Maxim Choupo-Mouting über Faxgeräte, Tuchel und Eto'o

»Ich brauche klare Ansagen«

Die noch junge Karriere des Neu-Mainzers Maxim Choupo-Moting ist durchaus bewegt. Als Riesentalent beim HSV gestartet, stockte seine Karriere wegen eines defekten Faxgerätes. Ein Gespräch über kaputte Technik, Thomas Tuchel und Samuel Eto'o.

Maxim Choupo-Moting, hat Ihr Faxgerät eigentlich einen Ehrenplatz in Ihrer Wohnung?
Maxim Choupo-Mouting: Nein. Ehrlich gesagt habe ich auch gar keins.


Dann ist die Geschichte, dass Ihr Wechsel nach Köln in der letzten Rückrunde an einem technischen Defekt Ihres Faxgerätes scheiterte, also ein Märchen?
Maxim Choupo-Moting: Nein, das stimmt in gewisser Weise schon. Wir haben bis in die letzten Minuten mit dem HSV und dem 1. FC Köln verhandelt. Ich war bereit für ein Ausleihgeschäft nach Köln, weil ich wusste, dass der HSV mir keine reelle Chance mehr geben würde. 

Wie konnte sich der Wechsel überhaupt so dramatisch zuspitzen?
Maxim Choupo-Moting: Die Transferperiode zieht sich über mehrere Wochen hin. Warum die beiden Vereine dann bis in die letzte Sekunde verhandeln müssen, weiß ich nicht. Fakt ist, dass der HSV dem Wechsel erst sehr spät zugestimmt hat. Alle wussten, dass es sehr knapp wird. Natürlich wollte ich mir meinen Vertrag noch genau durchlesen, schließlich ging es da um meine sportliche Zukunft. So etwas entscheidet man nun mal nicht in 30 Minuten. Ich bin generell kein Freund von hektischen Entscheidungen. Das alles führte dazu, dass ich nicht in Köln gelandet bin. Heute kann ich über die ganze Sache schmunzeln.

Mussten Sie sich denn wenigstens ein paar Sprüche von den neuen Kollegen anhören?
Maxim Choupo-Moting: Natürlich gab es da den ein oder anderen Kommentar, das gehört unter Fußballern doch dazu. Aber ich habe mit viel mehr Sprüchen gerechnet. Ich habe das alles sehr schnell mit Humor genommen, was blieb mir auch anderes übrig?

Heute können Sie glücklich sein, dass ihr Wechsel nicht geklappt hat. Während in Köln und Hamburg der Baum brennt, hat sich Mainz in der Rückrunde stabilisiert.
Maxim Choupo-Moting: Der Fußball produziert ständig kuriose Geschichten und die Leute lachen darüber. Nun bin ich Teil von so einer Geschichte, damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber ja, nach meiner schwierigen Schlussphase beim HSV bin ich in Mainz nun wirklich sehr glücklich.

2007 rückten Sie erstmals in den Profikader des HSV, wurden im gleichen Jahr vom DFB zum Nachwuchsspieler der Saison gewählt. Ihr erstes Tor für den HSV schossen Sie gegen Juventus Turin. Plötzlich waren Sie in aller Munde. Ging der Aufstieg vielleicht ein bisschen zu schnell?
Maxim Choupo-Moting: Das war eine super Jahr. In der Nationalmannschaft habe ich unter Horst Hrubesch sehr viel gelernt, Huub Stevens hat mich zum Profi gemacht. In so einer Situation denkt man nicht darüber nach, ob der Sprung nach oben eventuell zu schnell geht. Aber ich hatte nicht das Gefühl. In meinem zweiten Jahr hatte ich dann vor allem Pech, ich war insgesamt elf Monate verletzt.

Stevens, Veh, Labbadia, Oenning, Hecking, Tuchel: Sie haben im Laufe der Jahre viele Trainertypen erlebt. Gibt es einen Typus, der besonders gut zum Spieler Maxim Choupo-Moting passt?
Maxim Choupo-Moting: Das ist immer schwierig zu sagen, weil die eigene Leistung nicht immer nur vom Trainer abhängt. Aber ich habe gemerkt, dass mir die Art Trainer gut tut, die klare Ansagen macht. Ich brauche Kritik und kann gut damit umgehen, wenn ich im Gegenzug auch Wertschätzung erfahre.


