19.12.2012

Michael Preetz über das härteste Jahr seiner Karriere (2/2)

»Weniger aufregen? Vergessen Sie's!«

Im zweiten Teil unseres Jahresabschlussgesprächs mit Michael Preetz spricht der Manager von Hertha BSC über seine Fehler in der Kommunikation, mangelnden Ehrgeiz mancher Trainer und die Wundertüte Ronny.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

>> Lest hier Teil 1 des Interviews mit Michael Preetz

Michael Preetz, was haben Sie 2012 über Medien gelernt?
Ich habe schon in den vergangenen zwei, drei Jahren festgestellt, dass sich die Art des Umgangs – nicht nur im Fußball, auch in der Gesellschaft allgemein – verändert hat. Es ist rücksichtsloser geworden. Der große Druck, der in den Verlagen herrscht, trägt offenbar dazu bei. Das ist in der Wirtschaft und in der Politik nicht anders als im Fußball.


In welchen Bereichen haben Sie als Manager dazugelernt?
Sportlicher Erfolg und damit auch die Weiterentwicklung der Mannschaft funktioniert nur mit Geschlossenheit und einem vertrauensvollen Miteinander. Respekt, Zusammenhalt, Charakterstärke, Ehrlichkeit und die Bereitschaft aller Beteiligten, alles für den Erfolg zu tun.
 
Was würden Sie bezogen auf die Anschuldigungen von Markus Babbel, die zu seiner Entlassung führten, heute anders machen?
Ich habe daraus gelernt, dass man in so einer Situation auch das sagen sollte, was man weiß. Auch wenn es dann für öffentliches Aufsehen sorgt.


Und was haben Sie bezogen auf Trainerverpflichtungen gelernt?
Dass im Fußball immer auch das Quäntchen Glück eine entscheidende Rolle spielt, weil man den Menschen nur vor und nicht in den Kopf schauen kann. Und dass es auch auf den richtigen Riecher ankommt. Denn ich glaube, mit Jos Luhukay nicht nur Glück, sondern auch den richtigen Riecher gehabt zu haben.


Wie schwer war es, Luhukay für das Unternehmen Wiederaufstieg zu gewinnen?
Unsere ersten Gespräche fanden in der Zeit kurz vor der Relegation statt. Jos Luhukay hätte natürlich liebend gern Hertha BSC als Bundesligisten übernommen. Er hat aber bereits zu diesem Zeitpunkt keine Zweifel daran gelassen, dass er auch kommt, falls Hertha absteigt. Er hat sich gleich im ersten Gespräch zu uns bekannt. Das empfand ich als unglaublich starkes Zeichen für Hertha BSC.
 
Haben Sie eine gewisse Schadenfreude empfunden, als Markus Babbel vor kurzem in Hoffenheim entlassen wurde?
Solchen Empfindungen liegen mir fern. Es ist am Ende mit ihm nicht glücklich gelaufen, aber das ist für mich Vergangenheit.


Ihre lustigste Anekdote aus der Zeit mit Otto Rehhagel?
Leider war in dieser Phase wenig Gelegenheit zum Spaßen. Ich kann nur sagen, dass ich ihn als sehr geraden, ehrlichen Menschen erlebt habe, der nichts sehnlicher wollte, als den Klassenerhalt zu schaffen. Mir ist es sehr nahe gegangen, wie despektierlich Teile der Presse mit ihm umgegangen sind.


Rehhagel hat viel erlebt in seiner langen Karriere. Woran merkten Sie, dass auch für einen wie ihn der Abstieg keine Routine ist?
Nach manchen Spielen saß er fassungslos in der Kabine, angesichts der teilweise skurrilen Eigentore und Platzverweise, die wir uns einhandelten. Wir telefonieren heute noch regelmäßig und immer erwähnt er, was man alles planen und durchdenken kann, aber solche Ereignisse könne niemand voraussehen.
 
Rehhagel war, trotz des negativen Ausgangs, kein Fehler?
Jedenfalls habe ich in keinem Moment den Eindruck gehabt, dass er nicht für die Sache brennt oder nicht bereit ist, alles in Bewegung zu setzen, damit wir unser Ziel erreichen. Otto Rehhagel ist im Februar ins »Hotel Kempinski« eingezogen und war bis Ende Mai rund um die Uhr in Berlin. Nicht einen Tag war er zuhause in Essen bei seiner Beate. Sie werden sagen: »Mein Gott, drei Monate?« Aber ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen, dass es auch Trainer gibt, die in kritischen Phasen dennoch jeden freien Tag nutzen, um zur Familie zu fahren oder wasweißich wohin…?


Hat Rehhagel dennoch Fehler gemacht?
Es gibt nichts, was ich ihm im Nachhinein ankreiden könnte.

In der zweiten Liga liegt der aktuelle Zuschauerschnitt etwa 8000 Besucher niedriger als in der ersten Liga. Hat die Sympathie zu Hertha BSC unter dem neuerlichen Abstieg gelitten?
Schwer zu sagen. Die Mitgliederzahl ist stabil. Wir sind europaweit beim Zuschauerschnitt immer noch auf Platz 13 im Ranking aller Klubs. Trotz der schlechteren Anstoßzeiten in der zweiten Liga glauben wir, am Ende der Saison einen Schnitt über 40 000 Zuschauern zu schaffen. Aber natürlich ist ein Abstieg auch für Fans enttäuschend. Dennoch glaube ich, dass das geschlossene und homogene Auftreten der Mannschaft in dieser Hinrunde und die Art wie wir Fußballspielen, wieder einiges an Kredit für Hertha BSC zurückgewonnen hat.  
 
Viele Neuverpflichtungen sind gut eingeschlagen. Ein Zeichen für Ihre gute Kooperation mit Jos Luhukay?
Wir arbeiten sehr gut und sehr vertrauensvoll miteinander. Wir glauben, dass der Kader in der Breite und in der Tiefe gleichermaßen sehr ordentlich aufgestellt ist und die Zusammensetzung uns mehr Möglichkeiten als im Aufstiegsjahr vorletzte Saison gibt.

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