War die brasilianische Mannschaft bei der WM 1982 stärker als das Team von 1986?Ja. Das Spiel der 82er-Mannschaft hat uns sehr geprägt und inspiriert. Ich denke, es war eine der besten Mannschaften der Welt. Was ich an diesem Team mochte, war aber nicht allein ihr Spiel, es ging tiefer. Ich liebte auch ihre Spieler.
Wie konnte Frankreich nach dem Triumph über Brasilien 1986 ausgerechnet gegen Deutschland ausscheiden?1982 waren wir nicht stärker als die Deutschen. Sie waren eine ausgezeichnete Mannschaft. 1986 waren wir stärker, aber der Schiedsrichter war noch stärker als wir. Sagen wir so: Er war eher ein Mann der österreichischen Schule (lacht).
Und der Schiedsrichter im Halbfinale 1982?Wenn es Elfmeter für das Foul an Battiston gegeben und Schumacher vom Platz gemusst hätte, wäre dieses Halbfinale sicherlich anders gelaufen. Vielleicht wäre dann sogar das Kräfteverhältnis 1986 ein anderes gewesen.
Welche Erinnerungen haben sie sonst an »La Mannschaft«?Die Deutschen spielten gut, sie hatten immer starke Mannschaften. 1986 waren wir besser, 1982 nicht, da hatten sie eine Mannschaft mit sehr guten Einzelspielern.
Welcher Spieler ist Ihnen besonders in Erinnerung?Karl-Heinz Rummenigge. Obwohl er gegen uns verletzt war und zunächst auf der Bank saß, machte er uns fertig. Ich erinnere mich vor allem an die Angreifer, sie hatten immer großartige Stürmer: Hrubesch, Fischer, Littbarski, dahinter spielte Magath auf dem Flügel – nur die beste Gesellschaft.
Alain Giresse empfindet die Niederlage gegen Deutschland 1982 als Trauma. Wie denken Sie an das Spiel zurück?Meine schönste Erinnerung.
(langes Schweigen) Ich scherze nicht, wenn ich das sage. Es ist meine schönste Erinnerung, weil wir an diesem Tag außergewöhnliche Emotionen aller Art durchlebten. Von Hass bis Freude, von Verzweiflung bis Glück. Alle Gefühlszustände, die es gibt, wechselten sich ab. Das war ein sehr großer Moment. Leider haben wir verloren... Aber ich glaube, das ist nicht das Wichtigste, angesichts dessen, was wir erleben durften.
Inwieweit ziehen Sie aus Ihren Erfahrungen als Nationalspieler heute noch Nutzen?Das ganze Abenteuer meiner Karriere hilft mir als Präsident. Und der Umstand, dass ich in eine Fußballerfamilie geboren wurde und meinen Vater als ehrenamtlichen Trainer erlebt habe, zu einer Zeit, als man kaum Geld mit Fußball verdienen konnte. Deswegen bringt mich als Präsident nichts so leicht aus der Ruhe. Ich bin seit 45 Jahren im Fußball und außer Physiotherapeut schon alles gewesen. Ich kenne dieses Geschäft mittlerweile ganz gut.