06.12.2008

Mike Hanke im Interview

»Die Geduld ging zu Ende«

Nach langer Zeit trifft Hannovers Mike Hanke das Tor wieder. Wir sprachen mit ihm über die 701 Minuten Erfolglosigkeit, seinen persönlichen Zeitungsboykott und wie ihm seine Familie half, die Krise zu überwinden.

Interview: Christoph Zimmer Bild: Imago
Mike Hanke, nach Ihren ersten beiden Saisontoren am letzten Spieltag gegen Karlsruhe: Sitzt ein anderer Mike Hanke vor uns als noch vor einer Woche?

(lacht) Nein. Hier sitzt der gleiche Mike Hanke.



Die Statistiker haben 701 Minuten ohne Torerfolg notiert - eine lange Zeit für einen Stürmer.

Als Stürmer ist es immer dein Ziel, Tore zu machen. Bei mir hat es natürlich lange gedauert. Ich habe zuletzt sehr viele Spiele nicht von Anfang an gespielt, bin nur die letzten zehn, fünfzehn Minuten eingewechselt worden. Gegen Karlsruhe habe ich dann wieder das Vertrauen vom Trainer von Anfang an bekommen und die Möglichkeiten genutzt.

Verändert sich das Spiel eines Stürmers, wenn er über so einen Zeitraum nicht trifft?

Die letzten vier, fünf Wochen habe ich richtig gut trainiert und laufend Tore gemacht. Für mich war dann auch klar, dass die Zeit kommen wird, auch wieder im Spiel zu treffen.

Der Druck im Umfeld wurde in dieser Phase immer größer.

(deutlich) Ich spüre keinen Druck. Auch nicht von der Öffentlichkeit. Ich lese seit drei Monaten keine Zeitungen mehr. Früher habe ich mich verrückt gemacht. In meinem Alter mache ich mir darüber keine Gedanken mehr.

Gehört das zu ihrer persönlichen Entwicklung, sich damit nicht mehr zu beschäftigen?

Ja, das denke ich schon. Ich beschäftige mich sehr viel mit meiner Familie, mit meiner Frau, mit meinen Kindern – und sie geben mir, auch in der Zeit ohne Tore, immer sehr viel Stärke. Wenn man nach Hause kommt, schaltet man den Fußball komplett aus. Da gibt es einfach Sachen, die wichtiger sind.

Das war nicht immer so.

Das stimmt. Zu Beginn meiner Karriere habe ich mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, was in den Zeitungen steht und stand. Ist das richtig? Stimmt das? Das mache ich heute nicht mehr, und mir geht es damit auch besser. Ich spiele befreiter.

Den Druck von außen brauchen sie also nicht, um sich zu motivieren.

Nein.

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