Max Kruse über Favre, Streich und seinen Tarnfarben-Maserati

»Gegen Bayern rechnen wir uns was aus«

Max Kruse verstärkt Borussia Mönchengladbach als frischgebackener Nationalspieler. Im Trainingslager der Fohlen spricht die neue Nummer zehn über seinen Wechsel an den Niederrhein, seine Trainer, seine Zukunft und die Schlagzeilen um seinen Tarnfarben-Maserati.

Max Kruse, in dieser Saison ist der Wechsel von Freiburg nach Gladbach ein sportlicher Rückschritt. Im Breisgau wird Europa League gespielt.
Als ich mich entschieden habe, waren beide Vereine sportlich auf Augenhöhe. Auch Gladbach hatte noch die Chance auf Europa.

Ärgern Sie sich jetzt, dass Sie nicht international spielen?
Für mich war entscheidend, welche Mannschaft in den nächsten Jahren konstant auf diesem Level spielen kann. Bei Freiburg hatten wir ein überragendes Jahr, keine Frage. Aber für den Sportclub wird es schwierig, diese Saison zu bestätigen - alleine schon wegen der vielen Abgänge. Insgesamt sind die Mittel in Gladbach andere als in Freiburg. Ich möchte konstant auf hohem Niveau spielen.

Auch andere Vereine wollten Sie verpflichten. Was war ausschlaggebend für die Borussia?
Ich habe mich relativ früh in der vergangenen Saison für Gladbach entschieden, weil ich glaube, dass hier in den kommenden Jahren etwas entstehen kann. Wir wollen uns konstant im oberen Tabellendrittel festsetzen und nächstes Jahr wieder international spielen. Das Konzept hat mich überzeugt und zu guter Letzt natürlich auch Trainer Lucien Favre . Er ist ein bisschen vergleichbar mit Christian Streich vom SC Freiburg.

Was haben Favre und Streich gemeinsam, wo sind sie unterschiedlich?
Beide legen ähnliches Temperament an den Tag. Sowohl beim Training, als auch an der Seitenlinie bei einem Spiel. Beide gehen sehr ins Detail, was die taktische Marschrichtung angeht - es wird viel zehn gegen null gespielt und wirklich auf die letzten Meter und den Abstand zwischen den Spielern geachtet. Natürlich hat jeder Trainer sein eigenen Stil.

Welche taktische Marchrichtung hat Trainer Favre für den Spieler Kruse?
Für den Trainer ist es wichtig, dass man als Spieler sehr flexibel und auf mehreren Positionen einsetzbar ist. Er möchte mich besser machen und ich will, dass er mir in meiner Entwicklung hilft. In der Vorbereitungszeit wird er eine Idee bekommen, wo er mich einsetzt. Wir haben viele offensive Spieler; der Trainer muss entscheiden, wen er im ersten Spiel aufbietet.

Was bekommt Gladbach für einen Menschen – fernab des Fußballs?
Ich sitze nicht nur zu Hause rum, sondern unternehme gerne was. Ich habe immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und bin für jeden Spaß zu haben. Aber ich brauche auch meine Zeit für mich, in der ich mich ein bisschen zurückziehen kann.

Sie klingen bescheiden, machten aber schon auch kuriose Schlagzeilen, unter anderem bei Youtube als MC Max.
Es sind ein paar Sachen in der Öffentlichkeit falsch aufgenommen worden. Nach der Geschichte mit dem Rap-Video wurde ich beispielsweise sofort in eine Schublade gesteckt. Das ist aber nicht meine Sache.

Und die Geschichte mit dem Camouflage-Maserati?
Auch das war in den Medien ein großes Thema. Aber nur dort. Jedem der ein Auto fährt, ist es doch selbst überlassen, wie das aussieht. Als Fußballer steht man zwar in der Öffentlichkeit, aber es wird doch nicht über jedes Tarnfarbenauto diskutiert. Mir gefällt es einfach.

