02.07.2011

Michél Mazingu-Dinzey über Football und den Kongo

»Ich gehe dahin, wo es weh tut«

Zwischen Hamburg, Haiti und Afrika: Michél Mazingu-Dinzey ist ein Weltenbummler, der sich sozial engagiert. Im Interview spricht der ehemalige Profi von Hertha BSC und FC St. Pauli über Fieldgoals, unbequeme Wahrheiten und Korruption.

Interview: Moritz Herrmann Bild: Imago
Michél Mazingu-Dinzey, Sie haben fast 30 Jahre lang gegen den Ball getreten. Seit dieser Saison treten Sie gegen ein Ei. Wie kam der Kontakt zu den St. Pauli Buccaneers zustande?

Michél Mazingu-Dinzey: Ich habe den Trainer, Campino Milligan, kennengelernt, als wir damals mit der Fußballmannschaft des FC St. Pauli ins Fitnessstudio gegangen sind. Fünf Jahre war er dann mein persönlicher Trainer und hat mir von seinem Projekt erzählt, American Football auf St. Pauli zu etablieren, um so Jugendliche von der Straße zu holen und gewaltpräventiv zu arbeiten. Ich fand die Idee gut und habe gesagt, sollte es irgendwann auch ein Herrenteam geben, würde ich gerne mal mitmachen.



Jetzt gibt es das Herrenteam in der fünften Liga und Sie sind »Kicker«. In der NFL Europe war es über Jahre hinweg Standard, auf dieser Position ehemalige Fußballer einzusetzen. Sie treten in die Fußstapfen von Manfred Burgsmüller, Axel Kruse und Ingo Anderbrügge.

Michél Mazingu-Dinzey: Man profitiert sehr von der Technik aus dem Fußball. Ich musste mich nicht großartig vorbereiten, habe nur mit dem anderen Kicker der Buccaneers ein wenig trainiert. Natürlich klappt nicht jeder Kick auf Anhieb, aber die meisten passen schon. Ich haue gegen das Ei und schaue dann, wie weit es fliegt. Wichtig ist der Spaß. Ich nehme mir keine Sonderposition heraus, nur weil ich mal Fußballer war. Football ist ein Mannschaftssport, nur so können wir Erfolg haben.

Die Buccaneers sind mit drei Siegen aus drei Spielen souveräner Tabellenführer der Liga. Sie haben allerdings nur bei einem einzigen Auftritt im März 2011 mitgewirkt.

Michél Mazingu-Dinzey: Ich schaffe es nicht immer zu den Spielen, weil ich für diverse soziale Projekte unterwegs bin. Mit »Global United«, dem gemeinnützigen Verein des Ex-Fußballers Lutz Pfannenstiel, waren wir vor kurzem erst auf Haiti, davor in Namibia und auf Neuseeland. Da wird die Zeit natürlich knapp. In besagter Partie habe ich immerhin von sieben Versuchen vier Fieldgoals getroffen.

Was war konkreter Anlass für die Reise nach Haiti?

Michél Mazingu-Dinzey: In Haiti soll eine Fußballschule von Sat. 1 gebaut werden. Lutz, ich und drei Mitarbeiter des Senders sind nach Haiti geflogen und haben sich das Projekt angeguckt, weil dann im Herbst vielleicht ein Spiel von »Global United« gegen die haitianische U-17-Nationalmannschaft stattfindet. Fußball ist in Haiti Sportart Nummer Eins. Die Älteren werden sich erinnern, dass Haiti 1974 für die WM in Deutschland qualifiziert war – wenn so ein Erfolg für die nächste WM in Brasilien erreicht werden kann, wäre das toll für dieses Land, das so viel Tragik erleben musste. Auch wenn man den Organisationen vor Ort für ihre Aufbauarbeit ein großes Lob zollen muss, ist noch immer Zerstörung vorhanden, die Obdachlosigkeit riesig, viele Menschen sind verletzt, ohne Gliedmaßen, leben in Zeltstädten – der Fußball könnte ein bisschen trösten.

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