spielmacher. Könnten Männer wie Sie und Dieter Eilts oder Guido Buchwald heute noch ein Spiel bestimmen?
 

Ach, Dieter Eilts hat doch schon gespielt wie ein moderner Sechser: noch im Tackling schon der Blick nach vorn.

Und Sie selbst?


Zugegeben: Ich war nie der Schnellste. Aber ich hatte mir in der Liga einen solchen Ruf erarbeitet, dass die Gegenspieler gar nicht mehr versucht haben, an mir vorbeizukommen (lacht). Bei Torsten ist das ähnlich. Er ist jemand auf dem Platz.

Wäre er denn überhaupt fit genug für eine WM?


Er ist nicht mehr so frisch wie mit 18, aber durch seine Erfahrung gleicht er das mehr als aus. Ein 18-Jähriger rennt nun mal blindwütig jedem Ball hinterher, ohne Erfolg zu haben, ein erfahrener Mann spart sich den Weg.

Verwechselt Löw diese Laufökonomie etwa mit mangelnder Fitness?

Das will ich nicht beurteilen. Die Entscheidung ist ohnehin gefallen. Torsten wird das wegstecken, mit der Unterstützung seines Trainer und seines Managers – und sich voll auf den SV Werder konzentrieren.  

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