18.12.2012
Michael Preetz über das härteste Jahr seiner Karriere (1/2)
»Es wurde viel Unfug geredet«
Hinter Hertha-Manager Michael Preetz liegt das härteste Jahr seiner sportlichen Laufbahn. Der 45-Jährige über die Düsternis der Skibbe-Entlassung, das Chaos-Spiel in der Relegation, die Tiefschläge aus dem Präsidium und Herthas schlechten Leumund beim DFB.
Interview:
Tim Jürgens
Bild: Imago
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Was haben Sie falsch eingeschätzt?
Es lag eine hochdynamische Situation innerhalb der Mannschaft vor, die ich unterschätzt habe. Darauf hätte ich Michael Skibbe besser vorbereiten müssen. Viele Spieler im Kader hatten sehr eng mit dem Vorgänger und insbesondere mit dessen Co-Trainer, Rainer Widmayer, zusammengearbeitet. Widmayer war für viele Spieler ein wichtiger Ansprechpartner und er agierte wie ein Cheftrainer.
Das heißt, den Spielern fehlte eine Bezugsperson?
Ein neuer Coach wird in einer solchen Situation sowieso immer kritisch beäugt. Und der Co-Trainer hat sich nicht den Respekt verschafft, den der vorherige Assistent im Team hatte. Das brachte das gesamte Konstrukt frühzeitig ins Wanken. Hinzu kam, dass wichtige Spieler wie Raffael in dieser Phase gefehlt haben. Dann blieben von Anfang an die Ergebnisse aus und die sich ohnehin schon nach unten bewegende Erfolgskurve beschleunigte sich. Um es kurz zu machen: Mir wurde relativ schnell klar, dass sich in dieser Konstellation keine wesentliche Verbesserungen mehr ergeben würde.
Die nächste Extremsituation erlebten Sie nach dem chaotischen Relegationsspiel bei Fortuna Düsseldorf?
Bei allem Respekt vor der Fortuna: Dass wir es schon im Heimspiel mit der deutlich besser besetzten Mannschaft versäumt haben, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen, war ebenfalls sehr enttäuschend. Doch dann bei meinem Heimatverein im Beisein meiner Mutter und meiner Familie, die auf der Tribüne saßen, dieses dramatische Ende mitzuerleben, lässt sich schwer beschreiben. Zumal diese völlig überzogenen Anfeindungen aus meiner Geburtsstadt kamen….
Meinen Sie die Aussagen von Fortuna-Finanzvorstand Paul Jäger, der über Ihren Protest beim DFB-Sportgericht sagte: »Ich weiß nicht, was Michael Preetz geritten hat. Man muss sich für die ganze Hertha schämen und nicht für einzelne Personen«?
Das war nur die Spitze des Eisbergs. Im Zusammenhang mit diesem Theater vor dem DFB-Sportgericht wurde überhaupt sehr viel Unfug geredet. Als Geschäftsführer bin ich doch allein Kraft meines Amtes verpflichtet, einen solchen Weg im Interesse des Vereins zu gehen. Und dann zu erleben, wie die Mühlen des DFB in so einem Verfahren mahlen – unter anderem mit dem ersten Live-Ticker in der Geschichte des Verbands aus dem Verhandlungssaal –, das war gelinde gesagt abenteuerlich.
Lewan Kobiaschwili wurde für sieben Monate wegen eines vermeintlichen Schlags gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark gesperrt.
Eine Tragödie, diese Strafe hatte fast traumatische Folgen für Kobi. Jeder weiß, was für ein fairer Sportsmann er ist. Es hat ihn tief getroffen, fast an die Grenzen zum Trübsinn.
Fürchten Sie sich 2013 vor einer Neuauflage des Relegationsspiels gegen Fortuna Düsseldorf?
Das ist ein Szenario, das wir mit aller Macht vermeiden wollen. Relegation ist – ob gegen die Fortuna oder einen anderen Klub – ohnehin extrem für alle Beteiligten.
Was sagt der Rheinländer Preetz zum Temperament seiner Landsleute beim Relegationsspiel?
Sie meinen, dass die »Anhänger« dort einen »positiv besetzten Platzsturm« veranstaltet haben, wie es der Richter Hans Lorenz genannt hat? Zwingen Sie mich bitte nicht, das zu kommentieren.
Haben Sie wirklich geglaubt, das Ergebnis am grünen Tisch zu drehen?
Noch einmal, wir waren allein aus juristischen Gründen, die sich aus den entsprechenden Rechtsvorschriften ergeben, dazu verpflichtet, Widerspruch gegen die Spielwertung einzulegen. Selbstverständlich haben wir auf ein Wiederholungsspiel gehofft. Doch je länger die Verhandlung dauerte, desto genauer spürten wir eine Atmosphäre, die keinen Anlass gab, unsere Hoffnung zu befeuern.
Hertha BSC war der erste Klub in der fünfzigjährigen Bundesligageschichte, der 1965 wegen Lizenzvergehen zwangsabgestiegen wurde. Der Verein spielte eine gewichtige Rolle beim »Bundesligaskandal« von 1970/71. Glauben Sie, Hertha BSC hat allein aufgrund seiner Geschichte beim DFB schlechte Karten?
Ich sage ganz klar: Das ist in großen Teilen unsere Wahrnehmung. Ich sage aber auch: Wir brauchen sportlichen Erfolg, dann stellen sich solche Fragen nicht mehr.
Haben Sie manchmal darüber nachgedacht, wie der im letzten Jahr verstorbene Ehrenpräsident Wolfgang Holst mit diesen Turbulenzen umgegangen wäre?
Ich könnte mir vorstellen, dass er den Weg durch alle Instanzen bis zum bitteren Ende gegangen wäre. Und ich bin mir sicher: Er hätte in keiner Situation ein Blatt vor den Mund genommen.
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>> Lest hier am Mittwoch Teil 2 des großen Interviews mit Michael Preetz




