Per Mertesacker über Wenger, Poldis-Rhetorik und seinen Auftritt als DJ Ötzi

»Man kann nicht immer nur an der Ananas lecken«

Seit knapp zwei Jahren spielt Per Mertesacker nun beim FC Arsenal. Wir sprachen mit ihm über die Premier League, seine EM als Bankdrücker, Michael Ballacks verkorksten Abgang und den richtigen Zeitpunkt, die Schuhe an den Nagel zu hängen.

Chris Gloag
Heft: #
137

Per Mertesacker, Sie sind seit fast zehn Jahren Profi. Wie lang kommt Ihnen diese Zeit selbst vor?
Spontan würde ich sagen: kürzer. Aber wenn ich mal in mich gehe und reflektiere, wie wahnsinnig viel in dieser Zeit passiert ist, dann bekomme ich doch das Gefühl, dass es eine Ewigkeit war.

Bleibt in Ihrem Beruf denn überhaupt Zeit zum Innehalten?

Kaum. Mein Leben ist sehr eng getaktet, ein Ereignis jagt das nächste. Ich nehme mir immer wieder vor, all die Eindrücke mal niederzuschreiben, aber über ein paar lose Notizen bin ich bislang leider nicht hinausgekommen.

Wenn man im Fernsehen die Ex-Profis reden hört, entsteht der Eindruck, dass deren Karrieren ausschließlich aus Anekdoten bestanden.

Ich kann mir nicht vorstellen, in diesen Talkshows aufzutreten und von früher zu erzählen. Erstens, weil sich diese ach so lustigen Geschichtchen heute ja gar nicht mehr ereignen, der Fußball ist dazu viel zu ernsthaft geworden. Und zweitens, weil mich diese Nostalgie deprimiert. Ich möchte nach meiner aktiven Karriere nicht zurückschauen, sondern nach vorne.

Vielleicht versuchen die Herren nur, die gähnende Leere auszufüllen. Haben Sie Angst vor der Zeit nach der Karriere?
Klar ist: Es kann nach jedem Zweikampf vorbei sein. Deshalb tut man gut daran, sich einen Alternativplan zurechtzulegen. Ich tue das zwar, aber längst nicht intensiv genug. Wie gesagt: Der Rhythmus des Fußballs lässt einem kaum Zeit für ruhige Überlegungen.

Aber einen Ansatz werden Sie doch haben.
Im Moment begrenzt sich das aufs Ausschlussprinzip. Wie Sie bereits ahnen, möchte ich kein professioneller Talkshow-Gast werden. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, als Trainer zu arbeiten. Denn irgendwann möchte ich aus diesem Strudel herauskommen und endlich mal unbeschwert leben.

Wollen Sie Dinge nachholen, die Sie in Ihrer Jugend verpasst haben?
Manches lässt sich nicht nachholen. Die Abifahrt etwa, die ich absagen musste, weil ich mit Hannover 96 ins Trainingslager gefahren bin. Außerdem bin ich dann Anfang, Mitte dreißig, und es wäre doch seltsam, wenn ich plötzlich mit dem Bulli durch Europa fahre, am Lagerfeuer sitze und Gitarre spiele, weil ich glaube, das müsste jetzt noch mal sein. Ich möchte lieber Zeit mit meiner Familie verbringen und nach einem Jahr schauen, ob ich in einem Verein eine Funktion in zweiter Reihe übernehmen kann.

Als Frühstücksdirektor?
Diese Gefahr besteht nur, wenn man passiv bleibt. Ich möchte aber meinen Ehrgeiz über das Karriere­ende hinaus in eine neue Aufgabe retten.

Wenn Sie jetzt, als Aktiver, Lust bekommen, mal auszubrechen – was machen Sie dann?
Früher war ich oft im Harz wandern. Heute flüchte ich mich in virtuelle Parallelwelten auf der Spielkonsole.

Virtuelle Realität statt niedersächsischer Naturidylle. Haben Sie manchmal Heimweh?
Ja, klar. Wenn ich etwa an Weihnachten nicht nach Hause fahren kann, weil der Ligabetrieb hier weiterläuft, fällt mir das schon sehr schwer. Dann vermisse ich meine Eltern, meine Brüder, meine Kumpels und die Rituale, die wir hatten. Wanderungen eben, aber auch mal das gemeinsame Bierchen im Partykeller.

