06.02.2013

Michel Platini über »La Mannschaft« und die Équipe

»Fußball ist wie Musik«

Zwei Mittelfeldachsen revolutionierten den Fußball: das »Magische Viereck« in Frankreich und Brasiliens »Fantastische Vier«. Wie nah Ekstase und Drama beieinander lagen, erklärt Michel Platini.

Interview: Mathieu Gregoire Bild: Imago

Michel Platini, welche Fähigkeit ist für einen Fußballer die Wichtigste?
Ballkontrolle. Wenn du den Ball nicht unter Kontrolle kriegst, kannst du auch keinen guten Pass spielen.

Können Sie beschreiben, wie die Rollen im »magischen Viereck« verteilt waren?
Wir hatten keine konkret verteilten Aufgaben. Jeder tat, was er für richtig hielt, ohne dabei zu vergessen, was ihm Trainer Hidalgo mitgegeben hatte.

Sie haben mit den anderen nie zusammen im Verein gespielt. Wie kam es, dass Sie nahezu perfekt harmonierten?
Fußball ist wie Musik. Man muss nicht Klavier spielen können, um den Pianisten zu verstehen.

Was mochten Sie an den drei anderen?
Sie nahmen Dinge wahr, die ich auch wahrnahm. Wir sprachen dieselbe Sprache, hatten die gleichen Werte und wollten alle nach vorne spielen. Das war auch keine Mannschaft innerhalb der Mannschaft. Nur ein Mittelfeld, das es in jedem Team der Welt hätte geben können.

Standen Giresse und Sie sich nicht auf den Füßen herum?
Nein. Das ist eine Frage der Intelligenz.

Gab es Spannungen?
Nein. Sie mussten nur auf mich hören, dann gab es da keine Probleme.

Sie waren der Chef?
Zunächst war ich als Spieler ein Anführer, später dann auch als Persönlichkeit. Die Leute zählen immer mehr auf dich, du wirst älter, und irgendwann bist du das Aushängeschild. Man baut auf deine Erfahrung.

Was haben Sie mit den anderen gezielt trainiert?
Nichts.

Waren Sie außerhalb der Nationalmannschaft miteinander befreundet?
Das ist schwierig, wir haben nie im gleichen Verein gespielt. Außerdem waren wir nur Teil einer Gruppe von 16, 20 Spielern, es gab ja nicht nur uns vier.

War es zu Ihrer Zeit schwierig, Stürmer in der Nationalelf Frankreichs zu sein?
Wir hatten keine Stürmer, die reine Torjäger waren. Deswegen waren wir darauf angewiesen, ein Mittelfeld zu schaffen, das die Tore macht.

Welche Erinnerungen haben Sie an das WM-Viertelfinale zwischen Frankreich und Brasilien 1986?
Ein sehr schwieriges Spiel. Es war heiß, ich war verletzt, und der Gegner war sehr gut. Es war wirklich sehr hart.

Welches der beiden Teams verfügte über das bessere Mittelfeld?
Brasilien war nicht besser oder schlechter als wir. Sie hatten ihre eigene Art zu spielen, ihre eigenen Qualitäten. Wir wurden die Brasilianer Europas genannt, weil wir ähnliche Stärken besaßen.

Was hielten Sie von Zico?
An ihn erinnere ich mich, denn er war ein guter Freund, und ist es bis heute. Der weiße Pelé. Leider ist er bei Udine gelandet. Meiner Meinung nach kein Klub, der seinem damaligen Niveau entsprach. Wenn er woanders gelandet wäre, hätte er eine prächtige Karriere hinlegen können.

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