Michael Thurk im Interview

„Der Zug ist abgefahren“

Die Eintracht ist furios in die Saison gestartet. Michael Thurk jedoch stand nur zweimal in der Startelf. Eine bittere Erfahrung für jemanden, der immer brennt – und vor nicht allzu langer Zeit noch auf einen Anruf von Jogi Löw wartete. Imago

Herr Thurk, der Saisonstart der Eintracht verlief mit zehn Punkten aus fünf Spielen nahezu optimal. Sie selbst standen allerdings nur zwei mal in der Startformation. Überwiegt die Enttäuschung oder die Freude?

Wir sind ein Team mit 25 Mann im Kader. Jeder wird gebraucht – auch ich. Ich freue mich natürlich über unseren Start und hoffe, dass wir in den nächsten Wochen an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen können.

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Vor der Saison wurden Sie mit Racing Straßburg in Verbindung gebracht und sollen schon fast weg gewesen sein. Wie konkret war die Wechselabsicht?

Ich habe nie daran gedacht zu wechseln, denn ich bin Frankfurter und bin hier zu Hause. Außerdem fühle ich mich bei der Eintracht sehr wohl. Sie war schon, als ich ein kleiner Junge war, mein Lieblingsverein.

Als Sie 2006 zur Eintracht kamen, lief es gut an. Im ersten UEFA-Cup-Spiel gegen Bröndby Kopenhagen gelang Ihnen ein Hattrick.

Das war schon ein tolles Spiel, in der Tat. Ich weiß aber ganz genau, dass noch weitere schöne Spiele für mich und die Mannschaft kommen werden.

Dabei muss das Wechseltheater zuvor doch an Ihnen gezerrt haben.

Na ja, ich habe in dieser Zeit einfach nur versucht, keine Zeitungen zu lesen, und mich voll und ganz auf das konzentriert, was ich kann: Fußballspielen. Ich wollte diesen Wechsel ja und war mir bewusst darüber, dass es viel Staub aufwirbeln wird.

Sie hatten ihren Arbeitgeber Mainz 05 zuvor kritisiert, und nach außen wirkte es so, als hätten Sie ihren Wechsel bewusst provozieren wollen. Wie beurteilen Sie ihre damalige Rolle?

Ich habe weder provoziert noch sonst was. Zu einem Wechsel gehören immer drei Parteien: der abgebende Klub, der aufnehmende Klub und der Spieler selbst. Wenn Mainz mich hätte unbedingt halten wollen, dann hätten sie meinen Wechsel verhindern können. Ich beurteile meine damalige Rolle so, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, bei der Eintracht zu spielen, und diese genutzt habe.

Nach ihrem Wechsel sollen Sie Jürgen Klopps Methoden kritisiert haben.

Ich habe seine Methoden nicht kritisiert, sondern lediglich gesagt, dass er mich nach den vielen Jahren unserer Zusammenarbeit nicht mehr motivieren kann. Das war ein Ding zwischen uns beiden. Dass Kloppo sehr gute Arbeit leistet ist unbestritten, und ich möchte hier auch gar nicht mehr groß darüber reden. Ich habe ihm viel zu verdanken und habe es mit Toren zurückgezahlt.

Es war davon die Rede, dass ihre Freundschaft zu Klopp daran zerbrochen sei. Stimmt das?

Quatsch. Wir können uns nach wie vor in die Augen sehen und miteinander reden. Aber jetzt bin ich bei der Eintracht, und er trainiert den FSV. Wir achten und respektieren uns, und ich wünsche ihm und den Nullfünfern eine erfolgreiche Saison.

Haben Sie heute noch Kontakt?

Dazu fehlt leider die Zeit. Aber wie gesagt, wenn wir uns sehen, reden wir normal miteinander.

Ging es wirklich darum, dass Klopp Manuel Friedrich und nicht Sie für die Nationalelf empfahl?


Da wurde viel geschrieben, aber nicht alles, was unter uns diskutiert wurde, ist für die Öffentlichkeit bestimmt.

Ist das Thema Nationalmannschaft mittlerweile abgehakt oder warten Sie noch auf einen Anruf von Joachim Löw?

Nein, dass wäre vermessen von mir. Die DFB-Elf setzt vor allem auf junge Spieler, und ich befürchte, das der Zug für mich in der Hinsicht abgefahren ist.

Können Sie sich vorstellen, noch einmal, wie nach ihrem Wechsel zu Cottbus, an den Bruchweg zurückzukehren?

Nein, das kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Sie und Energie Cottbus. Das schien wie ein großes Missverständnis. Sie starteten zwar gut in die Saison, verletzten sich aber dann und wollten bald wieder weg. Was waren die Gründe für ihren Weggang?

Ich bin Frankfurter, und meine Familie sowie Freunde leben hier. Der Grund war schlichtweg, dass ich zurück ins Rhein-Main-Gebiet wollte, weil mir mein Zuhause gefehlt hat.

Erleichterten die finanziellen Sorgen der Cottbuser, die durch ihren Transfer benötigtes Geld einnehmen konnten, den schnellen Wechsel?

Das weiß ich nicht, da müssen sie die damaligen Verantwortlichen bei Energie fragen.

Bevor Sie Mainz 2004 in die Bundesliga schossen, war ihr Vertrag nicht verlängert worden, und Sie hatten bereits in Cottbus unterschrieben. Haben Sie das schnell bereut?


Im Nachhinein schon, aber hinterher ist man immer schlauer.

Wenn man Ihre Wechsel nach Cottbus und Frankfurt betrachtet, wirkt es so, als hätten Sie dabei nicht immer das glücklichste Händchen bewiesen.

Auf Cottbus mag dies zutreffen, aber über den Wechsel nach Frankfurt bin ich noch heute glücklich. Dieser Schritt war absolut richtig.

In einem Auswärtsspiel in Trier prallten Sie mit Claus Grzeskowiak zusammen und verloren drei Schneidezähne. Zwei davon steckten im Knie ihres Gegenspielers. Sie sollen zeitweise nicht ansprechbar gewesen sein. Wann realisierten Sie, was passiert war?

Erst später im Krankenhaus. Das war wirklich schlimm. Die Schmerzen waren brutal, ich wünsche das niemandem.

Haben Sie sich die Spielszene später noch einmal angeschaut?


Ja, und ich habe ganz schnell wieder weggeschaut. Das sehe ich mir nie mehr an.

Ihr nächstes Spiel bestritten Sie dann im Februar 2005 für Mainz. Es folgten 18 Tore in eineinhalb Bundesligajahren. Klingt nach Erfolg. Warum wollten Sie dennoch unbedingt weg aus Mainz?

Weil die Eintracht schon immer mein Traum gewesen ist. Ich bin ein absoluter SGE-Fan und wollte immer hier spielen.

Was fehlte Ihnen in der letzten Saison in Frankfurt, um wieder auf eine ähnliche Torausbeute zu kommen?

In Mainz war alles auf mich zugeschnitten. Hier bei der Eintracht muss ich auch sehr viel gegen den Ball arbeiten, und wir haben mit Amanatidis und Takahara zwei absolute Weltklassestürmer im Kader. Unser System und unsere Philosophie ist mit Mainz nicht zu vergleichen.

Die Eintracht spielt zumeist nur mit einem echten Stürmer. Sie müssen sich mit Ioannis Amanatidis um den Platz streiten. Keine leichte Aufgabe.

Wie gesagt, wir werden – wenn Taka und Ama fit sind – wahrscheinlich auch wieder mit zwei Spitzen spielen. Das heißt für mich, dass die Konkurrenz klar groß ist. Aber ich werde alles dafür tun, im Team zu bleiben – und da zählt meistens die Leistung im Training, wo ich alles geben werde, um es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen.

Was macht Sie dennoch optimistisch, dass Sie häufig spielen und diese Saison mehr Tore erzielen?

Ich bin optimistisch, dass wir eine viel bessere Saison spielen werden als im Vorjahr. Wer von uns dabei die Tore erzielt, ist mir total egal. Wir möchten als Mannschaft erfolgreich sein.

Welches Saisonziel haben Sie sich für 2007/08 gesteckt?


Wir haben uns ein Ziel gesteckt, alle zusammen: Wir wollen mehr Heimspiele gewinnen und 45 Punkte plus X holen. Wenn dann am Ende eine einstelliger Tabellenplatz herausspringen würde, hätten wir eine gute Saison gespielt.


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