Wenn einer Ihrer alten Kumpels Sie bitten würde, ihm 5000 Euro zu leihen, würden Sie es tun?
Ohne zu zögern.

Auch 500.000?
Das geht nicht ohne Weiteres. Soviel ich weiß, müsste ich dann noch 30 Prozent Schenkungssteuer abdrücken.

Sie kennen sich aus. Kommt da der Bankkaufmann durch, der Sie mal werden wollten?
Stimmt, bis ich 15 Jahre alt war, wollte ich in die Fußstapfen meines Vaters treten, der bei der Sparkasse arbeitet. Das hat nun mein kleiner Bruder getan.

Beneiden Sie ihn um sein geregeltes Leben?
Nein. Und er mich auch nicht um mein Leben. Das ist alles andere als selbstverständlich: dass er nie eifersüchtig war und mich immer unterstützt hat, wie auch mein älterer Bruder und meine Eltern. Ich habe riesiges Glück gehabt.

Sie haben noch als Profi bei Ihren Eltern in Pattensen gewohnt.
Und ich habe nebenbei Abitur gemacht und danach meinen Zivildienst geleistet. Ein Leben, wie andere Jungs in diesem Alter es auch führen. Das hat mir geholfen, nicht abzuheben.

Muss man als Profi eigentlich ständig aufpassen, was man sagt und tut?
Zu hundert Prozent! So schnell wie heutzutage jemand sein Fotohandy zückt und den Schnappschuss an die »Bild« schickt, kann man gar nicht gucken. Es gibt in Deutschland nun mal ein Bedürfnis, die Helden, die man geschaffen hat, auch wieder vom Sockel zu stoßen. Ob ich das nun gut finde oder nicht – ich muss mich danach richten.

Gab es trotzdem Momente, in denen Sie dachten: Per, du musst aufpassen, dass du nicht abhebst?
Sicher, es gab den einen oder anderen Mannschaftsabend, an dem wir uns gefühlt haben wie die Größten. Das gehört dazu. Aber meine Familie hat schon achtgegeben, dass das nicht zu einem Bestandteil meines Charakters wird.

Gab es denn keine Sonderbehandlung für den Fußballsohn? Durften Sie sich nicht öfter Ihr Lieblingsessen wünschen als Ihre Brüder?
Wenn ich nicht schnell genug am Tisch saß, habe ich nichts mehr zu essen abbekommen! Jeder wurde gleich geliebt und gleich behandelt, deshalb gab es für mich keinen Sonderstatus.

Am 11. Spieltag der Saison 2003/04 machten Sie Ihr erstes Bundesligaspiel für Hannover 96. Doch schon zur Halbzeit wurden Sie ausgewechselt. Warum das?
Weil ich einfach kaputt war, hundemüde. Wegen der Personalnot musste ich rechter Verteidiger spielen, nicht gerade meine Traumposition. Ich weiß noch, wie ich auf dem Zahnfleisch in die Kabine gekrochen bin, die 500 Meter vom Platz entfernt war, weil in Köln gerade das Stadion umgebaut wurde.

Erst ein halbes Jahr später kamen Sie wieder zum Einsatz. Hatten Sie in der Zwischenzeit Angst, diese eine Halbzeit könnte schon alles gewesen sein?
Nein, ich war sogar ein bisschen froh, dass ich Zeit hatte, für die Schule zu lernen.

Wie wichtig ist heute für Ihr persönliches Wohlbefinden, erfolgreich zu sein?
Sehr wichtig! Ich stecke mir selbst hohe Ziele und bin enttäuscht, wenn ich sie nicht erreiche. Auch der Teamgeist ist von guten Ergebnissen abhängig, das Training macht einfach mehr Spaß, wenn es Früchte trägt.

Haben Sie nach einer Niederlage schon mal geweint?
Nach der Niederlage im WM-Halbfinale 2006 gegen Italien war ich jedenfalls kurz davor, in Tränen auszubrechen. Aber nicht nur wegen der Enttäuschung, sondern auch, weil in diesem Moment der irrsinnige Druck von mir abfiel, also aus purer Erleichterung.

Haben Sie »Deutschland. Ein Sommermärchen«, den Dokumentarfilm über das Turnier, seither noch mal gesehen?
Ja, ein paar Mal. Und jedes Mal bekomme ich wieder eine Gänsehaut. Stellen Sie sich das mal vor: Zwei Jahre zuvor war ich außer mir vor Vorfreude, weil ich als Fan ein Turnier im eigenen Land erleben würde. Und dann war ich plötzlich als Spieler mittendrin!

Sie haben schon das »Sommermärchen« mit Lukas Podolski erlebt, jetzt spielen Sie zusammen beim FC Arsenal. Sind Sie Freunde?
Wir sehen uns täglich beim Training, da müssen wir nicht noch gemeinsam um die Häuser ziehen. Aber wir reden natürlich viel über Fußball im Allgemeinen und die aktuelle Entwicklung der Mannschaften, in denen wir zusammen spielen.

Beneiden Sie ihn um seine Unbeschwertheit?
Neid wäre das falsche Wort, aber seine Art fasziniert mich schon. Er hat sie sich trotz all des Rummels, der um ihn gemacht wird, bis heute bewahrt. Und trotzdem hat er zugleich einen sagenhaften Reifeprozess durchlaufen. Wenn man an sein erstes Interview denkt, das er 2003 in Rostock gab …

… und bei dem er sagte: »Erst hat man einen Elfmeter, und dann kriegt man ein Gegentor. Das ist natürlich Scheiße, nä« …
… dann wird deutlich, welch einen Quantensprung er gemacht hat, allein rhetorisch.  

Gab es eigentlich ein Aufnahmeritual, als Sie im August 2011 zum FC Arsenal kamen?
Aber hallo! Ich musste mich auf einen Stuhl stellen und ein Lied singen. Ich wusste, dass das auf mich zukommt, und suchte mir deshalb eines aus, bei dem alle nach zehn Sekunden mitsingen und ich nicht allein auf meinem Stuhl stehe. Meine Wahl fiel auf »Hey, Baby!« von DJ Ötzi.

Nicht schön, aber zweckmäßig.

Ich griff mir ein Baguette als Mikrofon und los ging es. Die ersten Sekunden waren hart, aber beim Refrain hatte ich die Masse im Griff!

Wie viele Nazi-Witze mussten Sie sich schon anhören?
Keinen einzigen.

Vertragen Sie jetzt mehr Alkohol als vor Ihrem Wechsel?
Ich glaube nicht. Sind wir jetzt beim Klischee-Teil, oder was?

Genau. Ist der Fußball in England wirklich ehrlicher als anderswo?
Das war einmal. Der Fußball ist inzwischen doch so globalisiert, dass es kaum noch Unterschiede zwischen den Ligen gibt. Der einzige, der mir bislang aufgefallen ist: Hier gibt es mehr Riesen! Wenn ich allein an Christopher Samba von den Queens Park Rangers denke! Der ist so groß wie ich, aber 20 Kilo schwerer. Un-glaub-lich!  

Weiter mit den Klischees: Hier wird nicht gepfiffen.
Aber gebuht! Das können Sie glauben!

Und ein letztes: Arsène Wenger, Ihr Trainer beim FC Arsenal, ist ein unnahbarer Diktator.
Das kann ich überhaupt nicht bestätigen! Zu mir war er von Anfang an sehr freundlich und verbindlich.

Wenger ist seit 1996 im Amt, Thomas Schaaf beim SV Werder seit 1999. Wie ist es, mit Trainern zusammenzuarbeiten, die mit dem Verein beinah identisch sind?
Super, es sollte überall so sein. Allein weil ein Trainer, der eine Krise überstanden hat, viel besser weiß, wie er sich in der kommenden zu verhalten hat. Aber offenbar ist diese Kontinuität vielen zu langweilig. Wie gesagt: Sie wollen ihre Helden vom Sockel stoßen.

So wie nicht wenige Arsenal-Fans derzeit Wenger stürzen sehen wollen.
Ist das so? Wissen Sie, ich lese hier kaum noch Zeitungen. Am Anfang habe ich das noch getan, aber da steht mir einfach zu viel Quatsch drin. Wir trainieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da dringt gar nichts nach außen. Deshalb sehen sich diese sogenannten Journalisten offenbar gezwungen, Geschichten zu erfinden.