Ihr jetziger Trainer Thomas Tuchel hat einmal sagte: »Maxim ist zu fein für einen Stürmer!« Hat er Ihnen gezeigt, wie man eine Sau wird?
Maxim Choupo-Moting: Thomas Tuchel fordert immer sehr viel von mir. Das ist gut für meine Entwicklung, weil er im Grunde nie so richtig zufrieden ist. Mit dieser Aussage hat er vor allem mein Auftreten gemeint. Aber ich bin nun mal ein ruhiger Typ, der nicht groß auf dem Platz rumschreit. Ich glaube außerdem nicht, dass er eine Sau als Spieler haben will, sondern vielmehr an meine Mitreißer-Qualitäten appelliert hat. Ich möchte ja auch mehr Verantwortung übernehmen und da kann mir Thomas Tuchel sehr viel beibringen.

Nach einer miserablen Hinrunde hat sich Mainz 05 mittlerweile gefangen. Wie erklären Sie sich diesen Leistungssprung?
Maxim Choupo-Moting: Das frühe Aus in der Europa-League-Qualifikation hat uns natürlich sehr zugesetzt. Außerdem waren sehr viele neue Spieler in der Mannschaft. So etwas muss sich erst einmal finden und dauert eben seine Zeit. Wir sind mittlerweile auf einem ganz guten Weg. Dennoch ist die Entwicklung der Mannschaft noch nicht abgeschlossen. Wir haben natürlich noch Luft nach oben.

Wie wichtig war die Verpflichtung von Mohamed Zidan in diesem Zusammenhang?
Maxim Choupo-Moting: Mo ist ein Riesentyp mit einer wahnsinnigen Erfahrung. Er steht sehr gerne im Mittelpunkt und zieht dadurch natürlich viel Aufmerksamkeit von der Mannschaft. Das hilft uns insgesamt, ruhiger zu arbeiten. Über seine sportlichen Qualitäten brauchen wir nicht sprechen. Er ist in jedem Fall eine Bereicherung. 

In der Nationalmannschaft von Kamerun spielen Sie mit Superstar Samuel Eto'o. Was können Sie von Ihm lernen?
Maxim Choupo-Moting: Neben Samuel Eto'o zu spielen, ist einfach nur eine Ehre. Er ist der Megastar des afrikanischen Fußballs und doch ein ganz normaler Typ. Jeder Mensch weiß, wer er ist und trotzdem geht er damit total locker um. Ich habe eine WM gespielt, mit Hamburg im Europacup, aber das, was ich jedes Mal erlebe, wenn wir in Kamerun spielen, ist einfach der Wahnsinn. Für die Menschen dort ist Fußball alles und das weiß auch Samuel Eto'o.  

Er kommt also nicht mit dem Helikopter zum Trainingsspiel geflogen?
Maxim Choupo-Moting: Das hat er doch gar nicht nötig. Ihm könnten diese Testspiele der Nationalmannschaft im Grunde egal sein, aber trotzdem hängt er sich immer voll rein, redet viel mit jungen Spielern und ist eigentlich für alle da. Einmal hat er gesagt: »Ich habe zwar die Champions League gewonnen und bei vielen großen Vereinen gespielt, aber für Kamerun aufzulaufen, bedeutet mir alles.«

2010 waren Sie bereits bei der Weltmeisterschaft dabei, für den Afrika-Cup 2012 hat sich Kamerun nicht qualifiziert. Ist die große Zeit der unzähmbaren Löwen vorbei?
Maxim Choupo-Moting: Mein Vertrag in Mainz geht bis 2014, im Anschluss kommt die WM 2014 in Brasilien. Diesen Traum möchte ich mir auf jeden Fall erfüllen.

Dann erwarten wir aber ein Grußfax in die 11FREUNDE-Redaktion.
Maxim Choupo-Moting: Kein Problem, vielleicht schicke ich dann auch eine Postkarte. (lacht)

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