03.10.2011

Mike Werner über Wodka, Haare, Meisterschaft

»Kennen Sie die Wodka-Diät?«

Als sich Mike Werner die Haare wachsen lassen durfte, begann sein steiler Aufstieg: Als einzige Winterverpflichtung von Trainer Uwe Reinders wurde Werner zur Style-Ikone von Hansa Rostock und des wiedervereinigten Deutschlands.

Interview: Tim Jürgens und Alex Raack Bild: Privat

Mike Werner, auch Sie sind Teil des legendären Rostocker Meisterteams von 1991. Allerdings wurden Sie erst mit Verspätung Teil dieser Mannschaft.

Richtig. Im Februar 1991, mitten in der Winterpause, bekam ich eine Einladung nach Rostock: Hansa-Trainer Uwe Reinders  wollte mich zum Probetraining sehen. Also fuhr ich hin. Mit dem Zug. Mein geliebtes Motorrad, eine MZ, hätte die Tour von Eberswalde nach Rostock im Winter wohl nicht überlebt.



Warum spielten Sie, als Jugend-Nationalspieler, überhaupt in der zweiten Liga (DDR-Liga) bei Motor Eberswalde?

Groß geworden bin ich bei Vorwärts Frankfurt, dem Armeesportklub. Aber ich war damals eher der wildere Typ, das passte den Offizieren gar nicht. Als ein Lehrer dann auch noch angeblich regimekritische Kritzeleien von mir sicherstellte, die ich aus Langeweile in der Schule auf ein Blatt Papier geschrieben hatte, war es den Frankfurter zu viel: Sie degradierten mich im Sommer 1990 in die zweite Liga zu Motor Eberswalde.

Was stand denn auf dem Zettel?

»Die Mauer muss weg« und »Udo Lindenberg«. Die Offiziere waren geschockt.

Stimmt es, dass Ihr »Wechsel« nach Eberswalde schließlich für die berühmteste Fußballerfrisur der frühen neunziger Jahre verantwortlich war?

Das stimmt. Ich wollte schon bei Vorwärts immer meine Haare wachsen lassen. Wie gesagt, ich war ein wilder Kerl, stand auf Motorräder und Lederjacken, da brauchte es auch eine ordentliche Mähne. Aber die Offiziere in der Klubführung von Vorwärts sagten: »Wer lange Haare hat, spielt auch nicht!« Also ließ ich mir regelmäßig die Haare raspelkurz rasieren. In Eberswalde ließ ich sie dann einfach wachsen. Als ich im Winter 1991 in Rostock auftauchte, hatte ich bereits einen mächtigen Vokuhila. Das war meine ganz eigene Form des Protestes gegen den gleichförmigen DDR-Staat.

Den Sie schließlich mit einem Meckischnitt und blonden Strähnchen krönten...

Sah doch super aus! Meiner Frau gefiel es, mir auch, also alles prima.

Wie reagierte Hansa-Trainer Uwe Reinders, als er sie das erste Mal sah?

Das war ihm völlig egal. Er hatte ja damals selber ordentlich Wildwuchs auf dem Kopf und im Gesicht. Erst später, in unserem ersten Bundesliga-Jahr, als die Harmonie aus dem Meisterjahr verschwunden war, zog er mich dann wegen meiner Haare auf. Aber das war mir egal. Erst nachdem ich mich von meiner ersten Frau trennte, mussten auch die Haare ab. Seitdem trage ich es gerne kurz.

Können Sie sich an das besagte Probetraining erinnern?

Sehr gut sogar. Die ganze Mannschaft war im Urlaub, damals dauerte die Winterpause vier Monate. Ich war also ziemlich allein auf dem Platz, nur Uwe Reinders und »Fluppi« Decker, sein Co-Trainer und ein paar andere waren noch dabei.

Wie haben Sie Reinders schließlich von Ihren Fähigkeiten überzeugen können?

Indem ich ihn bei einem Zweikampf ordentlich auf die Aschebahn grätschte.

Wie bitte?

Der Ball lag zwischen uns, ich wollte ihn haben, er wollte ihn haben, ich war schneller und traf den Ball und Uwe Reinders. Als er sich wieder aufgerappelt hatte, raunzte er »Fluppi« Decker an: »Was hast mir denn da für einen Irren angeschleppt?« Aber eigentlich war er sehr angetan von meiner Kaltschnäuzigkeit. Er wollte schließlich einen brettharten Verteidiger und – bitte sehr – da hatte er ihn.

Er legte Ihnen also gleich den Vertrag auf den Tisch?

So schnell ging das nun auch wieder nicht. Außerdem hatte er noch eine Bedingung für meinen Wechsel nach Rostock.

Der da war?

Ich wog zu diesem Zeitpunkt 90 Kilogramm. Er sagte: »Wenn du in sechs Wochen wieder hier bist, hast du gefälligst sieben Kilo runter.«

Und das haben Sie so schnell geschafft?

Ja. Ich hatte da meine ganze eigene Methode: Die Wodka-Diät.

»Wodka-Diät«?

Kennen Sie das nicht? Im Osten war das eine ganz normale Diät. Eine Woche lang isst man dreimal am Tag eine Bockwurst und trinkt dazu einen Wodka. Morgens, mittags, abends. Wenn man das eine Woche durchhält, purzeln die Pfunde von ganz alleine. Als die Rückrunde losging, wog ich 80 Kilo, mein ideales Kampfgewicht.

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