14.09.2011

Mehmet Scholl über sein Plattenlabel Millaphon

»Olli Kahn sagte: Behalt Deinen Scheiß!«

Ex-Bayern-Star Mehmet Scholl sagt Lady Gaga den Kampf an und hat sein eigenes Plattenlabel gegründet. Sein hehres Ziel: Musikerziehung ohne Zwänge. Stefan Effenberg und Olli Kahn gehören eher nicht zur Zielgruppe.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Promo/Millaphon
Mehmet Scholl, der letzte Ex-Fußballer, der eine Plattenfirma gegründet hat, war Thomas Häßler.

Mehmt Scholl: Ich fand die Idee damals gar nicht so schlecht. Melodic Rock ist mir tausendmal lieber, als wenn jemand Lady Gaga hört.



Sie sind bereits ARD-Fußballexperte, Radio-DJ bei Bayern 2, machen gerade den DFB-Trainerschein – warum jetzt auch noch ein Plattenlabel?

Mehmt Scholl: Wir haben Millaphon Records extra in Zeiten gegründet, in denen das sonst keiner macht und die Musikindustrie jammert. Unser Ziel ist: Wir wollen es anders machen als die großen Labels. Zur unserem ersten Konzert in die Münchner Freiheizhalle kamen 1200 Leute. Wir behalten aber alle drei unsere normalen Berufe und erwarten auch nicht, damit reich zu werden.

Wer sind Ihre beiden Kompagnons?

Mehmt Scholl: Gerd Baumann ist als Komponist unser oberster Fachmann und Till Hoffmann fungiert als unser Gehirn, der alles koordiniert und organisiert. Und ich brauche lediglich meinen Musikgeschmack einbringen. Ich bin ja noch jung in diesem Geschäft.

Wann haben Sie Ihren Musikgeschmack entwickelt?

Mehmt Scholl: Ich war während meiner Profizeit ernsthaft verärgert über die Radiosender und wusste einfach nicht, wo ich gute Musik herbekommen kann. Ich konnte meiner Begeisterung erst freien Lauf lassen, als ich Ende der neunziger Jahre entdeckt habe, welche Medien meinen Geschmack repräsentieren.

Sie haben während Ihrer Karriere als Bayern-Spieler eher Musikmagazine gelesen als die Pflichtlektüre aus Nürnberg?

Mehmt Scholl: Ja, der »Musikexpress« wurde zu meinem Leib- und Magenblatt. Zwischen dem »Kicker« und mir hat es nicht so hundertprozentig gepasst.

Olli Schulz: »Ich bin genauso wie der HSV« >>

Haben Sie eigentlich »High Fidelity« von Nick Hornby gelesen?

Mehmt Scholl: Ich habe den Film gesehen und wirklich geliebt. Durch Nick Hornby bin ein Stück weiter in die Musik eingetaucht. Und das Beste war: Durch den Film-Soundtrack habe ich die fantastische Beta Band für mich entdeckt.

Haben Sie sich selbst entdeckt in dem Film?

Mehmt Scholl: Ganz so verloren wie John Cusack war ich auch wieder nicht in dieser Lebensphase. Und auch nicht ganz so enttäuscht von den Frauen.

Kennen Sie solche kleinen Plattenläden wie in »High Fidelity«?

Mehmt Scholl: Ja, aber mir fehlt die Zeit, dort hin zu gehen. Ich besorge mir die Musik anders. Ich bin ja immer viel am Flughafen. Dort stöbere ich dann bei iTunes und entdecke Sachen wie Locas in Love. Für mich eine der besten deutschen Indie-Scheiben der letzten Zeit.

Wo genau haben Sie Locas in Love entdeckt?

Mehmt Scholl: Im Wartebereich des Franz-Josef-Strauss-Flughafens in München. Ich habe mir die Platte sofort heruntergeladen, auf dem Flug gehört, bin ausgestiegen und war einfach nur glücklich, obwohl ich in Köln gelandet bin.

Inzwischen legen Sie jeden ersten Freitag im Monat im Bayerischen Rundfunk auf, immer kurz vor Mitternacht. Was passiert in Ihrer Sendung?

Mehmt Scholl: Ich darf meine Lieblingsmusik spielen. Ein paar Tage vorher stelle ich immer die Playlist zusammen. Die verändert sich dann aber im Laufe der Woche immer wieder, das ist ein ständiger Prozess. Worauf ich echt stolz bin: Ich musste die Sendung noch nicht einmal absagen in den vergangenen drei Jahren.

Was ist Ihre Motivation?

Mehmt Scholl: Wenn man heute zum 150. Mal Lady Gaga hört, weiß man gar nicht mehr, wo man hinschalten soll. Ich würde mir wünschen, dass viele Sender etwas mehr Mut hätten. Ich kenne genügend Leute, die einen Kanal sieben Tage lang mit Musik füllen könnten. Und viele Hörer würden sagen: »Hey, was ist denn das Großartiges?«

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden