Max Eberl und Rainer Bonhof im Interview

»Eigengewächse zu halten, ist eine Pflicht«

Manager Max Eberl und Vizepräsident Rainer Bonhof sind Symbolfiguren des Aufschwungs bei Borussia Mönchengladbach. Mit ihnen hat der Klub sein Fahrstuhlimage abgelegt, die besten Spieler aber wird die Borussia auch weiterhin verkaufen müssen.

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Rainer Bonhof, Max Eberl, Sie eint, dass Sie als Aktive beide nicht als Filigrantechniker bekannt waren.
Rainer Bonhof: Aber ich habe erheblich mehr Tore gemacht als der Max.

In 205 Erst- und Zweitligaspielen haben Sie, Max Eberl, keinen einzigen Treffer erzielt. Selbst beim Stande von 3:0 gegen den Chemnitzer FC scheiterten Sie kurz vor Abpfiff beim Elfmeter.
Max Eberl: Daran hatte allerdings der damalige Borussia-Trainer Hans Meyer gewichtigen Anteil. Es war das letzte Spiel der Saison 2000/01, wir waren aufgestiegen, ein herrlicher Sonnentag, Jubelstimmung. Als wir in der Schlussphase den Elfer bekamen, skandierte das ganze Stadion meinen Namen. Aber Hans glaubte fälschlicherweise, dass Arie van Lent noch Torschützenkönig werden könne, er wollte mich zurückhalten und schrie die ganze Zeit, während ich von unserem Sechzehner zum gegnerischen Elfmeterpunkt lief. Mit diesem unmenschlichen Druck konnte ich nicht umgehen.

Haben Sie als Funktionär mehr Killerinstinkt als auf dem Rasen?
Eberl: Ich hatte als Fußballer vielleicht keinen Killerinstinkt, dafür aber eine aggressive, jähzornige Ader. Den Jähzorn habe ich inzwischen abgelegt, aber eine gewisse Hartnäckigkeit habe ich mir erhalten.

Hans Meyer nannte Sie den »Vorzeige­indianer vom Niederrhein«.
Eberl: Hans ist der Überzeugung, dass man allein mit Häuptlingen kein Fußballspiel gewinnt. Ich war immer ein einsatzfreudiger Spieler, der dort war, wo es brannte, aber ich war von meinen spielerischen Qualitäten eben kein Häuptling.

Als Sportdirektor kommen Sie mit der Rolle als Häuptling aber ganz gut zurecht.
Eberl: Ich sehe mich auch in der Funktion nicht als der mit dem riesigen Federschmuck, sondern als einer, der in einer Schar von Indianern das letzte Wort hat.

Rainer Bonhof, Sie waren es, der Max Eberl 1999 als Spieler zur Borussia holte.
Bonhof: Ich kannte den Max schon viel länger. Er spielte in der U20-Nationalelf, mit der wir uns 1992 für die WM in Australien qualifizierten.

Sie hatten ihn seit damals auf dem Zettel?
Bonhof: Als ich 1998 die Borussia als Trainer übernahm, brauchte ich einen Spieler, der hinten aufräumt und mit seinem Einsatzwillen, dieser Allzeit-bereit-Mentalität, die Mannschaft und das Publikum in dieser schwierigen Zeit mitreißt. Und da es nicht zwingend notwendig war, dass er als Außenverteidiger auch Tore macht, habe ich ihn mit Kusshand genommen.

Nur fünf Monate nach Ihrer Ankunft erlebten Sie den ersten Gladbacher Bundesligaabstieg in der Vereinsgeschichte.
Eberl: Schon in den ersten Tagen merkte ich, dass hier vieles im Argen lag. Rainer opferte sich als Trainer auf, die Sache wieder in die Bahn zu bringen. Aber ansonsten lief es sehr chaotisch ab.

