Mike Hanke über Gladbachs Rettung

»Wie das Polen-Spiel 2006!«

Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE begleiteten unsere Kollegen Karol Herrmann und Thorsten Schaar Borussia Mönchengladbach auf dem Weg zur Last-Minute-Rettung. Dabei sprachen sie auch mit Stürmer Mike Hanke. Mike Hanke über Gladbachs RettungImago
Heft#116 07/2011
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Mike Hanke, Sie sind in der Winterpause der abgelaufenen Bundesliga-Saison zum Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach gewechselt. Was für eine Mannschaft haben Sie damals vorgefunden?

Mike Hanke: Als ich nach Gladbach gekommen bin, haben wir teilweise sehr schlechte Spiele abgeliefert. Da gab es keinen Spieler, der mal etwas lauter wurde. Die Mannschaft hat aber in der Saison eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. In den letzten sieben, acht Spielen haben wir uns vor dem Anpfiff wahnsinnig gepusht und heiß gemacht.  

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Fing das nach dem Spiel gegen Kaiserslautern am 27. Spieltag an, als Gladbach in der Öffentlichkeit schon abgestiegen war und die Mannschaft ohne Druck aufspielen konnte?

Mike Hanke: Intern haben wir den Druck nach Kaiserslautern sogar erhöht. So wollten wir uns nicht aus der Bundesliga verabschieden. Wir haben immer an den Klassenerhalt geglaubt. 

Es war auffällig, wie oft sie sich vor das Mikrofon gestellt haben, um zu sagen, dass der Glaube an den Klassenerhalt noch da ist. War diese Rolle für einen erfahrenen Spieler wie Sie vorgesehen?

Mike Hanke: Überhaupt nicht. Das war meine volle Überzeugung. Sonst wäre ich nicht nach Gladbach gewechselt. Ich wusste, welches Potenzial die Mannschaft hat.

Was genau hat der neue Trainer Lucien Favre verändert?

Mike Hanke: Er hat die Defensivarbeit von allen Spielern verbessert, auch die der Stürmer. In der Hinrunde haben wir 47 Gegentore bekommen, zuletzt kaum noch welche. Ich habe vorher noch nie so viel Taktiktraining gemacht wie unter Lucien Favre. Bald wusste jeder genau, was er zu tun hatte. Die Laufwege und die Spielzüge nach vorne waren klar abgestimmt.

 

Können Sie das genauer erklären?

Mike Hanke: In der ersten Woche standen wir teilweise mehr als zwei Stunden auf dem Platz. Er hat das Training immer wieder angehalten und erklärt, was wir besser machen müssen. Wir haben ungefähr eine Stunde effektiv trainiert. In der restlichen Zeit gab es taktische Anweisungen. Er dirigierte uns wie Marionetten. Das gab uns allen viel Sicherheit.

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Welche Rolle hatte Favre für Sie vorgesehen?

Mike Hanke: In den ersten Wochen habe ich kaum gespielt. Dann haben wir ein Gespräch geführt. Er sagte, dass ich schneller und direkter spielen müsse und die Bälle nicht so lange halten solle. Das habe ich direkt versucht umzusetzen. Gegen Ende der Saison bin ich in so eine Art Zehnerrolle reingewachsen, als Ballverteiler und Vorbereiter.

Mönchengladbach hat es als eine der wenigen Mannschaften verstanden, das Konterspiel Ihres alten Arbeitgebers Hannover 96 zu unterbinden. Haben Sie als Spion agiert?

Mike Hanke: Lucien Favre bereitet uns in jeder Einzelheit auf den Gegner vor, in langen Videoanalysen. Wir wussten immer genau über die Stärken und Schwächen Bescheid. Vor dem Hannover-Spiel hat er mich aber auch um meine Meinung gebeten, das ist legitim. Wir machten dann beim 1:0-Sieg gegen 96 unser bestes Spiel der Rückrunde und hätten eigentlich noch höher gewinnen müssen.

 

Schildern Sie uns die Situation am letzten Spieltag in Hamburg. Sie waren zwischenzeitlich gerettet, dann abgestiegen, schließlich auf dem Relegationsplatz. Was haben Sie auf dem Platz mitbekommen?

Mike Hanke: Ich habe immer wieder auf die Anzeigetafel geschaut, wo die Ergebnisse aus den anderen Stadien eingeblendet wurden. Man kann sich dann nicht mehr voll auf das eigene Spiel konzentrieren, deshalb sind wir in der zweiten Halbzeit so eingebrochen. Ich habe Lucien Favre noch nie so sauer erlebt wie in der Kabine nach diesem Spiel.

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Das Spielverständnis zwischen Marco Reus und Ihnen funktioniert so gut, als hätten Sie schon Jahre zusammengespielt.

Mike Hanke: Wir sind beide sehr unterschiedliche Spielertypen und ergänzen uns daher perfekt. Er ist schnell und wendig, ich kann ihn frei blocken. Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zusammen zu spielen. 

Im ersten Relegationsspiel gegen Bochum hat er sich früh verletzt…

Mike Hanke: Er wollte zur Halbzeit raus. Wir haben zu ihm gesagt, dass er weiter spielen soll, also ist er drin geblieben. Damit hat er erneut seinen Einsatz in der Nationalmannschaft aufs Spiel gesetzt. Das sollte im Abstiegskampf aber ohnehin zweitrangig sein.  

Gegen Bochum fiel der Siegtreffer erst in der Nachspielzeit. Das Stadion hat gebebt. Wie haben Sie das auf dem Platz wahrgenommen?

Mike Hanke: Die Stimmung im Stadion war in den letzten Wochen unglaublich. Die Fans haben unsere Leistungen honoriert. Dieses Tor war vergleichbar mit dem Tor gegen Polen bei der WM 2006. Damals saß ich auf der Ersatzbank. Aber diesmal stand ich auf dem Platz.

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In der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE: »Rettung in der 95. Minute.« Gladbachs Chronik einer Wiederauferstehung.

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