Ganz anders scheint das beim damaligen Trainer Friedel Rausch gewesen zu sein. Den bezeichneten sie 1999 als einen »faselnden Blender«.Günther Koch: Korrekt, aber das war ja schon lange vor dem Saisonfinale. Ich war ja häufig beim Training und schon da konnte man erkennen: Irgendetwas stimmt hier nicht! Und dann lässt der als Krönung auch noch die Durchsagen der Ergebnisse verbieten. Das war nicht nur dämlich, das war dubios!
Was meinen Sie damit?Günther Koch: Mehr sage ich dazu nicht!
Durch das 1:2 gegen Freiburg stieg der Club 1999 ab – obwohl man vor dem Spieltag drei Punkte und fünf Tore vor Eintracht Frankfurt gestanden hatte. Wie ging es Ihnen, als die Spiele schließlich abgepfiffen worden waren?Günther Koch: Ganz schlecht. Ich bekam Anrufe von Kollegen, die mir Beileid wünschen wollten. Ich schaffte es sogar, dem WDR direkt nach dem Spiel noch ein kurzes Interview zu geben, dann durfte ich endlich aus dem Stadion und rein in meinen Mercedes. Erst dort fing ich an zu heulen. Auf der Tribüne wollte ich mir keine Blöße geben, schließlich hatte ich ein paar meiner Schülerinnen dabei, die sich das Spiel anschauen wollten
(Koch arbeitete zusätzlich als Realschullehrer, d. Red.) Ich war fix und fertig.
Konnte Ihre Frau Sie denn trösten?Günther Koch: Das ging leider nicht: Die war zu diesem Zeitpunkt mit Freunden im Urlaub in Rom. Und weil ich mir nach dem vorletzten Spieltag eigentlich sicher war, dass Nürnberg gar nicht mehr absteigen konnte, ließ ich sie fahren. Das war ganz furchtbar: Ich kam nach Hause und da war niemand. Später rief mich meine Frau an und fragte, ob sie nach Hause kommen solle. Sie hatte die Ergebnisse von einem Freund erfahren und wusste ja, wie es mir geht. Aber ich ließ ihr den Urlaub.
Das Spiel war am Samstag, am Montag danach war wieder Schule: Haben Sie sich krankgemeldet?Günther Koch: Nein, das habe ich nie gemacht! Aber meine Schüler mussten nach solch traurigen Ergebnissen für den Club immer damit rechnen, dass am nächsten Tag ein unangekündigter Vokabeltest auf dem Plan stand...
Sie sollen sogar monatelang nicht mehr ins Frankenstadion gegangen sein.Günther Koch: Das konnte ich nicht. Erst im Herbst 1999 habe ich es mal wieder gewagt, einmal war ich sogar zu einer Leichtathletikveranstaltung eingeladen, bin aber auf dem Weg zum Stadion umgekehrt. Die Zeit war dafür noch nicht reif. Und dass, obwohl ich nur fünf Minuten vom Stadion entfernt wohne. Wer schon einmal so für seinen Verein gelitten hat, der weiß, wovon ich spreche.
In diesem Jahr könnte Eintracht Frankfurt der große Verlierer der Saison werden. Zur Winterpause noch Siebter, steht die Mannschaft nun auf Platz 17. Wie ist den Frankfurtern noch zu helfen?Günther Koch: Die müssen jetzt irgendwie den Kopf frei von allen Sorgen bekommen, es schaffen, unbeschwert aufzuspielen. Dann könnte es klappen.
Ist dafür nicht Christoph Daum der richtige Mann?Günther Koch: Eigentlich schon. Aber ich meine zu behaupten, dass ich das auch könnte.
Was?Günther Koch: Die Frankfurter Spieler zu motivieren!
Günther Koch als Kabinenprediger? Bitteschön!
Herr Koch, gibt es eigentlich einen Ort, wo Sie sich mal entspannen können?Günther Koch: Die Natur. Die Natur ist der einzige Ort, wo ich mal ausspannen kann.
Seit 2006 sind Sie auch als Theaterschauspieler aktiv. Wie viel Ruhe gibt Ihnen die Bühne?Günther Koch: Nicht sehr viel. Das wäre auch der falsche Ort, um sich zu entspannen.
Wann findet das Abstiegsdrama von 1999 eigentlich den Weg auf die deutschen Theaterbühnen?Günther Koch: Dann, wenn ich es geschrieben habe.