Klingt, als würde Sie das nicht beschäftigen.
Ich lebe sportlich in den Tag hinein und will nicht viel nachdenken und versuche, solche Dinge auszublenden. Mich interessiert nicht, was letztes Jahr passiert ist. Es gilt jetzt, wieder neu anzugreifen in einem neuen Verein - von der Vergangenheit, dem sehr guten letzten Jahr oder den zwei Länderspielen kann ich mir nichts kaufen. Die Karten werden neu gemischt und deshalb bringt es nichts, zurück zu gucken. Das ist in den meisten Fällen vorteilhaft.

Deshalb haben Sie es geschafft, mit dem Auf und Ab in Ihrer Karriere umzugehen.
Im Fußball gibt es immer Höhen und Tiefen und ich bin wohl ein Paradebeispiel dafür. In Bremen kam ich nur selten auf meine Einsätze, mit St. Pauli sind wir direkt aufgestiegen. Es ging hin und her. Ich habe in der Zeit gelernt, mit Rückschlägen umzugehen und im Erfolg nicht große Fehler zu machen. Wichtig ist es, bodenständig zu bleiben. Als Mensch habe ich mich aber nicht verändert.

Welche Menschen haben Ihnen den in den schwierigen Phasen geholfen?
Mein Vater und meine Mutter spielen eine sehr große Rolle, aber auch mein Berater Jürgen Milewski. Er begleitet mich, seitdem ich bei Werder Bremen Profi geworden bin und wir haben ein sehr offenes Verhältnis. Es gibt natürlich viele Stimmen in meinem Umfeld, die sagen, »mach' dies anders, mach' jenes anders« – im Endeffekt entscheide ich immer noch selbst und gebe nicht viel auf die Meinung - nur auf die der wichtigen Leute in meinem Leben.

Was haben Sie vergangene Saison im Vergleich zu den Jahren davor anders gemacht?
Eigentlich nichts. Das klingt vielleicht komisch, ist aber so. Für mich war es immer wichtig, Konstanz in meine Leistung zu bringen. Das ist mir über viele Jahre nicht geglückt. Ich hatte viele Jahre, in denen ich eine gute Halbserie gespielt habe. Bei Freiburg war ich erstmals über eine komplette Spielzeit konstant. Das möchte ich nun bei Gladbach in einer der besten Ligen der Welt bestätigen.

Wurde Ihr Talent schlicht zu spät erkannt?
Zum Fußball gehört einfach auch Glück dazu. Für mich war es Glück, dass ich die Chance in Freiburg bekommen habe und dort mit der Mannschaft eine sehr gute Saison gespielt habe. Es hätte doch auch anders laufen können: 34 Spieltage gegen den Abstieg - wie es viele vorhergesagt haben. Dann säß ich jetzt wahrscheinlich nicht hier und hätte wahrscheinlich auch keine Länderspiele gemacht. Fußball ist ein Tagesgeschäft und man muss sich jeden Tag neu beweisen. Ich freue mich natürlich auch, dass ich in meiner Annahme bestätigt wurde, dass ich auch ein bisschen Potenzial habe.

Mit dem Potenzial beleben Sie nun die Konkurrenz in Gladbachs Offensive. Hoffen Sie auf einen Bonus als Nationalspieler?
Dann würde ich mir in meinen Aussagen widersprechen (lacht). Es geht von null los. Gladbach war schon in der vergangenen Saison offensiv schon sehr gut besetzt. Jetzt sind Raffael und ich dazugekommen und wir wollen alle auf unsere Einsätze kommen. Es wird ein sehr offener und starker Konkurrenzkampf.

Luuk den Jong, Raffael, Branimir Hrgota, Peniel Mlapa, Amin Younes, Patrick Herrmann, Sie - es wird so genannte Härtefälle geben.
Jeder Spieler weiß, dass man nur als Mannschaft Erfolg haben kann, deshalb wird das von allen gut aufgenommen und hat positive Auswirkungen. Wir leben auch vom Teamgeist.

