Michael Kölmel über RB Leipzig

»Extrem erfolgsorientiert«

Michael Kölmel ist Filmrechtehändler und Betreiber des Leipziger Zentralstadions. Dort soll RB Leipzig, der von einem Brausehersteller übernommene Verein, einziehen. Wir sprachen mit Kölmel über Chancen und Risiken. Michael Kölmel über RB Leipzig
Heft #93 Sonderheft 2009/10
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Herr Kölmel, der Einstieg von Red Bull in den in den Leipziger und damit in den deutschen Fußball  sorgt für viel Furore. Wie sehen Sie die Übernahme die Übernahme des SSV Makranstädt durch den neuen Großinvestor?

Ich freue mich auf Red Bull. Es wird noch eine neue Farbe im Leipziger Vereinsfußball geben. Aktuelle Umfragen zeigen, das Hoffenheim der zweitbeliebteste Bundesligist der abgelaufenen Saison ist. Daran sieht man, auch ein Verein mit einem großen Investor kann dahin kommen. Zwar kann man sich, wenn man mit etwas mehr Geld spielt, den Erfolg nicht kaufen, aber für Leipzig steigen die Chancen.

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Wie geht es für das Zentralstadion weiter?

Ich hab vor der WM den Ausbau und die Renovierung des Stadions übernommen. Mit dem Leipziger Fußball ging es seither nicht bergauf. Nun hat Red Bull einen Mietvertrag abgeschlossen, und dazu gehört ein Vertrag über die Namensrechte bis zum Jahr 2030. Ob das Stadion nun »RB-Arena« heißen wird oder anders, dass muss nun Red Bull entscheiden.

Wann spielt RB Leipzig im Zentralstadion?

Auch das entscheidet Red Bull. Es hängt natürlich von der Zuschauerzahl ab. Wenn der Verein nach der kommenden Saison in die Regionalliga aufsteigt, dann wird es überlegenswert, dort Spiele auszutragen. Richtig Sinn macht dies aber erst ab etwa 5000 Zuschauern. Davon kann man ab der Zugehörigkeit zu Dritten Bundesliga ausgehen.

Sie sind Kenner der regionalen Fußballszene, haben beispielsweise in Dynamo Dresden viel Geld investiert. Befürchten Sie nicht, ein Engagement von RB Leipzig würde den sächsischen Fußball um Jahrzehnte in seiner nachhaltigen Entwicklung zurückwerfen?


Nein, das Gegenteil ist der Fall. Mit Red Bull kommt jemand in die Region, der ein professioneller Sportförderer ist. Dies wird positiv ausstrahlen. Zum Beispiel will Red Bull ein unheimlich gutes Jugendzentrum hier aufbauen. Talente könnten auf diese Weise endlich in der Region gehalten werden, dies war vorher nicht der Fall. Es wird aber nicht nur sportlich einen Sog-Effekt geben, auch wirtschaftlich wird es Sponsoren nach sich ziehen.

Sie sagen, RB Leipzig könnte in acht Jahren in der Ersten Bundesliga spielen. Ihren Wünschen zufolge: Wie stellen Sie sich die langfristige Zukunft des Vereins vor?

Erfolg kann man nicht kaufen, aber acht Jahre halte ich für eine realistische Zeit, um in der ersten Liga anzukommen. Red Bull ist ein extrem erfolgsorientiertes Unternehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das Unternehmen in Zukunft mit der Ersten und Zweiten Bundesliga zufrieden gibt. Und irgendwann soll RB Leipzig sicherlich auch einmal europäisch spielen, die Stadt Leipzig hat allemal das Potential dazu. Jetzt geht es aber erstmal darum, die Tagesaufgaben in der fünften Liga zu machen.  

Leipzig beherbergt schon über Jahrzehnte hinweg eine explosive Fanmischung. Was bedeutet der neue Verein für die Anhänger von Lok Leipzig und Sachsen Leipzig?

Am Ende werden auch deren Vereine von RB Leipzig profitieren. Gute Spieler werden in der Gegend bleiben. Das gesamte Niveau des Leipziger Fußballs wird sicherlich steigen. Wo das gut funktioniert hat: In München. Dort spielt neben Bayern, 1860 und Unterhaching.

RB-Leipzig hat die Männermannschaft des SSV Makranstädt übernommen. Zum Spielbetrieb in der fünften Liga fehlt nun noch eine Nachwuchsabteilung. Das Nachwuchszentrum des gerade insolvent gegangen Sachsen Leipzig bietet sich da doch förmlich an.

So ist es. Die Nachwuchsmannschaften war für Sachsen Leipzig noch nie finanzierbar. Dies habe ich über Jahre hinweg übernommen. Durch die Insolvenz ist mein Engagement beendet. Sowohl die Stadt Leipzig als auch der Verein Sachsen Leipzig sind sicherlich froh, wenn Sie jemanden gefunden haben, der sie finanziert.  


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