Bonhof: Ich hatte für das Traineramt bei Borussia meinen Job beim DFB aufgegeben. Aber als ich ins operative Geschäft eingestiegen war, dachte ich nur: »Halleluja«. Die finanziellen Schwierigkeiten waren so eklatant, dass wir im Winter mit einem Bus zum Spiel fuhren, bei dem im hinteren Bereich die Heizung kaputt war. Der Klub hatte kein Geld, den Schaden zu beheben, also habe ich die Reparatur aus eigener Tasche bezahlt. Die Situation eskalierte, als uns Material im medizinischen Bereich fehlte, weil wir nicht mal das mehr finanzieren konnten.
Eberl: Die Herren, die im Winter 1998/99 meinen Vertrag unterschrieben hatten, waren drei Wochen nach meiner Ankunft allesamt weg. Ich habe deshalb auf der Geschäftsstelle nachgefragt, ob mein Vertrag überhaupt noch gültig sei.

Sie äußerten schon 1991, dass Sie sich nach der Laufbahn eine Tätigkeit im Management vorstellen könnten.
Eberl: Komischerweise habe ich mich nie groß für den Trainerberuf interessiert. Womöglich lag es daran, dass ich in 13 Jahren beim FC Bayern mitbekommen habe, wie Uli Hoeneß aus einem Ascheplatz das Trainingszentrum an der Säbener Straße aufbaute. Strukturelles Denken fasziniert mich.

Hofften Sie, dass bei einem Chaosklub wie Borussia ein Posten abfallen könnte?
Eberl: Als ich mit 31 Jahren meine Laufbahn beendete, spielte ich sportlich nicht mehr erste Geige, hätte aber in der zweiten Liga durchaus noch ein paar Jahre kicken können. Doch ich wollte bei einem großen Verein aufhören. Deswegen war es keine Frage, was ich tue, als Christian Hochstätter mir anbot, das Nachwuchszentrum zu übernehmen. Ich hatte das Prinzip der Holländer vor Augen: Die Manager und Trainer vom PSV oder Ajax haben alle in der Jugendarbeit angefangen.

Bonhof: Max hatte auf diese Weise einen wichtigen strategischen Vorteil, als er vier Jahre später zum Sportdirektor aufstieg.

Inwiefern?
Bonhof: Er hat im Nachwuchsbereich dieses Klubs gelernt und dabei mitbekommen, welche Fehler seine Vorgänger machten und wie man sie vermeidet. Das sorgt dafür, dass ihm heute kaum noch Fehler unterlaufen.

Welche Fehler macht er denn noch?
Eberl: Rainer, du Sack, warum lässt du hier Raum für Spekulationen? (Lacht.)

Bonhof: Naja, im Bereich »Laugenbrezel« kannst du nur schwer widerstehen. Im Ernst, ich habe als Vizepräsident nur wenige Wochen nach seiner Berufung zum Manager angefangen. Und wir verfolgten von Anfang an eine gemeinsame Linie. Uns war allen klar, dass wir die Jugend stärker einbinden wollen und dass wir jede Verpflichtung genau abwägen. Wir haben im Präsidium immer noch mal drübergeguckt, so dass seitdem fast jeder Transfer gegriffen hat.

Es heißt, Sie besäßen über jeden potentiellen Transfer ein detailliertes Dossier.
Eberl: Da steht vieles drin, angefangen bei den sportlichen Stärken und Schwächen, bis hin zu Auffälligkeiten wie zum Beispiel Fahrzeugkontrollen, Schlägereien oder Alkoholexzessen.

Wie kommen Sie an solche Informationen?
Eberl: Das macht unser Internetscout, im Netz kriegt man inzwischen auch ohne NSA viel über einen Menschen raus. Diese Dossiers bringen natürlich nicht die absolute Sicherheit, ob ein Spieler charakterlich zu uns passt, aber zumindest eine 80-prozentige.

Wie muss man sich die Diskussionen im Präsidium vorstellen?
Eberl: Wir haben wöchentlich eine Sitzung. So sind alle Entscheider ständig auf dem Laufenden. Das halte ich auch für wichtig, würden wir uns nur alle vier Wochen treffen, kann es nach drei Niederlagen sonst schnell mal in eine Krisensitzung umschlagen. So aber führen wir viele gute, auch kontroverse Gespräche, in denen das Präsidium fragt: »Herr Eberl, haben Sie auch dies und jenes bedacht.« Aber ich bin sehr froh, dass mit Rainer Bonhof und Hans Meyer dort geballte sportliche Kompetenz sitzt.

Auf der einen Seite der fragile Lucien Favre, auf der anderen der streitbare Hans Meyer, dazwischen moderieren Eberl und Bonhof – und schweigend dahinter die anderen Präsidiumsmitglieder?
Bonhof: Nein, da wird Plus und Minus abgewogen, alle bringen sich ein. Wenn 90 Prozent für einen Transfer stimmen, gibt’s keine weiteren Fragen, liegen wir drunter, muss ausführlicher gesprochen werden.

Eberl: Lucien und ich tragen einen Transfer ja erst an das Präsidium heran, wenn wir überzeugt sind. Aber natürlich kann es vorkommen, dass einer wie Hans Meyer kritische Fragen stellt. Es ist ja der Sinn unserer Treffen, dass wir noch mal eine Außensicht bekommen. Und wenn wir diese Fragen nicht beantworten könnten, würde das bedeuten, dass wir schlecht vorbereitet wären.
Sie haben erlebt, dass die Borussia um die Jahrtausendwende fast pleite war. Wie schwer fällt es, für einen Spieler wie Luuk de Jong vor der Saison 2012/13 insgesamt 12 Millionen Euro locker zu machen?
Eberl: Wenn wir uns ein umfassendes Bild von einem Spieler gemacht haben, bin ich auch bereit, so eine Entscheidung zu fällen. Denn nach einer langen Phase der Konsolidierung sind wir heute in der angenehmen Situation, die kompletten Transfererlöse in die Entwicklung der Mannschaft stecken zu können. Dank einer fantastischen Arbeit des Klubs in finanzieller Hinsicht.

Wie sehr erschüttert es die Borussia dann, wenn der Rekordtransfer De Jong den Erwartungen nicht gerecht wird?
Eberl: Hätten wir die Verpflichtung auf Pump gemacht, hätte es uns fundamental erschüttert. Keine Frage. Wir haben aber nur das investiert, was uns zur Verfügung stand, deshalb ist es zu verkraften, auch wenn ich zugebe, dass es nicht unbedingt schön war. Aber es gibt auch Soft Facts bei diesem Transfer.

Das heißt?
Eberl: Luuk de Jong war ein Profi, den viele Klubs holen wollten, aber er hat sich für uns entschieden. Das war ein Entwicklungsschritt. Und er hat mit seinen Spielen und Toren dazu beigetragen, dass wir Achter geworden sind. Wären wir Zwölfter geworden, wären Raffael und Max Kruse mit Sicherheit nicht zu uns gewechselt. Eigentlich hatten wir die Idee, dass die Drei gemeinsam spielen sollten, aber es entwickelte sich so, dass nur Raffael und Kruse harmonierten.

Mussten Sie sich viele dumme Sprüche wegen des De-Jong-Transfers anhören?
Eberl: Wenn ein Spieler, der so teuer war, wenig Einsatzzeiten bekommt, ist es logisch, dass da mal ein Kommentar kommt. Aber noch mal: Wir haben es auch wegen dieses Spielers geschafft, Borussia Mönchengladbach zu stabilisieren.

Auch eine Sicht auf die Dinge …
Eberl: Es geht uns nicht zwingend ums internationale Geschäft, es geht darum, hier langfristig etwas zu entwickeln. Die Saison 2012/13 war eine vorentscheidende Spielzeit für den weiteren Weg von Borussia. Der achte Rang ist in jeder Hinsicht ein Schritt in die richtige Richtung.

Bonhof: Entscheidend ist, dass wir uns einstellig in der Tabelle wiederfinden. Wenn wir stabil aufgestellt sind, wird uns der Weg mittelfristig dann auch nach Europa führen.