Sie haben die Rückennummer Zehn bekommen. Ein Statement?
Es ist einfach meine Lieblingsnummer und bei keinem Verein hatte es geklappt, sie zu tragen.

Mal ganz hoch gegriffen: Sie sind auch nach Gladbach gekommen, um Titel zu gewinnen?
Jeder Fußballer hat seine Wünsche im Leben. So wie es aber nichts bringt, in der Vergangenheit zu leben, sollte man auch nicht seinen Träumen hinterherrennen. Ich möchte von Saison zu Saison denken und leben nicht schon fünf Jahre voraus.

Aber vielleicht einem Jahr? 2014 steht eine Weltmeisterschaft auf dem Programm. Über Borussia nach Brasilien?
Die Saison ist noch nicht mal gestartet, es stehen noch viele Spiele mit Borussia an und ebenso müssen noch viele Länderspiele ausgetragen werden vorher. Jeder Fußballer träumt davon, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein. Aber für mich ist das noch sehr weit weg. Wir haben noch zehn spannende Monate vor uns, bevor das Turnier in Brasilien beginnt.

Wie hat Sie Bundestrainer Joachim Löw nach der USA-Reise verabschiedet?
Er hat mir zwischen den Spielen schon gesagt, dass er mit meiner Leistung zufrieden ist. Ich bin froh, dass ich die Erfahrung bei der Nationalmannschaft machen durfte und muss meine Leistung nun aufs Neue bestätigen.

Trotzdem genießen Sie große Vorschusslorbeeren bei den Fohlen-Fans?
Ich weiß nicht, inwieweit sich die Fans schon in der Vergangenheit mit mir beschäftigt haben. Aber es zeigt, dass sie meine Leistung bei Freiburg honorieren und das freut mich. Die Fans haben jetzt eine bestimmte Erwartungshaltung mir gegenüber. Druck mache ich mir deshalb aber nicht.

Haben Sie Druck gegen des Aufnahmeritual für neue Spieler bei Borussia Mönchengladbach? Sie müssen singen.
Wenn dem so ist, werde ich mir schon ein witziges Lied raussuchen. Vielleicht »Viva Colonia«. Aber eigentlich ist der Text zu schwierig. Nein, nein, das war nur ein Spaß (lacht).

Sie waren lange Schiedsrichter in den unteren Ligen bis 2006 und Ihrer Zeit bei Werder.  Verstehen sie die Bundesliga-Schiedsrichter deshalb besser?
Eher weniger, weil ich das Regelwerk ja deshalb auch ganz gut kenne (lacht). In einigen Situationen hätte ich als Schiedsrichter bestimmt anders reagiert. Aber der Druck in der Bundesliga ist für die Schiedsrichter enorm hoch und nicht vergleichbar mit den Ligen, in denen ich gepfiffen habe. Als Spieler regt man sich gerne auf, aber unter dem Strich machen die Schiedsrichter einen guten Job.

Gehen Sie zu den Schiris und sagen: »Pass auf, das war eine Fehlentscheidung«?
Es ist umgekehrt: Die meisten Schiedsrichter wissen, dass ich mal ihren Job gemacht habe und erinnern mich daran, dass ich es doch eigentlich besser wissen müsste.

Wer den Saisonauftakt pfeift, ist noch nicht klar. Sicher ist aber, dass Gladbach bei Triple-Sieger Bayern München antreten muss.
Es ist ein Klassiker zwischen zwei Traditionsvereinen. Und es ist das Saison-Eröffnungsspiel . Das macht die Sache sehr interessant, aber nicht leichter. Bayern München will im ersten Saisonspiel unter Pep Guardiola erfolgreich starten – aber wir haben in München in den vergangenen Jahren immer ganz gut ausgesehen. Wir rechnen und schon etwas aus.

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