Milan Sasic über den Trainerjob

»Ich bin nicht böse«

Milan Sasic, Trainer von MSV Duisburg, fühlt sich mit den Worten »harter Hund« völlig falsch charakterisiert. Aber er sagt auch: »Wenn ich etwas zu sagen habe, mache ich das.« Ein Gespräch über Demokratie und Viererkette. Milan Sasic über den Trainerjob

Milan Sasic trägt in der Mittagspause Trainingsanzug. Umziehen lohnt nicht, zwischen Vormittags- und Nachmittagstraining liegen nur zwei Stunden. Der Coach des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg setzt sich und lächelt. Harte Hunde sehen anders aus, aber der Kroate hat genau diesen Ruf.  

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Herr Sasic, Sie gelten in Deutschland als »harter Hund«...

(unterbricht) Wissen Sie, was Milan übersetzt auf Deutsch heißt?  

Ehrlich gesagt: Nein.

Es heißt lieb.  

Passt das zu Ihnen?

Das weiß ich nicht, das ist alles relativ, und es müssen sowieso andere beantworten.  

Sie haben mal gesagt, dass Sie Ihre Spieler wie Ihre Kinder behandeln. Sind Sie ein strenger Vater?

Was heißt streng? Ich vermisse in unserer Gesellschaft viel, zum Beispiel Respekt voreinander. Den möchte ich jüngeren Menschen beibringen.  

Vermissen Sie den Respekt auch im Profi-Fußball?

Natürlich. Die Spieler müssen ihre Kollegen respektieren, den Trainer, den Verein. Aber mir fehlt das gute Benehmen nicht nur im Fußball, Fußball ist doch nur ein Teil der Gesellschaft. Wir sollten froh sein über die Demokratie, in der wir leben dürfen.  

Vertragen sich Demokratie und Mannschaftsführung?

Nein, in einer Mannschaft muss der Trainer das Sagen haben. Die Spieler können nicht darüber abstimmen, ob sie Viererkette oder Dreierkette spielen. Oder ob sie vormittags oder nachmittags trainieren.

Wie soll das gehen?

Es muss jemand da sein, der das System führt.  

Was muss ein Spieler machen, um Sie zu ärgern? Wann werden Sie böse? 

Was heißt böse? Ja, ich bin vom Ton her etwas energischer. Das ist mein südländisches Temperament, aber das ist gesund. Wenn ich etwas zu sagen habe, mache ich das. Und dann ist es auch vorbei mit dem Thema. Ich habe von Natur aus gar keine Lust, nachtragend zu sein.

Was genau muss denn passieren, damit Sie im Ton energischer werden?  

Wenn ein Spieler Talent hat und es nicht nutzt. Wenn er unkonzentriert ist und nicht daran arbeitet, sich zu verbessern. Wir haben einen so schönen Beruf, den sollten wir auf die beste Art ausführen, damit alle zufrieden sind.  

In einer Mannschaft sind allerdings nie alle zufrieden.

Das geht auch gar nicht. Wenn jemand unzufrieden ist, dann soll er daran arbeiten, zufrieden zu sein. Er soll sich nicht bei der Presse oder anderen beschweren, er soll mit dem Trainer sprechen und fragen: Was kann ich besser machen? Schlägt er den falschen Weg ein, dann kriegt er mit mir Probleme.  

Fühlen Sie sich mit den Worten »harter Hund« richtig beschrieben?

Überhaupt nicht. Ich weiß, warum man mir dieses Etikett aufgeklebt hat, nur möchte ich darüber nicht sprechen.  

Dann können Sie an Ihrem Image auch nicht viel ändern.

Das weiß ich. Aber wie passt zum Beispiel folgendes in diese Schublade: Ich war fünf Jahre beim TuS Koblenz und bin dort der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte gewesen. Bei meinem Abschied haben die Fans im ganzen Stadion »Danke, Milan« auf ihre Transparente geschrieben. Kann so ein Mensch ein Unmensch sein?  

Bleibt die Frage, woher Ihr Ruf dann stammt?

Das müssen Sie die Leute fragen, die mir das Etikett aufgeklebt haben. Diese Leute werden es aber nicht begründen können.  

Aber aus der Ferne war zum Beispiel Ihr Rauswurf in Kaiserslautern schwer zu verstehen. Warum ist es soweit gekommen?

Ich würde mich freuen, wenn die Offiziellen von Kaiserslautern dazu etwas sagen würden. Aber kein Wort! Ich muss damit leben. Ich bin kein Typ, der nachkartet. Es wäre interessant, wenn ich die Wahrheit erzählen würde.  

Bitte, erzählen Sie!

Nein, das ist vorbei. Ich bin jetzt beim MSV Duisburg, und wir haben viel Arbeit. Das ist mein Thema, nicht die Vergangenheit.

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