Klingt nach viel Realitätssinn. In welchen Punkten ähneln sich der Manager Max Eberl und sein legendärer Vorgänger Helmut Grashoff?
Bonhof: Kann man nicht vergleichen. Grashoff hat den Etat noch als Torte auf ein Stück Papier gekritzelt. Die größeren Stücke waren Günter Netzer oder Hacki Wimmer, und irgendwo ganz klein kam dann auch der kleine Onkel Bonhof. Da habe ich gesagt: »Herr Grashoff, nehmen Sie dem Netzer doch ein bisschen was weg.« Das wollte er aber nicht, also blieb alles beim Alten. Diese Strukturen haben sich völlig verändert. Grashoff hat mit vier Mann die Geschäftsstelle geschmissen, heute haben wir hier 100 Angestellte. Aber beide, Max und der Grashoff, wussten und wissen, dass man diesen Klub mit viel Fingerspitzengefühl und wirtschaftlichem Verstand entwickeln muss.

Hätten Sie sich in den Siebzigern vorstellen können, dass die sportliche Führung der Borussia einst von einem Schweizer und einem Niederbayern gestellt würde?
Bonhof: Helmut Grashoff war Hanseat. Den Einfluss von außerhalb gab es also auch damals schon. Und nun muss ich feststellen, dass sogar aus dem Süden Impulse kommen können, die der Borussia sehr gut tun.

Hängt es Ihnen nicht zum Hals raus, immer noch an den glorreichen Siebzigern gemessen zu werden?
Eberl: Wegen der »Fohlenelf« wird dieser Klub stets eine Ausnahmestellung haben. Die Geschichte von Gladbach ist einzigartig, aber sie war durch die Misserfolge der letzten Jahre auch etwas angestaubt. Wir versuchen nun, diese Idee in die Gegenwart zu übersetzen. Borussia wurde mit vielen Eigengewächsen aus der Region groß, heute versuchen wir uns einen Stellenwert mit Eigengewächsen zu erarbeiten, die wir aus Frankfurt, aus Aalen oder aus München holen. Wir müssen eine neue Story schreiben, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.

Und? Gelingt es Ihnen?
Eberl: Bei vielen alteingesessenen Fans hat meines Erachtens ein Umdenken eingesetzt, als wir im Frühling 2011 in der Relegation spielten und parallel die Übernahme­ambitionen der selbsternannten »Initiative Borussia« den Klub erschütterten. Da wurde vielen klar, dass man nicht mehr in der Vergangenheit verharren darf.

Damals versuchte eine Gruppe um Stefan Effenberg und Horst Köppel, die Vereinsführung zu stürzen. Was wäre passiert, wenn die »Initiative Borussia« zu jener Zeit tatsächlich die Macht übernommen hätte?
Bonhof: Die hätten den Verein aufgeteilt und Anteile an Investoren verkauft, was aus meiner Sicht einem Todesurteil gleichgekommen wäre. Zum Glück ist es uns damals gelungen, den Druck von der Mannschaft wegzuhalten, die Klasse zu halten und die Vereinsmitglieder von unserem Weg zu überzeugen.

Eberl: Mich hat damals fasziniert, wie sehr sich die Mitglieder mit dem Klub identifizierten. Die Menschen sind nicht blindlings großen Namen gefolgt, sondern haben sich beide Konzepte angehört und sich letztlich für unseren Weg entschieden. Die offene Diskussion mit Argumenten bei der Mitgliederversammlung mit fast 7000 Anwesenden empfand ich als ein heftiges Gewitter, es schlug uns ordentlich um die Ohren – aber am Ende hatte es etwas Reinigendes.

Erst die Rettung in der Relegation, dann nur drei Tage später der Umsturzversuch der »Initiative Borussia«. Wie kommen Sie mit solchen Stressmomenten zurecht?
Eberl: Bei Spielen bin ich generell ganz froh, auf der Bank zu sitzen. Auf der Tribüne würde ich während des Spiels garantiert in einer Tour gegnerische Aufsichtsräte beleidigen. Beim Spiel muss ich meine Emotionen ausleben, aber in den politischen Fragen kann ich mich auch zurückhalten. Zumal die Entscheidung, welcher Führung das Vertrauen geschenkt wird, damals in der Hand der Mitglieder lag.

Gab es in dieser Phase dennoch Momente der Ohnmacht?
Eberl: Meine Familie war ein wichtiger Rückhalt. Hätte es Anfeindungen gegen meinen Sohn in der Schule oder gegen meine Frau gegeben, wäre mein Auftrag hier erledigt gewesen. Es gab eine Situation, als Medien meine Frau mitverantwortlich für das sportliche Dilemma machten, weil sie mutmaßten, sie habe mich genötigt, Michael Frontzeck als Trainer einzustellen, weil sie gut mit Michaels Frau befreundet ist. Dagegen sind wir juristisch vorgegangen und hatten am nächsten Tag eine unterschriebene Unterlassungserklärung. Aber an der Stelle, das gebe ich zu, spürte ich auch einige Momente lang Ohnmacht.
Lucien Favre sagt, es brauche noch ein paar Jahre und gute Einkäufe, bis Mönchengladbach wieder auf Augenhöhe mit dem FC Bayern spielt. Was meinen Sie?
Eberl: Stand heute können wir sagen, dass Bayern München nicht nur uns, sondern vielen Vereinen weltweit enteilt ist. Der Klub macht seit 30 Jahren erfolgreiche Arbeit, das können wir selbst mit ausschließlich richtigen Entscheidungen nicht binnen kurzer Zeit aufholen. Gladbach hat in den vergangenen Jahren 55 Millionen Euro für Transfers ausgegeben, der FC Bayern im gleichen Zeitraum 296 Millionen Euro. Und über Gehalt will ich gar nicht reden. Das heißt nicht, dass es für alle Zeiten unmöglich ist, die Bayern einzuholen. Aber kurzfristig und vor allem nachhaltig wird es nicht klappen.

Schmerzt Sie als echtes »Fohlen« so eine Aussage, Rainer Bonhof?
Bonhof: Nein, das müssen wir akzeptieren. Und wir reden nicht nur über eine Dominanz der Bayern in Deutschland, gegenwärtig können die Jungs jedes Team der Welt schlagen.

Ihr Fernziel kann langfristig also maximal Platz 2 oder 3 in der Tabelle sein?
Eberl: Sagen wir so: Unser Ziel könnte es irgendwann sein, die Bayern so zu ärgern, wie es der BVB zuletzt gemacht hat. Wir sind auf einem guten Weg, vor zwei Jahren haben wir beide Ligaspiele gewonnen und sind im DFB-Pokal erst im Elfmeterschießen gegen die Münchner ausgeschieden.

Bonhof: Nadelstiche setzen, immer wieder kleine Nadelstiche setzen …

Marc André ter Stegen ist von klein auf bei Borussia. Wäre es nicht wichtig, diesen Spieler als Symbol für die neue Ära des Klubs zu halten?
Bonhof: Glauben Sie mir, wir haben alles versucht, aber wenn ein Klub wie der FC Barcelona kommt, sind unsere Einflussmöglichkeiten begrenzt.

Eberl: Eigengewächse zu halten, ist geradezu eine Pflicht, wenn es um die DNA eines Klubs geht. Aber außer Bayern München, dem FC Barcelona, Manchester United und Real Madrid gibt es auf der Welt kaum noch Vereine, die das können. Der BVB konnte Mario Götze nicht halten und Schalke 04 nicht Manuel Neuer.