Eine Tatsache ist aber doch, dass der FC Arsenal sich zu Hause gegen den FC Bayern München blamiert hat und sogar gegen die Blackburn Rovers aus dem FA-Cup geflogen ist.
Klar, das schmerzt auch. Aber intern bleiben wir ganz ruhig und analysieren das.

Daraus scheint unter anderem gefolgt zu sein, dass Wenger 80 Millionen Euro für neue Spieler zur Verfügung stehen. Haben Sie Angst um Ihren Stammplatz?
Nein, ich spüre Wengers Vertrauen, selbst wenn es mal nicht so gut läuft. Nur das zählt.

Wie kam es denn, dass es vor allem am Anfang nicht so gut lief?
Die Umstellung war nicht leicht, ich bin ja während der laufenden Saison hierher gewechselt. Dann hat es seine Zeit gebraucht, mich an die Mitspieler, die Gegner, die Stadien und den englischen Fußball überhaupt zu gewöhnen. Es fällt einem nun mal nicht alles zu, manches muss man sich auch hart erarbeiten.

Waren Sie versucht, jemanden umzutreten, um den Fans zu beweisen, dass Sie ein echter Kerl sind?
Das wäre blinder Aktionismus. So eine One-Man-Show kann einem den billigen Applaus bringen, aber zwei Minuten später zum Gegentor führen.

Aber die Fans denken nicht fünf Spielzüge im Voraus, sie sehen nur: Der Mertesacker steht falsch.
Mag sein, aber soll ich deshalb nicht das objektiv Richtige tun?

Nach der Niederlage gegen die Bayern nannte die Boulevard-Zeitung »The Sun« Sie »Merte-Sucker«.
Ich verdiene als Profi gutes Geld, da gehört es dazu, dass ich solche Schmähungen stillschweigend ertrage.

Wäre es nicht schöner gewesen, vor vier, fünf Jahren beim FC Arsenal zu spielen, mit Männern wie Thierry Henry, William Gallas und Cesc Fabregas?
Moment mal, unser aktueller Kader ist ja kein Trümmerhaufen! Später kann ich vielleicht mal sagen: Ich habe mit Größen wie Jack Wilshere und Theo Walcott zusammen gespielt!

Aber es muss doch bitter sein, wenn jemand wie Robin van Persie den Verein verlässt.
Ohne Frage. Zudem ist er ja auch noch zu Manchester United gewechselt, einem unserer Hauptkonkurrenten. Da spielen jetzt die beiden Top-Torschützen der letzten Saison zusammen, Van Persie und Wayne Rooney. Aber dafür wird bei uns wieder jemand nachkommen, so wie es immer war. So ist Arsenal.

Aber wann mündet der ewige Prozess endlich mal wieder in einen Titel?
Ich weiß, dass Titel wichtig sind. Aber das verbietet einem doch nicht, auch mit einem vierten Platz zufrieden zu sein, gerade wenn man bedenkt, dass wir es mit Gegnern zu tun haben, die über ganz andere finanzielle Mittel verfügen, dem FC Chelsea etwa oder Manchester City.

Sie sind für die Mannschaftskasse zuständig. Wie viel ist denn da im Moment drin?
Das kann ich nicht sagen, sonst ruft morgen das Finanzamt an. Nur so viel: Ich habe alle fälligen Beträge eingetrieben. Das ist der Bankkaufmann in mir.

Was passiert nach dem Saisonende mit dem Erlös?
Es wird einen Umtrunk geben, vielleicht eine kleine Mannschaftsfahrt, den Rest werden wir an wohltätige Einrichtungen spenden.

Apropos Mannschaftsfahrt: Was machen Sie eigentlich im Sommer 2014?
Da habe ich eine Reise nach Brasilien geplant. Da soll ja eine WM sein, habe ich gehört.

Bei der EM 2012 saßen Sie nur auf der Bank. Wie war das?
Eine absolut andere Situation.

