20.09.2007

Michael Thurk im Interview

„Der Zug ist abgefahren“

Die Eintracht ist furios in die Saison gestartet. Michael Thurk jedoch stand nur zweimal in der Startelf. Eine bittere Erfahrung für jemanden, der immer brennt – und vor nicht allzu langer Zeit noch auf einen Anruf von Jogi Löw wartete.

Interview: Paul Linke Bild: Imago
Herr Thurk, der Saisonstart der Eintracht verlief mit zehn Punkten aus fünf Spielen nahezu optimal. Sie selbst standen allerdings nur zwei mal in der Startformation. Überwiegt die Enttäuschung oder die Freude?

Wir sind ein Team mit 25 Mann im Kader. Jeder wird gebraucht – auch ich. Ich freue mich natürlich über unseren Start und hoffe, dass wir in den nächsten Wochen an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen können.



Vor der Saison wurden Sie mit Racing Straßburg in Verbindung gebracht und sollen schon fast weg gewesen sein. Wie konkret war die Wechselabsicht?

Ich habe nie daran gedacht zu wechseln, denn ich bin Frankfurter und bin hier zu Hause. Außerdem fühle ich mich bei der Eintracht sehr wohl. Sie war schon, als ich ein kleiner Junge war, mein Lieblingsverein.

Als Sie 2006 zur Eintracht kamen, lief es gut an. Im ersten UEFA-Cup-Spiel gegen Bröndby Kopenhagen gelang Ihnen ein Hattrick.

Das war schon ein tolles Spiel, in der Tat. Ich weiß aber ganz genau, dass noch weitere schöne Spiele für mich und die Mannschaft kommen werden.

Dabei muss das Wechseltheater zuvor doch an Ihnen gezerrt haben.

Na ja, ich habe in dieser Zeit einfach nur versucht, keine Zeitungen zu lesen, und mich voll und ganz auf das konzentriert, was ich kann: Fußballspielen. Ich wollte diesen Wechsel ja und war mir bewusst darüber, dass es viel Staub aufwirbeln wird.

Sie hatten ihren Arbeitgeber Mainz 05 zuvor kritisiert, und nach außen wirkte es so, als hätten Sie ihren Wechsel bewusst provozieren wollen. Wie beurteilen Sie ihre damalige Rolle?

Ich habe weder provoziert noch sonst was. Zu einem Wechsel gehören immer drei Parteien: der abgebende Klub, der aufnehmende Klub und der Spieler selbst. Wenn Mainz mich hätte unbedingt halten wollen, dann hätten sie meinen Wechsel verhindern können. Ich beurteile meine damalige Rolle so, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, bei der Eintracht zu spielen, und diese genutzt habe.

Nach ihrem Wechsel sollen Sie Jürgen Klopps Methoden kritisiert haben.

Ich habe seine Methoden nicht kritisiert, sondern lediglich gesagt, dass er mich nach den vielen Jahren unserer Zusammenarbeit nicht mehr motivieren kann. Das war ein Ding zwischen uns beiden. Dass Kloppo sehr gute Arbeit leistet ist unbestritten, und ich möchte hier auch gar nicht mehr groß darüber reden. Ich habe ihm viel zu verdanken und habe es mit Toren zurückgezahlt.

Es war davon die Rede, dass ihre Freundschaft zu Klopp daran zerbrochen sei. Stimmt das?

Quatsch. Wir können uns nach wie vor in die Augen sehen und miteinander reden. Aber jetzt bin ich bei der Eintracht, und er trainiert den FSV. Wir achten und respektieren uns, und ich wünsche ihm und den Nullfünfern eine erfolgreiche Saison.

Haben Sie heute noch Kontakt?

Dazu fehlt leider die Zeit. Aber wie gesagt, wenn wir uns sehen, reden wir normal miteinander.

Ging es wirklich darum, dass Klopp Manuel Friedrich und nicht Sie für die Nationalelf empfahl?


Da wurde viel geschrieben, aber nicht alles, was unter uns diskutiert wurde, ist für die Öffentlichkeit bestimmt.

Ist das Thema Nationalmannschaft mittlerweile abgehakt oder warten Sie noch auf einen Anruf von Joachim Löw?

Nein, dass wäre vermessen von mir. Die DFB-Elf setzt vor allem auf junge Spieler, und ich befürchte, das der Zug für mich in der Hinsicht abgefahren ist.

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