07.11.2013

Meier, Neuberger, Stein: Der Eintracht-Europa-Roundtable!

»Am liebsten alle erwürgt«

Für unsere aktuelle Ausgabe baten wir Alex Meier, Willi Neuberger und Erwin Stein zu einem Gespräch ins Eintracht-Frankfurt-Museum. Wenn jemand weiß, wie es sich anfühlt, die SGE in Europa zu vertreten, dann diese drei. Hier bekommt ihr einen ersten Vorgeschmack.

Interview: Tim Jürgens und Alex Raack Bild: Vanja Vucovic

Alex Meier, wie häufig werden Sie als heutiger Spieler mit der Europacup-Historie der Eintracht konfrontiert?
Alexander Meier: Gar nicht so oft. Die Verantwortlichen wissen, dass die Mannschaft in den vergangenen Jahren nicht die Möglichkeiten hatte, um an dieses Niveau heranzureichen. Deshalb wurde hier kaum über glorreiche Europacupzeiten gesprochen. Aber man spürt natürlich, dass das Umfeld insgeheim schon manchmal von Europa träumt.

Ist die große Vergangenheit des Clubs ein Thema in der Mannschaft?
Meier: Ganz ehrlich: Was früher war, spielt für mich keine große Rolle. Die Erfolge von Willi Neuberger und Erwin Stein liegen länger zurück, als ich auf der Welt bin. Und ich bin der Älteste in unserer Mannschaft.

Willi Neuberger, Ihre früheste Erinnerung an den Europapokal mit Eintracht?
Willi Neuberger: Das war lange vor meiner Zeit im Waldstadion. Mit 14 saß ich bei meinen Eltern zu Hause vorm Fernseher. Schwarz-Weiß und zehn Tore, viel mehr weiß ich nicht von dieser Partie.

Real Madrid besiegte im Landesmeisterpokalfinale 1960 Eintracht Frankfurt 7:3 - und Erwin Stein erzielte zwei Tore. Was war denn Ihre erste Erinnerung als aktiver Frakfurt-Spieler?
Neuberger: Die Eintracht war im Herbst 1974 gegen Dynamo Kiew aus dem Pokalsiegercup ausgeschieden, da las ich im "Kicker", dass der Club dringend neue Spieler sucht. Also bewarb ich mich - und wurde auf Geheiß des damaligen Managers und gegen den Willen des Trainers genommen.

Was läuft in der Vorbereitung auf ein Europacupspiel anders als sonst?
Stein: Als feststand, dass wir 1960 unsere Halbfinalspiele gegen die Glasgow Rangers bestreiten würden, organisierte Trainer Paul Oßwald ein paar Bälle, wie sie damals in Schottland verwendet wurden. Teuflische Teile waren das, relativ klein, wahnsinnig hart aufgepumpt und bei Regenwetter so schwer, dass man bei jedem Kopfball eine Gehirnerschütterung bekam.
Meier: Die Unterschiede bei den Bällen gibt es heute ja nicht mehr. Der Uefa-Ball ist nur unwesentlich anders als der in der Bundesliga. Aber wir haben ein paar Netze mit Bällen von der Uefa bekommen und vor Europacupspielen trainieren wir damit.

Gab und gibt es für Sie im Ausland spezielle Verhaltensregeln vom Verein?
Erwin Stein: Nein. So etwas brauchten wir nicht. Wir waren doch Eintracht Frankfurt, einer der größten Vereine Deutschlands! Wir hatten immer das Image des guten Gastes und dieses Image wollten wir nicht beschädigen.

Dennoch sagten Sie, Erwin Stein, es hätte Ihnen nach dem verlorenen Finale 1960 große Mühe gemacht, dem Befehl von Trainer Paul Oßwald zu folgen und für die siegreichen Spanier ein Spalier zu bilden.
Stein: Weil wir das aus Deutschland nicht kannten. Oßwald hatte sich das in Großbritannien abgeguckt, dort war das Tradition.
Meier: Und wie habt ihr reagiert, als der Trainer euch zum Spalier aufstellte?
Stein: Ich war stinkwütend. Die hatten uns gerade 3:7 verhauen und jetzt sollte ich den Spaniern gratulieren? In dem Moment hätte ich die am liebsten alle erwürgt!

In welche Länder reisten Sie am liebsten?
Neuberger: Mir waren die kurzen Wege am liebsten: Niederlande, Frankreich, England. Reisen hinter den »Eisernen Vorhang« fand ich anstrengend. Da gab es oft Stress bei der Ein- oder Ausreise. Wenn es in den Ostblock ging, haben unsere Offiziellen stets darauf geachtet, dass genug Wimpel und Anstecker im Reisegepäck waren. Damit ließ sich manch quälende Zollabfertigung abkürzen.

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