20.09.2007

Michael Thurk im Interview

„Der Zug ist abgefahren“

Die Eintracht ist furios in die Saison gestartet. Michael Thurk jedoch stand nur zweimal in der Startelf. Eine bittere Erfahrung für jemanden, der immer brennt – und vor nicht allzu langer Zeit noch auf einen Anruf von Jogi Löw wartete.

Interview: Paul Linke Bild: Imago
Können Sie sich vorstellen, noch einmal, wie nach ihrem Wechsel zu Cottbus, an den Bruchweg zurückzukehren?

Nein, das kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Sie und Energie Cottbus. Das schien wie ein großes Missverständnis. Sie starteten zwar gut in die Saison, verletzten sich aber dann und wollten bald wieder weg. Was waren die Gründe für ihren Weggang?

Ich bin Frankfurter, und meine Familie sowie Freunde leben hier. Der Grund war schlichtweg, dass ich zurück ins Rhein-Main-Gebiet wollte, weil mir mein Zuhause gefehlt hat.

Erleichterten die finanziellen Sorgen der Cottbuser, die durch ihren Transfer benötigtes Geld einnehmen konnten, den schnellen Wechsel?

Das weiß ich nicht, da müssen sie die damaligen Verantwortlichen bei Energie fragen.

Bevor Sie Mainz 2004 in die Bundesliga schossen, war ihr Vertrag nicht verlängert worden, und Sie hatten bereits in Cottbus unterschrieben. Haben Sie das schnell bereut?


Im Nachhinein schon, aber hinterher ist man immer schlauer.

Wenn man Ihre Wechsel nach Cottbus und Frankfurt betrachtet, wirkt es so, als hätten Sie dabei nicht immer das glücklichste Händchen bewiesen.

Auf Cottbus mag dies zutreffen, aber über den Wechsel nach Frankfurt bin ich noch heute glücklich. Dieser Schritt war absolut richtig.

In einem Auswärtsspiel in Trier prallten Sie mit Claus Grzeskowiak zusammen und verloren drei Schneidezähne. Zwei davon steckten im Knie ihres Gegenspielers. Sie sollen zeitweise nicht ansprechbar gewesen sein. Wann realisierten Sie, was passiert war?

Erst später im Krankenhaus. Das war wirklich schlimm. Die Schmerzen waren brutal, ich wünsche das niemandem.

Haben Sie sich die Spielszene später noch einmal angeschaut?


Ja, und ich habe ganz schnell wieder weggeschaut. Das sehe ich mir nie mehr an.

Ihr nächstes Spiel bestritten Sie dann im Februar 2005 für Mainz. Es folgten 18 Tore in eineinhalb Bundesligajahren. Klingt nach Erfolg. Warum wollten Sie dennoch unbedingt weg aus Mainz?

Weil die Eintracht schon immer mein Traum gewesen ist. Ich bin ein absoluter SGE-Fan und wollte immer hier spielen.

Was fehlte Ihnen in der letzten Saison in Frankfurt, um wieder auf eine ähnliche Torausbeute zu kommen?

In Mainz war alles auf mich zugeschnitten. Hier bei der Eintracht muss ich auch sehr viel gegen den Ball arbeiten, und wir haben mit Amanatidis und Takahara zwei absolute Weltklassestürmer im Kader. Unser System und unsere Philosophie ist mit Mainz nicht zu vergleichen.

Die Eintracht spielt zumeist nur mit einem echten Stürmer. Sie müssen sich mit Ioannis Amanatidis um den Platz streiten. Keine leichte Aufgabe.

Wie gesagt, wir werden – wenn Taka und Ama fit sind – wahrscheinlich auch wieder mit zwei Spitzen spielen. Das heißt für mich, dass die Konkurrenz klar groß ist. Aber ich werde alles dafür tun, im Team zu bleiben – und da zählt meistens die Leistung im Training, wo ich alles geben werde, um es dem Trainer so schwer wie möglich zu machen.

Was macht Sie dennoch optimistisch, dass Sie häufig spielen und diese Saison mehr Tore erzielen?

Ich bin optimistisch, dass wir eine viel bessere Saison spielen werden als im Vorjahr. Wer von uns dabei die Tore erzielt, ist mir total egal. Wir möchten als Mannschaft erfolgreich sein.

Welches Saisonziel haben Sie sich für 2007/08 gesteckt?


Wir haben uns ein Ziel gesteckt, alle zusammen: Wir wollen mehr Heimspiele gewinnen und 45 Punkte plus X holen. Wenn dann am Ende eine einstelliger Tabellenplatz herausspringen würde, hätten wir eine gute Saison gespielt.


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