Eine Scheißsituation?
Nein. Im Nachhinein war ich sogar froh, das Ganze mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Das glauben wir Ihnen nicht.
Dann lassen Sie mich das präzisieren: Ich habe gelernt, wie auch ein Ergänzungsspieler der Mannschaft helfen kann, indem er die richtigen Impulse setzt. Und ich hatte dadurch nicht zuletzt den Vorteil, ausgeruht in die neue Saison mit Arsenal zu gehen.

Wie hat Joachim Löw Ihnen seine Entscheidung vermittelt?
Es gab kein Kamingespräch, bei dem er mich trösten musste. Er hat nur das gesagt, was ich selbst bereits wusste: Mir fehlte die Spielpraxis. Und da wir eine sehr hohe Leistungsdichte haben, hatte ich bereits geahnt, dass Mats Hummels den Vorzug erhalten würde. So ist es eben im Fußball: Man kann nicht immer nur an der Ananas lecken.

Was ging in Ihnen vor, als Hummels dann zu großer Form auflief?
Ich gucke nicht so sehr auf einzelne Spieler, entscheidend ist der Erfolg des Kollektivs, des gesamten Kaders. Der gegenseitige Respekt und das gemeinsame Ziel.

Sätze wie aus der DFB-Fibel. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.
Sie sind wahrscheinlich in den Achtzigern sozialisiert worden, als man beim Training noch den Kollegen umtrat, um sich den Stammplatz zu sichern. Das ist vorbei. Zum Glück.   

Beschäftigen Sie sich mit der U21?
Ich habe auf dem Schirm, wer da spielt.

Das sind die Jungs, die Sie eines Tages aufs Altenteil schicken werden.
Klar. Es ist wichtig, dass man das akzeptiert. Ich habe keine Lust auf unrühmliche Streitereien.

Sie meinen den verkorksten Abgang von Michael Ballack.
Wenn Sie das so verstehen wollen, bitte. Aber ich kann eigentlich nur für mich sprechen. Ich muss erkennen, wann meine Zeit vorbei ist – und dann Platz machen für die Jüngeren.

Tut Ihnen Ballack leid?
Leid tat mir, dass er wegen der Verletzung die WM verpasst hat.  

Im Nachhinein scheint es, als hätte sein Fehlen erst die Entwicklung von Bastian Schweinsteiger und vor allem Sami Khedira ermöglicht.
Kann sein. Kann aber auch sein, dass wir durch ihn und seine Kopfballstärke das Halbfinale gegen Spanien gewonnen hätten. Wer will das beurteilen?

Aus dem Kader von 2006 sind nun noch Sie, Schweinsteiger, Podolski, Lahm und Klose übrig. Braucht die »Generation Sommermärchen« noch einen Titel, um ihre Karriere zu vollenden?
Das würde das mediale Bild abrunden. Für mich persönlich sind Titel zwar erstrebenswert, aber ich weiß auch, dass sie nicht alles sind.

Haben Sie schon immer so gedacht?
Mit 18 wusste ich noch nicht einmal, dass ich Profi werde. Nun habe ich in den letzten zehn Jahren eine tolle Karriere hingelegt, da werfe ich mich doch nicht zu Boden und heule, weil in meiner Wohnzimmervitrine ein Pokal fehlt. Was natürlich nicht heißt, dass ich ihn ablehnen würde! Es motiviert mich aber nun mal viel mehr, ihn noch gewinnen zu wollen, als ihn schon gewonnen zu haben.

Sie klingen jetzt wie ein Motivationstrainer.
Auch das ist kein Job für mich!

Aber wohin mit der Motivation, wenn die Karriere vorbei ist?
Noch ist sie ja nicht vorbei. Glauben Sie mir: Ich will Titel gewinnen! Aber das ist nun mal nicht so leicht, wie manche sich das vorstellen.

Was würden Sie rückblickend anders machen?
Nicht viel.

Vielleicht Fernando Torres umnieten, bevor er im EM-Finale 2008 Lahm überläuft und das Siegtor schießt?
Nein, nein. Ich bereue vielmehr, dass ich nicht eher mal eine Waschmaschine bedient habe. Aber dazu habe ich ja nach meiner Karriere noch 50 Jahre Zeit.

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HINWEIS: Diese Interview erschien zuerst in unserer Ausgabe 11FREUNDE #137

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