05.06.2013

Michael Ballack über seine große Karriere

»Titel werden manchmal überschätzt«

Heute findet in Leipzig das Abschiedsspiel von Michael Ballack statt. Im Interview mit 11FREUNDE hat der wichtigste deutsche Fußballer der Nullerjahre seine ganz persönliche Bilanz gezogen.

Interview: Tim Jürgens und Philipp Köster Bild: Daniel Delang

Michael Ballack, ist mit dem Karriereende die große Leere eingetreten?
Im Gegenteil. Endlich kann ich mir meinen Tag selbst einteilen.

Aber ist es nach 16 Jahren als Profi nicht irritierend, keine Termine mehr zu haben?
Nein, ich gönne mir ja bewusst diese freie Zeit, um endlich so etwas wie Alltag kennen zu lernen. Seit meiner Jugend habe ich dem Sport fast alles geopfert und war weitgehend fremdbestimmt. Der Fußball war sieben Tage in der Woche 24 Stunden in meinem Kopf. Deshalb will ich jetzt eine gewisse Zeit ganz ohne Vorgaben.

Welcher Mensch sehnt sich nach Alltag?
Ich habe seit meinem vierten Lebensjahr jeden Tag Fußball gespielt. Als Profi war ich schon früh sehr stark eingebunden, vieles wurde von mir weggehalten. An diesen Zustand gewöhnt man sich, er ist ja auch sehr bequem. Aber die persönliche Entwicklung bleibt da zwangsläufig ein wenig auf der Strecke.

Wo erkennen Sie bei sich Defizite?
Lassen Sie es mich so sagen: Die Zeit, um andere Interessen neben dem Fußball zu entwickeln, war sehr knapp.

Man sah Sie zuletzt öfter auf Messen und in Galerien für zeitgenössische Kunst.
Das ist inzwischen eine kleine Leidenschaft von mir. Meine Ex-Frau Simone ist sehr kreativ und da wir in den vergangenen Jahren viel Zeit miteinander verbracht haben, sind wir gemeinsam öfter zu Ausstellungen gegangen. Anfangs war es nur ein Interesse, aber je mehr ich mich damit auseinander gesetzt habe desto stärker war der Wunsch selbst schöne Werke zu besitzen.

Geben Sie viel Geld für Kunst aus?
Gute Kunst ist oft auch teuer.

Was fasziniert Sie an zeitgenössischer Kunst?
Wieviele unterschiedliche Möglichkeiten sie bietet, um Dinge zum Ausdruck zu bringen... Über Geschmack lässt sich dabei natürlich streiten.

Was haben Sie denn Zuhause?
Malerei aber auch Skulpturen. Ich bin da nicht festgelegt. Ich versuche, mir soviel wie möglich anzuschauen und mich inspirieren zu lassen.

Haben Sie einen bevorzugten Künstler?
Mehrere, aber da müsste ich ins Detail gehen.

Machen Sie doch mal.
Ich hatte das Privileg, einige bekannte Künstler persönlich kennen zu lernen und, was unüblich ist, auch in ihrem Atelier besuchen zu dürfen. Und so ein Blick hinter die Kulissen trägt dazu bei, sich intensiver mit dem Künstler und dessen Kunst auseinanderzusetzen. Es ist faszinierend, wie sich ein Werk über Wochen ständig neu entwickelt, nur weil sich die Gedanken des Künstlers verändern.

Mit welchen Künstlern hatten Sie Kontakt?
Ich war mehrfach bei Neo Rauch im Atelier. Anselm Reyle mag ich, weil er viel mit Alltagsgegenständen arbeitet – von Müll über Ton bis hin zu Blech. Auch ihn habe ich mehrfach in seinem Atelier besucht, genauso wie Georg Baselitz, einen meiner Lieblingskünstler, der auch nicht weit von mir am Ammersee wohnt. David Schnell habe ich mehrmals in Leipzig besucht und mit Rosemarie Trockel bin ich schon gemeinsam durch New York geschlendert. Ihre aktuellen Ausstellungen in New York und Lissabon sollte man sich auf jeden Fall anschauen.

Das klingt nicht mehr unbedingt nach einer »kleinen« Leidenschaft.
Je länger ich mich damit beschäftige, desto größer wird der Wunsch es zu vertiefen. Das Gute an Kunst ist übrigens, dass sie einen nicht ständig fordert. Es bleibt mir selbst überlassen, wie intensiv ich einen Künstler verfolge..

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