10.06.2009

Michael A. Roth im Interview

»Ich bin kein Killer mehr«

Im Sommer 2007 trafen wir Michael A. Roth, damals noch Alleinherrscher über den 1. FC Nürnberg, in den heiligen Hallen seine Teppich-Imperiums. Nun, nach seinem Rücktritt, liest sich das Gespräch wie eine vorweg genommene Bilanz.  

Interview: Jens Kirschneck Bild: imago
Ein Hans Meyer…

Wäre früher nie zu uns gekommen. Den haben wir nur bekommen, weil der Club da schon auf einem guten Weg war.

Ist er denn in den Vertragsverhandlungen auf Ihren Ruf eingegangen?

Mein Image war ihm natürlich bekannt. Aber ich habe einen Fürsprecher gehabt, das war der Dieter Hoeneß. Mit dem hat Meyer ja in Berlin zusammengearbeitet, und Hoeneß hat ein gutes Wort für mich eingelegt.

Und dann ging alles ganz schnell?

Verhältnismäßig. Wir mussten natürlich ein klein wenig mehr hinlegen als bei unseren Trainern zuvor.

Hans Meyer soll ein harter Verhandlungspartner sein.

Er weiß, was er will, und er verhandelt nicht lange. Er sagt: »Entweder ich bin euch das wert oder wir lassen es bleiben.« Das finde ich in Ordnung. Ich musste zwar ein paar Mal schlucken, aber dann habe ich »ja« gesagt.

Gab es in der Vergangenheit einen Trainer, von dem Sie heute sagen würden, dass Sie ihm Unrecht getan haben?

Nein. Wir haben uns immer im Guten geeinigt. Ich war mit keinem einzigen vor Gericht.
Hätten Sie dem einen oder anderen mehr Zeit geben sollen? Auch das nicht.

Selbst einem Felix Magath nicht?

Nein. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis, aber dann kommt er plötzlich und sagt: »Wenn wir hier was bewegen wollen, müssen wir 20 Millionen in die Hand nehmen.« Damals hatte ich gerade zwei Drittel der Schulden abgebaut, der Rest war überschaubar. Wäre ich seinem Rat gefolgt, hätten wir wieder 30 Millionen Verbindlichkeiten gehabt. Und wer garantiert mir den Erfolg, wenn ich soviel Geld ausgebe? Der Magath haut dann irgendwann ab und ich stehe wieder so da wie zehn Jahre zuvor.

Was war der schlimmste Moment in Ihrer Zeit als Club-Präsident?


Die Zeit, als es so schlecht um den Verein stand, dass man jeden Tag damit rechnen musste, dass es zu Ende geht. Wir hatten 1994 sogar einen Konkursanwalt, der uns vier Wochen lang begleitet hat, damit wir nicht privat in die Bredouille kommen. Der hat uns geholfen, Politiker und den Bürgermeister eingeschaltet, um das Gröbste abzuwenden.

Und der schönste Moment?


Das klingt jetzt komisch, aber die vielleicht schönste Saison war die in der 3. Liga, das war 1996/97. Überall, wo wir hinkamen, gab es ein riesiges Volksfest. Die Vereine haben Sondertribünen aufgestellt, und bei jedem unserer Auswärtsspiele wurden Zuschauerrekorde aufgestellt. Wir haben in dieser Spielzeit so viele Punkte geholt, dass wir fast nicht mehr wussten, wovon wir die ganzen Siegprämien bezahlen sollten.

War das Jahr in der Regionalliga ein heilsamer Schock und damit vielleicht der Anfang einer Entwicklung, die in den Erfolgen der abgelaufenen Saison ihr vorläufiges Ende gefunden hat?

Das Jahr hat dem Club gut getan, das muss man wirklich sagen. Viele Posten sind weggefallen, alles war auf dem Prüfstand. Das war schon heilsam.

Haben Sie einen Überblick darüber, wie viel Geld Sie persönlich in den Verein gesteckt haben?

Da wird viel durcheinander gebracht. Was ich dem Club wirklich habe zukommen lassen, waren ein paar Spieler, die ich gekauft habe, aber das dürften insgesamt maximal 1,5 Millionen Euro sein. Dann war ich mit meiner Firma als Sponsor aktiv, und drittens habe ich Darlehen gewährt, mit einer Verzinsung, die zwei bis drei Prozent niedriger war als bei der Bank. Die habe ich aber alle zurückbekommen. Das Problem war eher, dass ich keinerlei Sicherheiten hatte, denn der Club konnte mir die nicht geben.

Haben Sie die Darlehen mit Augenmaß gewährt oder hätte die Sache im Extremfall die Existenz Ihrer Firma gefährden können?

Nein, so schlimm war es nicht. Außerdem konnte ich gar nicht anders, als dem Club Geld zu geben, sonst wäre es nicht weitergegangen. In diesem Teufelskreis steckte ich drin, aber zum Glück ist ja alles gut gegangen.

Sie wollen sich im Oktober noch mal für drei Jahre wählen lassen.

So ist es.

Sie sind jetzt 71 Jahre alt und der Club ist erfolgreich. Haben Sie mal überlegt, sich mit einem Gläschen Wein auf die VIP-Tribüne zu setzen und die Spiele ganz entspannt zu verfolgen?

Habe ich überlegt. Aber ich möchte, dass es in meinem Sinne, also solide weitergeht und nicht wieder abdriftet in die schlimmen Jahre der Vergangenheit. Wir haben 6000 Vereinsmitglieder, die bei der Generalversammlung alle wahlberechtigt sind. Und wenn einer kommt, der ein netter Kerl ist oder gut Pizza backen kann, dann wird der gewählt. Ich muss darauf achten, dass keine Chaoten ans Ruder kommen, die alles wieder kaputt machen. Dann wäre alles umsonst gewesen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden