19.12.2012
Michael Preetz über das härteste Jahr seiner Karriere (2/2)
»Weniger aufregen? Vergessen Sie's!«
Im zweiten Teil unseres Jahresabschlussgesprächs mit Michael Preetz spricht der Manager von Hertha BSC über seine Fehler in der Kommunikation, mangelnden Ehrgeiz mancher Trainer und die Wundertüte Ronny.
Interview:
Tim Jürgens
Bild: Imago
Michael Preetz über das härteste Jahr seiner Karriere (1/2)
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Adrian Ramos scheint wieder wesentlich besser drauf zu sein.
Da würde ich jetzt ketzerisch sagen: Es ist auch nicht schwer, besser als im Abstiegsjahr zu sein. (Lacht.) Aber lassen wir die Kirche im Dorf: Ramos hat sechs Tore in der Hinrunde geschossen, das kann nicht der Anspruch eines solchen Spielers sein. Er spielt ordentlich, aber er kann noch viel mehr.
Wie geht Luhukay mit ihm um?
Der Trainer setzt ihn auf seiner Lieblingsposition in der Spitze ein. Das ist gerade vor dem Hintergrund der Konkurrenz, die wir aktuell im Sturm haben, ein großer Vertrauensvorschuss. Aber Adrian setzt sich auch deshalb durch, weil er ein guter Spieler ist.
Ronny scheint nur darauf gewartet zu haben, dass er aus dem Schatten seines Bruders Raffael treten kann. Oder hat Luhukay Ronnys Durchbruch befeuert?
Sowohl als auch. Da Raffael nicht mehr da ist, war die hängende Spitze vakant. Von Luhukays Vorgängern war Ronny ausschließlich links hinten oder im linken oder rechten Mittelfeld eingesetzt worden. Mir war immer klar, dass er eine außergewöhnliche Qualität hat. Ich sagte also dem neuen Trainer, dass es bis heute keiner geschafft hat, alle Fähigkeiten aus ihm rauszukitzeln. Entscheidend war dann wohl, dass der Coach Ronny – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – auch nach schwächeren Spielen immer wieder Vertrauen geschenkt hat.
>> Lest hier Teil 1 des Interviews mit Michael Preetz
Was Ronny aktuell mit Bravour zurückzahlt.
Luhukay weiß, wann er ihn fordern und wann er ihn streicheln muss. Zweifelsohne hat Ronny in der Hinrunde in vielen Spielen den Unterschied gemacht und einen großen Einfluss auf das Spiel unserer Mannschaft gehabt. Hoffentlich schafft er es auch in der Rückrunde.
Warum zweifeln Sie daran?
Ich bin immer noch skeptisch. Auch in der Vergangenheit hatte Ronny Momente, in denen er Spiele entscheiden konnte. Leider blieb es nur bei diesen wenigen Augenblicken. Ich würde mir wünschen, dass er seinen Vertrag verlängert, wir zusammen in die Bundesliga aufsteigen und er dort ähnlich stark spielt.
Alle Spieler wurden von Ihnen nach dem Abstieg mit angepassten Verträgen und Zweitliga-Gehältern ausgestattet.
Wie gesagt, es war ein anstrengender Sommer. Bei dem ein oder anderen war viel Überzeugungsarbeit notwendig.
Dennoch haben Sie vor der Saison gesagt, ein Aufstieg wäre schön, sei aber keine Pflicht.
Das habe ich in einem anderen Kontext gesagt. Ich wollte sagen: Selbst wenn wir dieses Jahr nicht aufsteigen, wird bei Hertha BSC auch in der nächsten Saison noch Fußball gespielt. Dennoch brauchen wir dringend den Aufstieg, insbesondere weil der neue TV-Vertrag für Erstligisten erheblich höhere Erlöse verspricht, die in unserer wirtschaftlichen Lage sehr helfen würden.
Auch der 1. FC Union hat eine ordentliche Hinrunde gespielt. Fänden Sie es gut, wenn die Köpenicker mit aufsteigen – vorausgesetzt Hertha packt es?
Eine Stadt wie Berlin kann so etwas verkraften und dort wird so gut gearbeitet, dass es mittelfristig nicht unrealistisch ist. Für uns würde es den Vorteil haben, dass wir von vornherein ein Spiel mehr in der Saison ausverkaufen.
Hertha BSC hat gegenwärtig Schulden von rund 42 Millionen Euro. Kann der Klub mittelfristig nur mit Hilfe eines Mäzens dem Dasein als Fahrstuhlmannschaft entkommen?
Um diese Spirale zu durchbrechen, brauchen wir auch Geld von außerhalb. Da haben Sie leider recht.
Beim TSV 1860 München bestimmt der jordanische Geldgeber zunehmend die Klubgeschäfte.
Aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen. In Deutschland gibt es immer noch die 50+1-Regel. Es gibt gegenwärtig auch niemanden, der bei uns dafür in Frage käme. Um einen wirklich potenten Geldgeber an Land zu ziehen, bräuchten wir die Plattform der ersten Liga. Aber ich denke, wir haben auch im Sponsoring längst noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Schließlich sind wir die Hauptstadt und das Zentrum Europas. Da schlummern noch Möglichkeiten.
Danke fürs Stichwort: 2015 findet das Champions League Finale in Berlin statt. In München läuft bei solchen Perspektiven das Unternehmen »Finale daheim« an, in Berlin geht das aus wirtschaftlichen Gründen nicht.
Von der Champions League brauchen wir nicht zu träumen, dennoch sollte es ein Ansporn sein, den Abstand nach dorthin zu verkürzen. In der ersten Liga schauen hier nämlich alle auch anders auf diesen Wettbewerb.
Warum?
Weil dort Mannschaften mitspielen, mit denen wir uns dann zweimal in der Saison messen.
Michael Preetz, Ihr guter Vorsatz für 2013?
Ich bin weder Raucher, noch gibt es andere Dinge, die ich mir aus meiner Sicht dringend abgewöhnen sollte. Deswegen bin ich bislang gut ohne Neujahrsvorsätze ausgekommen. Machen Sie doch einen Vorschlag: Was soll ich mir vornehmen?
Weniger aufregen?
Vergessen Sie’s. (Lacht.) Das hält genau bis zum 1. Januar um 11.00 Uhr.
>> Lest hier Teil 1 des Interviews mit Michael Preetz




