Maurizio Gaudino über Stuttgart, Frankfurt und Labbadia

»Ein Trainer muss sich auch mal Luft machen«

Maurizio Gaudino spielte für den VfB Stuttgart und für Eintracht Frankfurt. Vor dem Aufeinandertreffen seiner beiden Ex-Klubs sprachen wir mit ihm über Frankfurter Transferpolitik, Labbadias Wutrede und die Kraft der zwei Herzen.

Maurizio Gaudino, mit dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt treffen zwei Vereine aufeinander, für die Sie lange gespielt haben. Für wen schlägt heute Ihr Herz?
Das ist schwierig zu sagen. Ich wohne in der Nähe von Stuttgart und habe auch durch meine Beratertätigkeit für Cristian Molinaro immer noch einen Bezug zum Verein. Aber in Frankfurt habe ich auch eine wirklich schöne Zeit gehabt. Ich war erst letztens wieder im Stadion, die Fans dort sind überragend. Kurzum: Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust.
 
Beide Teams sind sehr unterschiedlich gestartet. Kann man nach den ersten acht Spieltagen schon eine Zwischenbilanz ziehen?
Frankfurt hat direkt zu Saisonbeginn einen großartigen Lauf hingelegt. Für einen Aufsteiger ist das nicht nur punktemäßig sondern auch spielerisch sensationell. Stuttgart hat hingegen einige Probleme gehabt, zum Glück aber letzte Woche in Hamburg gewonnen. Der Kader ist zwar dünn, insgesamt aber besser als der Tabellenstand aussagt.
 
VfB-Trainer Labbadia hat sich kürzlich über das Verhalten der Fans und der Medien beschwert. Er sagte etwa: »Die Trainer in der Bundesliga sind nicht die Mülleimer von allen Menschen hier.« Können Sie seine Kritik nachvollziehen?
Ein solcher Ausbruch birgt immer ein gewisses Risiko. Natürlich ist es wichtig, dass sich ein Trainer mal Luft macht. Vielleicht hat seine Wutrede auch Wirkung gezeigt, immerhin spielte die Mannschaft gegen den HSV ähnlich aggressiv und mutig wie ihr Trainer zuvor aufgetreten war. Hätte der VfB das Spiel aber verloren, wäre ihm die Rede um die Ohren gehauen worden. Wahrscheinlich sind ihm in den letzten Wochen und Monaten einige Dinge sauer aufgestoßen, die er ansprechen wollte. Letztlich ist er der Trainer und hat die Verantwortung.
 
Was halten Sie von der Frankfurter Transferpolitik?
Die Situation ist in Frankfurt momentan eine ganz andere als in Stuttgart. Die Neuzugänge sind sensationell integriert worden. Das ist die Handschrift von Armin Veh. Insgesamt ist es eine tolle Arbeit von Trainerteam und Management, die die passenden Spieler verpflichtet haben.
 
Bei der Art wie die Eintracht gerade Fußball spielt: Geht Ihnen da als Teil des legendären Fußball-2000-Teams der Eintracht nicht das Herz auf?
Natürlich. Ich habe die Mannschaft in Hoffenheim gesehen, da hätte sie eigentlich zurückliegen müssen. Doch plötzlich drehten die Spieler auf, so dass man dachte, sie würden schon Jahre zusammenspielen. Die haben füreinander gekämpft.
 
Sind die bisherigen Ergebnisse also nur das Ergebnis von Kampf?
Nein. Die Eintracht hat momentan einige gute Fußballer, die immer wieder für Überraschungsmomente sorgen können, Die meisten Siege waren sehr souverän. Auch Armin Veh als Trainer macht das richtig gut. Nach der unnötigen Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach gewann die Eintracht gegen Hannover 96, eine sehr unangenehm zu spielende Mannschaft. Das zeigt, dass das Frankfurter Team intakt ist. Zur Zeit macht es großen Spaß, der Eintracht zuzuschauen und ich hoffe, dass sie so lange wie möglich oben dabei bleibt.
 
Haben Sie einen Lieblingsspieler im Team der Eintracht?
Da haben sich viele in den Vordergrund gespielt, es wäre aber unfair, einen Einzelnen hervorzuheben. Das Lob gebührt der ganzen Mannschaft. Die Jungs merken, dass sie erfolgreich sind, wenn sie zusammen auf dem Platz stehen und füreinander Gas geben.
 
Was ist Ihr Tipp für das Spiel am Sonntag?
Schwierig. Beide Teams haben die letzten Ligaspiele gewonnen. Frankfurt wird ein unbequemer Gegner sein und es kommt ein wenig darauf an, wie der VfB nach der Belastung in der Europa League aus den Startlöchern kommt. Aber ich denke trotzdem, dass Stuttgart nach dem Sieg beim HSV gute Chancen hat, das Spiel für sich zu entscheiden.

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