26.10.2010

Mirko Slomka und Jörg Schmatke im Interview

»Wovon reden Sie denn?«

Mirko Slomka und Jörg Schmadtke – sind sich die beiden wirklich so uneins? Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit den Machern von Hannover 96 über gemeinsame Weinabende in Bad Segeberg und persönliche Krisen.

Interview: Tim Jürgens und Thorsten Schaar Bild: Patrick Runte

Sie haben in der vergangenen Saison gemeinsam eine recht nervenaufreibende Zeit erlebt. Wie haben Sie den Nichtabstieg miteinander gefeiert?

Slomka: Sie meinen, ganz privat und ganz persönlich?

Ja.

Slomka: Gar nicht – oder haben wir irgendwas gemacht, Jörg?

Schmadtke:
Wir haben es weder erzwungen, noch hat es sich zeitlich ergeben. Wir führen in Hannover auch recht gegensätzliche Leben. Mirko lebt hier mit seiner Familie, ich bin alleine, weil meine Familie in Düsseldorf geblieben ist. Aber ich kann Sie beruhigen: Ich bin auch mit meinen früheren Trainer nie feiern gegangen. Dafür bin ich nicht der Typ. Ich habe ein generelles Problem mit Small-Talk und bin auch kein Partygänger. Ich sitze gerne allein in der Ecke und habe meine Ruhe. Womit ich jetzt nicht gesagt haben will, dass der Mirko ein Partygänger ist.

Slomka: Bin ich auch nicht – zumindest nicht mehr. (lacht)

Vor der Zeit bei Hannover 96 haben Sie beide unabhängig voneinander jeweils eine Krise durchlaufen…

Schmadtke: Wovon reden Sie denn, wann habe ich eine Krise gehabt? Ich war keinen Tag arbeitslos.

Slomka: Selbst, wenn man arbeitslos ist, heißt das nicht, dass man eine Krise hat.

Schmadtke:
Aber ich weiß doch, worauf die 11 FREUNDE hinauswollen. Also nur zur Information: Ich bin einer der wenigen Bundesligamanager, deren Vertrag in einem Betrieb auslief und der direkt bei einem neuen Klub angefangen hat.

Sie waren aber sieben Monate freigestellt.

Schmadtke:
Die für meine persönliche Psycho-Hygiene sehr gut und wichtig waren. Wenn man so intensiv arbeitet wie ich, sieht man plötzlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Wie haben Sie sich Ihre freie Zeit vertrieben?

Schmadtke: Ich habe erst einmal vier Wochen vom Fußball abgeschaltet. Und weil ich einen Freund brauchte, der nichts mit Fußball zu tun hat, habe ich mir einen Hund gekauft. 

Slomka:
Ich habe zwar keinen Hund, aber meine kleinen Kinder haben sich auch gefreut, dass ich mal öfter zuhause war. Außerdem war ich auf der anderen Seite unterwegs, habe als TV-Experte gearbeitet. Und ich habe bei Trainerkollegen vorbei geschaut.

Wann haben Sie wieder angefangen, sich auf Fußballplätzen rumzutreiben und Spieler zu beobachten, Jörg Schmadtke?

Schmadtke: Nach knapp einem Monat. Mein Job ist es schließlich, eine Mannschaft zusammenzustellen. Und dafür brauche ich ein prallgefülltes Notizbuch mit Namen von hoffnungsvollen Spielern.

Wie stellt man denn eine Mannschaft zusammen?

Schmadtke:
Das kann man nur am Einzelfall beschreiben. Es gibt da keine Universallösung.

Welche Voraussetzungen sind in Hannover für Ihre Arbeit wesentlich?

Schmadtke:
Dass wir mit einem sehr engen Budget ein bundesligareifes Team zusammenstellen müssen. Uns fehlt hier die wirtschaftliche Freiheit, um noch besser agieren zu können. Wir müssen bei einigen Top-Verdienern, die momentan nicht die Leistung bringen, beim Gehalt ein wenig nachjustieren, um etwas mehr Geld für Neuverpflichtungen zu haben.

War Hannover 96 bezüglich seiner Transfers in den letzten Jahren ein Stückweit dem Größenwahn anheim gefallen?

Schmadtke: Eventuell wurden manche Dinge falsch eingeschätzt, aber hier ist niemand größenwahnsinnig. Es ist nun mal nicht leicht, sich den Realitäten der Bundesliga zu beugen. Aber auch hier hat man inzwischen verstanden: Die Umsätze der Klubs liegen zwischen 270 und 40 Millionen. Fünf bis zehn Millionen kann man mit einer guten Planung vielleicht aufholen bzw. ausgleichen, aber doch nicht 50 oder sogar 100 Millionen!

Der FSV Mainz 05 beweist gerade das Gegenteil.

Schmadtke: Bei denen funktioniert gerade alles, aber ich glaube nicht, dass sie die Saison so geplant haben. Die pflegen ihren Lauf und haben einen Modus gefunden, wie sie sich nicht von den Störfaktoren, die mit so einem Erfolg einhergehen, beeinträchtigen lassen. Mal sehen wie lange das gut geht.

Mit Alemannia Aachen haben Sie in Ihren sieben Jahren als Manager doch einen ähnlichen Erfolg gehabt.

Schmadtke: Ansatzweise.

Sie haben den Verein aus der zweiten Liga bis in den UEFA-Cup geführt. Wie geht das?

Schmadtke: Indem man alles nicht so ernst nimmt und manchmal einfach die Dinge laufen lässt.

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