Michael Frontzeck über die Bayern

»Mitleid ist das Schlimmste«

Michael Frontzeck über die BayernImago

Herr Frontzeck, Sie werden am Dienstag die Champions League-Partie des FC Bayern München gegen den FC Barcelona mit Interesse verfolgt haben.

Bayern hat gut gespielt. Ich hätte gern das Spiel gesehen, wenn Luca Toni nach fünf Minuten das Kopfballtor macht. Aber letztlich ist Barcelona das Maß aller Dinge. Die Mannschaft spielt einen Fußball, wie ich ihn in den vergangenen 26 Jahren, so lange bin ich jetzt im Profigeschäft, ganz selten gesehen habe.

[ad]

Die Leistung der Klinsmann-Elf dürfte Sie ein wenig beruhigt haben. Eine Woche zuvor hat Frankfurt die Trotzreaktion des deutschen Rekordmeisters nach der 0:4-Demontage in Barcelona heftig zu spüren bekommen.

Es ist egal, in welcher Konstellation die Bayern nach Bielefeld kommen. Die können immer und überall auf der Welt gewinnen – außer vielleicht in Barcelona. Bayern tritt mit dem Anspruch an, jedes der noch sieben ausstehenden Bundesligaspiele gewinnen zu wollen. Das ist eine klare Ansage. Für Bayern zählt nur der Meistertitel.

Die Arminia steht ebenfalls gehörig unter Druck, mit dem Unterschied, dass es um den Klassenerhalt geht.

Wir haben jetzt drei Partien in Folge verloren, was nicht hätte sein müssen. Es tut schon weh, wenn man gegen Wolfsburg und Schalke gute Leistungen zeigt, sich viele gute Torchancen herausspielt und sich am Ende um den verdienten Lohn bringt.

Ihr Team hat bislang nach Karlsruhe die wenigsten Tore geschossen, nämlich 22. Das Problem ist also die Chancenverwertung?


Wir arbeiten uns Möglichkeiten heraus. Aber dann fehlt der letzte Tick. Es ist ja nicht so, dass wir uns nur hinten reinstellen. Ich denke, die Zuschauer sind mit der Art und Weise wie wir spielen nicht unzufrieden.

Aber Sie würden ihre Arminia gerne mal nicht im Abstiegskampf sehen. Warum ist die Lage wieder ernst?

Es war von Anfang an klar, dass es eng wird. Gerade wenn Klubs wie Hoffenheim, Köln und Gladbach als Aufsteiger in die Bundesliga kommen. Wir sind nicht in der Lage, wie Borussia Mönchengladbach in der Winterpause schnell mal fünf Millionen Euro auf den Transfermarkt zu schmeißen. Mit seinen finanziellen Möglichkeiten steht Bielefeld immer wieder vor der Aufgabe, einen Spagat zu bewältigen. Der Klub hat zuletzt 15 Millionen Euro in eine neue Tribüne investiert, ohne Hilfe seitens der Stadt und des Landes. Das drückt natürlich auf den sportlichen Etat.

Der FC Bayern München ist der Liga-Krösus. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Empfinden Sie als Kollege Mitleid mit Jürgen Klinsmann, der von allen Seiten Prügel bezieht?

Mitleid ist das Schlimmste, was es im Fußball gibt. Ich denke, dass die Bayern mit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann einen neuen Weg gehen wollten. Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn die Verantwortlichen beim FC Bayern München diesen weiterverfolgen, auch wenn alle selbsternannten Fußballexperten dieses Landes dagegen sprechen. Viele Journalisten warten doch nur darauf, dass Jürgen Klinsmann entlassen wird. Ich finde es unerträglich, wie negativ so etwas begleitet wird, wenn jemand neue Ideen einbringt. Da macht man sich wochenlang nur über Buddhas lustig.

Lernt man da den ruhigen Arbeitsplatz in Bielefeld zu schätzen?

Ruhig? Egal, ob 1., 2. oder 3 Liga, man kann inzwischen nirgends mehr im Fußball in Ruhe arbeiten. Es ist ein mediales Geschäft geworden, in dem es um sehr viel Geld geht. Der Druck ist entsprechend groß. Ich kann mich noch daran erinnern, wie Anfang der 80er Jahre Jupp Heynckes nach einer schlechten Saison als neuer Trainer bei Borussia Mönchengladbach engagiert wurde und sagte, man müsse ihm fünf Jahre Zeit geben. Heute darf man als Trainer froh sein, wenn man fünf Monate bekommt.

Vielen Trainern ist die Anspannung an der Seitenlinie deutlich anzumerken. Sie dagegen wirken äußerlich sehr ruhig. Spiegelt das auch Ihre innere Verfassung während der 90 Minuten wider?

Auch in mir brodelt es. Jeder hat seine eigene Art, wie er auftritt. Mit liegt es nicht, an der Seitenlinie den Affen zu machen. Aber in der Kabine werde ich auch laut. wenn es erforderlich ist.

Die Arminia gilt als Unentschieden-Spezialist. Wären Sie gegen den FC Bayern München mit einem Remis zufrieden?

Diese Frage kann ich erst nach dem Spiel beantworten, sollte es tatsächlich unentschieden enden. Das hängt vom Spielverlauf ab. Von den zwölf Partien, die unentschieden ausgingen, waren viele dabei, die wir hätten gewinnen können. Aber ein Punkt ist immer etwas wert. Jeder Punkt ist ein wichtiger Punkt.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!