Meier, Neuberger, Stein: Der Eintracht-Europa-Roundtable!

»Am liebsten alle erwürgt«

Für unsere aktuelle Ausgabe baten wir Alex Meier, Willi Neuberger und Erwin Stein zu einem Gespräch ins Eintracht-Frankfurt-Museum. Wenn jemand weiß, wie es sich anfühlt, die SGE in Europa zu vertreten, dann diese drei. Hier bekommt ihr einen ersten Vorgeschmack.

Vanja Vucovic
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144

Alex Meier, wie häufig werden Sie als heutiger Spieler mit der Europacup-Historie der Eintracht konfrontiert?
Alexander Meier: Gar nicht so oft. Die Verantwortlichen wissen, dass die Mannschaft in den vergangenen Jahren nicht die Möglichkeiten hatte, um an dieses Niveau heranzureichen. Deshalb wurde hier kaum über glorreiche Europacupzeiten gesprochen. Aber man spürt natürlich, dass das Umfeld insgeheim schon manchmal von Europa träumt.

Ist die große Vergangenheit des Clubs ein Thema in der Mannschaft?
Meier: Ganz ehrlich: Was früher war, spielt für mich keine große Rolle. Die Erfolge von Willi Neuberger und Erwin Stein liegen länger zurück, als ich auf der Welt bin. Und ich bin der Älteste in unserer Mannschaft.

Willi Neuberger, Ihre früheste Erinnerung an den Europapokal mit Eintracht?
Willi Neuberger: Das war lange vor meiner Zeit im Waldstadion. Mit 14 saß ich bei meinen Eltern zu Hause vorm Fernseher. Schwarz-Weiß und zehn Tore, viel mehr weiß ich nicht von dieser Partie.

Real Madrid besiegte im Landesmeisterpokalfinale 1960 Eintracht Frankfurt 7:3 - und Erwin Stein erzielte zwei Tore. Was war denn Ihre erste Erinnerung als aktiver Frakfurt-Spieler?
Neuberger: Die Eintracht war im Herbst 1974 gegen Dynamo Kiew aus dem Pokalsiegercup ausgeschieden, da las ich im "Kicker", dass der Club dringend neue Spieler sucht. Also bewarb ich mich - und wurde auf Geheiß des damaligen Managers und gegen den Willen des Trainers genommen.

Was läuft in der Vorbereitung auf ein Europacupspiel anders als sonst?
Stein: Als feststand, dass wir 1960 unsere Halbfinalspiele gegen die Glasgow Rangers bestreiten würden, organisierte Trainer Paul Oßwald ein paar Bälle, wie sie damals in Schottland verwendet wurden. Teuflische Teile waren das, relativ klein, wahnsinnig hart aufgepumpt und bei Regenwetter so schwer, dass man bei jedem Kopfball eine Gehirnerschütterung bekam.
Meier: Die Unterschiede bei den Bällen gibt es heute ja nicht mehr. Der Uefa-Ball ist nur unwesentlich anders als der in der Bundesliga. Aber wir haben ein paar Netze mit Bällen von der Uefa bekommen und vor Europacupspielen trainieren wir damit.

Gab und gibt es für Sie im Ausland spezielle Verhaltensregeln vom Verein?
Erwin Stein: Nein. So etwas brauchten wir nicht. Wir waren doch Eintracht Frankfurt, einer der größten Vereine Deutschlands! Wir hatten immer das Image des guten Gastes und dieses Image wollten wir nicht beschädigen.

Dennoch sagten Sie, Erwin Stein, es hätte Ihnen nach dem verlorenen Finale 1960 große Mühe gemacht, dem Befehl von Trainer Paul Oßwald zu folgen und für die siegreichen Spanier ein Spalier zu bilden.
Stein: Weil wir das aus Deutschland nicht kannten. Oßwald hatte sich das in Großbritannien abgeguckt, dort war das Tradition.
Meier: Und wie habt ihr reagiert, als der Trainer euch zum Spalier aufstellte?
Stein: Ich war stinkwütend. Die hatten uns gerade 3:7 verhauen und jetzt sollte ich den Spaniern gratulieren? In dem Moment hätte ich die am liebsten alle erwürgt!