Sie leben inzwischen ganz gut davon, Spieler billig einzukaufen, zu entwickeln und teuer abzustoßen. Marcell Jansen ging für 10,8 Millionen Euro nach München, Marco Reus für 17,5 Millionen Euro nach Dortmund, Marco Marin für 8,2 Millionen Euro nach Bremen.
Eberl: Ich werde auch niemandem vorheucheln, dass wir alle großen Spieler halten können. Da bin ich Realist. Es hilft nichts, zu sagen: »Wir armen Gladbacher!« Wenn so ein Angebot wie jetzt für ter Stegen kommt, muss ich zusehen, den höchstmöglichen Betrag für ihn rauszuschlagen. Und anschließend heißt es: »Brust raus und ab auf die Suche nach einem adäquaten Ersatz.«

Allerdings lässt sich mit Geld nicht jeder Abgang kompensieren, wie man am Beispiel von Luuk de Jong sieht.
Eberl: Als wir 2012 Dante, Roman Neustädter und Marco Reus verkauften, haben viele darüber geredet, dass wir nun 30 Millionen Euro zum Investieren hätten. Aber niemand hat dabei berücksichtigt, dass wir Spieler im Wert von 50 Millionen Euro verloren haben. Am Ende der Saison standen zwei von denen im Champions-League-Finale. Aber ganz ehrlich: Sollte der große FC Barcelona unseren 21-jährigen Torwart als Nummer eins verpflichten, dann empfinde ich bei aller Wehmut auch ein gehöriges Stück Stolz. Früher gingen unsere Spieler zu Werder Bremen, zu Hannover 96 oder zum VfB Stuttgart, also zu Klubs, die mit uns auf Augenhöhe spielten. Heute wechseln sie zu Champions-League-Finalisten.

Das heißt, Sie sind mit 17,5 Millionen Euro für ter Stegen zufrieden?
Eberl: Zu der Zahl sage ich nichts. Sie müssen bei so einer Vereinbarung auch den Zeitpunkt berücksichtigen, an dem sie fixiert wird. Den Vertrag mit Marco Reus habe ich verlängert, als wir Tabellenletzter waren. Einen Vertrag, der sonst ohne Ablöse ausgelaufen wäre. Wir haben damals eine Ausstiegsoption reinschreiben lassen, bei der alle sagten: »Der Eberl hat sie nicht alle! Gladbach steigt ab, wer soll da 17 Millionen Euro für Reus bezahlen?« Aber was glauben Sie, was ich für Beschimpfungen per Mail erhielt, als wir Reus nach Dortmund ziehen lassen mussten. Dabei hatten wir dafür gesorgt, dass wir den bis dato höchsten Transfererlös unserer Geschichte erzielten.

Der Druck des Fußballgeschäfts kommt bei Ihnen also mitunter auch per Mail an.
Eberl: Entziehen kann ich mich dem jedenfalls nicht. Ich bin auch schon auf offener Straße so angesprochen worden, dass es unter die Gürtellinie ging.

Meine Herren, der letzte Titel liegt 2015 bereits 20 Jahre zurück. Wann kann sich Borussia endlich wieder etwas in den üppigen Briefkopf schreiben?
Eberl: Der DFB-Pokal scheint mir von allen Titeln gegenwärtig am ehesten erreichbar. Die Meisterschaft, das gebe ich zu, ist noch weit weg.

Wann also wird die Borussia wieder in altem Glanz erstrahlen?
Eberl: Das kann niemand sagen, aber schauen Sie sich die Entwicklung von Marc André ter Stegen an. Er steht exemplarisch dafür, was ein Nachwuchsspieler hier erreichen kann. Natürlich ist es schade, wenn so ein Spieler geht, aber er verbessert auf diese Weise auch unsere Verhandlungsmöglichkeiten, wenn wir uns um Talente bemühen, an denen auch Bayern, Werder oder der BVB dran sind.

Bonhof: Als Max hier vor zehn Jahren im Nachwuchsbereich anfing, hatten wir einen einzigen Jugendnationalspieler, heute haben wir 18. Das beweist, wie interessant wir im europäischen Vergleich für junge Spieler geworden sind. Zumindest an dieser Stelle knüpfen wir an eine Philosophie an, der einst der Mythos von der »Fohlenelf«
entsprang.

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