01.12.2012

Michael Rummenigge über Bayern gegen Dortmund

»Der FC Bayern ist von Ribery abhängig«

Michael Rummenigge hat in den achtziger und neunziger Jahren erfolgreich für den FC Bayern und Borussia Dortmund gespielt. Heute freut er sich als neutraler Fernsehzuschauer auf das Spitzenspiel und ist doch immer noch besonders mit den beiden Klubs verbunden: sein Bruder fungiert als Bayern-Vorsitzender, sein Sohn spielt in der U17 der Borussia.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago


Es werden fast ausschließlich Nationalspieler über den Platz laufen. Welche Spieler werden das Spiel prägen?
Ich bin gespannt auf das Duell von Lewandowski gegen Dante und Badstuber, wie Götze im Mittelfeld nach einem Spiel Pause zurückkommt und wie Reus sich in diesem Spiel zeigen wird. Er hat in der Champions League gegen Real und Ajax wirklich toll gespielt. Das spiegelte seine Klasse wider. Jetzt muss er es auch noch gegen die Besten aus der Bundesliga zeigen.

Mit wem werden die Bayern im Sturm spielen? Mit Gomez, Pizarro oder Mandzukic?
Gomez hat am Mittwoch in Freiburg wieder von Anfang gespielt, aber das heißt nicht, dass er auch gegen Dortmund aufläuft. Ich glaube eher, dass man Mandzukic geschont hat, der in München sensationell eingeschlagen hat. Wie Mandzukic gegen Hummels und Subotic zurechtkommt, das ist sicher eines der Duelle, die das Spiel entscheiden werden.

War es eigentlich richtig, Bastian Schweinsteiger in Freiburg zu schonen?
Er selbst schien ja nicht so glücklich, wie er da mit dem Kaffeebecher auf der Bank saß. Ich kann das verstehen: Als Spieler will man natürlich immer spielen. Ich glaube aber, dass es taktisch sehr klug war, um seine körperliche Frische sicher zu stellen und ihn zu schützen, dass er nicht die fünfte Gelbe Karte bekommt. Schweinsteiger ist für das Spiel gegen Dortmund immens wichtig im Mittelfeld.

Wer ist denn ansonsten für seinen Klub wichtiger: Ribery für Bayern oder Götze für Dortmund?
Ribery für Bayern, was man an den Ergebnissen ablesen kann. Wenn er verletzt war, haben die Bayern nicht so erfolgreich gespielt. Sie waren nicht so kreativ, haben nicht so viele Chancen herausgearbeitet. In Dortmund ist die Zuständigkeit, das Spiel zu gestalten, noch auf ein paar anderen Schultern verteilt. Gündogan hat sich super entwickelt, Lewandowski kann ein Spiel alleine entscheiden. Der Kreativbereich des BVB ist etwas breiter aufgestellt, während die Bayern von der Form Riberys abhängig sind.

Für die Fernsehanstalten ist der »deutsche Clasico« auch immer eine Standortbestimmung, eine Halbjahresprüfung. Wie finden Sie die aktuelle Präsentation von Live-Spielen im Fernsehen?
Ich schaue die Bundesliga-Spiele meistens auf »Sky«, entweder zu Hause oder in meiner Soccerhalle, und finde die Berichterstattung schon ganz gut: komprimiert in der Konferenz und hinterher in der Zusammenfassung. Wolff-Christoph Fuss halte ich darüber hinaus für den besten Kommentator der letzten Jahre. Er muss sich wirklich sehr akribisch vorbereiten. Er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, ist kein Zyniker und hat eine sonore Stimme.

Warum eigentlich Fernsehen – und nicht Stadion?
Das Schöne am Fernsehen ist, dass man die Tore x-fach in der Zeitlupe sehen kann. Mich stört es gewaltig, dass die Tore im Stadion nicht auf der Leinwand gezeigt werden. Bei strittigen Szenen ist das etwas anderes, aber die Tore müsste man doch auch im Stadion zeigen können.

Und: Warum am Ende doch lieber ins Stadion?
Ich bin oft im Stadion – in Dortmund und München. Es geht natürlich nichts über das Live-Erlebnis, weil man die ganze Stimmung anders aufsaugt. Ich gehe immer schon ganz früh auf meinen Platz, weil ich sehen will, wie sich die Spieler warm machen. Ich glaube tatsächlich, dass man an der jeweiligen Körperspannung immer schon etwas ablesen kann.

Die Spiele werden inzwischen von abertausenden Experten kommentiert. Bei welchen Ex-Profis hören Sie aufmerksam zu?
Man kann über Stefan Effenberg denken, was man will. Was er als Fernsehexperte sagt, hat immer Hand und Fuß. Und: Lothar Matthäus, der für »Sky« das Samstagabendspiel macht, hat – trotz aller privater Kapriolen – wirklich Ahnung von Fußball und erklärt das auch sehr gut. Zumindest, wenn man sein Fränkisch versteht (lacht). Sonst kann man eigentlich nur noch Markus Merk nennen.
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