In welche Länder reisten Sie am liebsten?
Neuberger: Mir waren die kurzen Wege am liebsten: Niederlande, Frankreich, England. Reisen hinter den »Eisernen Vorhang« fand ich anstrengend. Da gab es oft Stress bei der Ein- oder Ausreise. Wenn es in den Ostblock ging, haben unsere Offiziellen stets darauf geachtet, dass genug Wimpel und Anstecker im Reisegepäck waren. Damit ließ sich manch quälende Zollabfertigung abkürzen.



Welche Stadien waren die Sehnsuchtsorte Ihrer Generation?
Neuberger: Das Estadio Calderón von Atlético Madrid fand ich beeindruckend.
Stein: Ich werde nie vergessen, wie wir kurz vor einem Spiel gegen Feyenoord Rotterdam aus einem Fensterchen unserer Kabine ins Stadioninnere schauten und enttäuscht sahen, dass die Tribünen weitgehend leer waren. Eine Viertelstunde später liefen wir ein - und im Stadion war die Hölle los. Die hatten das schon damals so gut geplant, dass innerhalb von wenigen Minuten das Rund mit Zuschauern geflutet werden konnte.
Meier: Na ja, was soll ich sagen: Meine Hoffnung wäre, dass der FC Barcelona in der Champions League nach der Vorrunde ausscheidet und es sich auf diese Weise fügt, dass wir auf unserem Weg ins Finale im Camp Nou spielen. (lacht)

Wie verändern sich die Trainer, wenn Eintracht im Europacup antritt?
Meier: Armin Veh hat vor den Qualifikationsspielen für die Europa League gesagt, dass wir uns dafür belohnen sollen, was wir uns in der Bundesliga erarbeitet haben. Das gab uns eine gewisse Freiheit. Aber dass sich die Ansprachen großartig verändert haben, kann ich nicht behaupten.
Neuberger: War bei uns ähnlich: Friedel Rausch hat vielleicht ein bisschen lauter als Dietrich Weise gesprochen, aber das Wichtigste für beide war, dass wir das Erreichte nicht durch ein paar unkonzentrierte Auftritte leichtfertig aus der Hand gaben.
Stein: Europacup - das wurde aus meiner Sicht weniger durch die handelnden Personen als durch die besondere Atmosphäre im Stadion bestimmt. Ich denke da immer an die Abendspiele unter der Woche, an Flutlicht und leichten Nieselregen.
Meier: Ehrlich? Für mich geht nichts über ein Match an einem Samstagnachmittag. 15.30 Uhr im Sommer. Da kommt kein Flutlichtspiel der Welt ran.
Neuberger: Weißt du, wie wir Spieler wie dich früher nannten?
Meier: Na?
Neuberger: Schönwetterfußballer!

Worum beneiden Sie die beiden Veteranen, Alex Meier?
Stein: Bestimmt um unser Geld! (lacht)
Meier: Was habt ihr denn verdient?
Neuberger: Für meinen Uefa-Cup-Sieg 1980 bekam ich 16.000 Mark Prämie.
Meier: Dafür konntet ihr im Prinzip machen, was ihr wolltet. Es gab keine Handys, kein Internet. Wenn ihr mal in die Disco gegangen seid, hat es keinen interessiert. Über mich würde aktuell am nächsten Tag in etwa in der Zeitung stehen: »Verletzter Meier: Sauftour statt Reha!«

Willi Neuberger, Sie wissen es als einziger in der Runde: Wie feiert man als Eintracht-Spieler einen Europapokalsieg?
Neuberger: Nicht anders als einen Sieg gegen Bayern München. Mit einem großen Essen im Hotel um die Ecke.

Mehr nicht?
Neuberger: Na gut, ein bis zum Rand mit Äppelwoi oder Champagner gefüllter Uefa-Cup macht so einen Abend schon außergewöhnlich.
Stein: Der Alex kommt ja aus Hamburg, deswegen an dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Äppelwoi entfaltet seinen Geschmack meist erst nach dem dritten Glas!
Meier: Aber ich trinke doch gar nicht!
Stein: Dann solltest du nach dem Titelgewinn lieber die Finger vom Pokal lassen.

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Die ungekürzte Fassung dieses Interview lest ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE!

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