16.09.2010

Michael Laudrup über den Trainerjob

»Eine Welt voll von Egoisten«

Michael Laudrup ist seit dieser Saison Trainer des spanischen Erstligisten Real Mallorca. Wir sprachen mit ihm über seine Spieler, das Fußball-Gen in seiner Familie und dänische Journalisten im Presseraum von Son Moix.

Interview: Holger Weber Bild: Imago
Michael Laudrup, sind bei Real Madrid und Real Mallorca in diesem Jahr die Trainer die Stars?

Ich möchte nicht als ein Star angesehen und bezeichnet werden, auch wenn ich vielleicht als Spieler einige Erfolge hatte und bei beiden großen Klubs in Spanien gespielt habe. Der Begriff Star ist für mich negativ besetzt.



Warum?

Man stellt sich da Menschen vor, die über allem schweben und die Bodenhaftung verloren haben. Oder Schauspieler, die sich isolieren, vielleicht um sich selbst zu schützen. Ich glaube, meine Spieler und auch ich sind bodenständig und ziemlich nah dran an unserem Publikum.

Aber in Dänemark sind Sie ein Star. Zu jedem Spiel reisen eine Handvoll Reporter aus Ihrer Heimat an.

Das stimmt schon. Wir sind eben ein kleines Volk, das nicht viele Personen herausgebracht hat, deren Namen international bekannt sind. Seit mehr 20 Jahren, seitdem ich das erste Mal Dänemark verlassen habe, verfolgen mich die dänischen Journalisten. Ich finde das positiv und kann auch verstehen, dass meine Landsleute wissen wollen, was ich so mache.

In der Gehaltsrangliste unter den Trainern in der Primera Division sind Sie mit einem Gehalt von 600.000 Euro pro Jahr auf einem Abstiegsplatz.

Und wenn schon. Kann sein, dass andere mehr verdienen. Aber wenn ich mich darüber beklagen würde, wäre das vermessen angesichts der Tatsache, dass viele Familienväter im Monat 1000 Euro nach Hause bringen. Man muss immer die Relationen sehen. Ich glaube, im Fußballgeschäft darf sich niemand beklagen.

Sie haben in Russland als Trainer bei Spartak Moskau gearbeitet und gesagt, dass Sie dies nicht wieder tun würden. Warum?


Ich sagte, ich würde es nur wieder tun, wenn ich die Sprache spreche. Denn ansonsten ist man sehr abhängig vom Übersetzer und kann nur hoffen, dass er alles richtig wiedergibt. Aber die Erfahrungen in diesen beiden ganz anderen Kulturkreisen haben mich als Mensch unheimlich weitergebracht.

Richten Sie Ihre Lebensplanung nur nach Ihrem Beruf aus?

Nein. Ich halte nichts von dem Konzept, jetzt hart zu arbeiten, um irgendwann in der Rente das Leben zu genießen. Ich finde, das muss Hand in Hand gehen. Wir leben nur einmal. Ich versuche, das Leben zu leben und trotzdem zu arbeiten. Und ich bin der glücklichen Lage beide Komponenten des Lebens zu vereinbaren. Deswegen habe ich die Zeit im Ausland immer genossen.

Mehr als Spieler oder als Trainer?

Als Spieler hat es natürlich viel einfacher. Man braucht sich um nichts zu kümmern. Als Trainer hingegen ist man ständig gefordert, muss andauernd Entscheidungen treffen, die sowohl den sportlichen als auch den zwischenmenschlichen Bereich betreffen. Aber generell glaube ich, dass jede Arbeit ihre Schattenseiten mit sich bringt. Den absolut perfekten Job gibt es nicht. Auch nicht das absolut perfekte Leben. Man muss die Dinge immer nehmen, wie sie kommen.

Hat sich die Welt des Fußballs denn gewandelt?

Mehr als der Fußball selbst, die Art der Kommunikation. Früher war der Führungsstil der Trainerwesentlich autoritärer. Eine Entscheidung des Trainers wurde nicht hinterfragt. Auf die Frage nach dem Warum bekam man zu hören: Weil ich es sage. Dieses Konzept funktioniert vielleicht noch in Russland und Japan, wo ich es selbst noch erlebt habe, nicht aber mehr hier in Spanien. Im Informationszeitalter verfügen die Spieler gleichsam über mehr Informationen. Ein moderner Trainer kann es sich deshalb auch nicht erlauben, in der Vergangenheit zu leben. Er muss sich den Gegebenheiten anpassen und alle seine Entscheidungen erklären.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden