Maurizio Gaudino im Interview

»Mein Look gefiel nicht jedem«

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Spieler, Sportdirektor und jetzt Berater – Maurizio Gaudino, ganz ehrlich: Welcher Job macht Ihnen am meisten Spaß?

Natürlich hatte ich als Spieler eine tolle Zeit. Sowohl in Deutschland aber auch im Ausland. Als Sportdirektor konnte ich wertvolle Erfahrungen im Clubmanagement sammeln, und bei meinem jetzigen Job kann ich mein Wissen an unsere jungen Spieler weitergeben. Eine reizvolle Aufgabe, bei der die Unterstützung der jungen Leute im Vordergrund steht.

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Erläutern Sie uns doch bitte die jeweiligen Unterschiede

(lächelt) Als Spieler stehst du auf dem Platz, als Sportdirektor auf der Tribüne, und als Berater bist du überall.

Ihre Beraterfirma vertritt u.a. Mario Gomez, Tobias Weis oder Serdar Tasci – wahre Juwelen auf dem Markt. Wie viel Aufmerksamkeit müssen Sie diesen Menschen als Spielerberater widmen?

Man muss den Spielern nicht nur die Aufmerksamkeit schenken, sondern Ihnen vor allem die Dinge, die sich außerhalb des Fußballplatzes abspielen, abnehmen. Kurz gesagt, wir wollen die Jungs nicht nur in sportlichen, sondern auch in  privaten Angelegenheiten ganzheitlich betreuen und unterstützen.

Sind junge, noch relativ unbekannte Fußballer vielleicht noch intensiver zu betreuen?

Selbstverständlich gilt es, besonders die jungen Spieler intensiver zu betreuen. Sie stehen noch am Anfang ihrer Karriere. Auf dem Weg zum Bundesligaprofi kann ich Ihnen viele Erfahrungen und Eindrücke weitergeben. Wichtig für mich sind persönlicher Kontakt und Respekt als Basis einer vertrauenswürdigen Arbeitsweise.

Der Beruf des Spielerberaters wird in der breiten Öffentlichkeit eher negativ wahrgenommen. Woher kann dieses Image möglicherweise rühren, bzw. welche Wahrnehmung wünschen Sie sich persönlich in Ihrer Rolle als Berater in der Öffentlichkeit?

Dazu kann ich nichts sagen. Ich persönlich habe nicht das Gefühl eines Negativimages. Mein Job bereitet mir sehr viel Spaß, es ist ein tolles Gefühl, die Jungs auf dem Weg vom Nachwuchskicker zum Bundesligaspieler zu begleiten. Gelingt dann der Sprung in die Nationalmannschaft, ist das auch eine Bestätigung für die erfolgreiche Arbeit des Beraters. 

Ein Vorurteil über Berater lautet: Sie sondieren ständig den Markt, um den Spieler bei einem noch besseren, noch größeren Verein unterzubringen. Besteht darin Ihre Hauptaufgabe?

Die Hauptaufgabe besteht darin, den Spieler in der sportlichen Entwicklung voranzutreiben. Dass dies manchmal mit einem Vereinswechsel zusammenhängt, ist im Fußballbusiness völlig normal. Für einen Spieler kann das eine Chance und Herausforderung sein, sich in einem neuen Club durchzusetzen. Wichtig ist, dass man gerade als junges Talent konstant seine Einsatzzeit bekommt und spielt.

Mit Jupp Heynckes haben Sie seinerzeit in Frankfurt die Erfahrung machen müssen, wie schnell das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler Spieler sich ändern kann. Wenn einem Mario Gomez morgen das Gleiche passiert – wie würden, wie müssten Sie reagieren?


Ich beschäftige mich nicht mit dem wenn, würde oder müsste. Fakt ist, Mario hat ein gutes Verhältnis zum Trainer, er ist ein anerkannter Spieler beim VfB Stuttgart und trifft regelmäßig. 

Gomez, Weis, Tasci oder auch Andreas Beck sind zwar noch keine fertigen Spieler, haben den Sprung in den Profi-Bereich aber längst geschafft. Sie waren Absolvent der bekannten Waldhof-Schule. Wie sehr profitieren Sie von dieser Zeit, wenn Sie sich Gedanken um die Zukunft Ihrer jungen Talente machen müssen?

Die Zeit als Jugendspieler prägt einen natürlich enorm. Hier legt man den Grundstein für die spätere Karriere und lernt sich auch gegen die Älteren durchzusetzen. Das ist ja auch unser Ansatz, nämlich das Talent des Spielers früh zu erkennen und Ihm auf dem Weg zum Profi gezielt zu fördern. In dieser wichtigen Phase ist es für einen Spieler von großer Bedeutung, dass er sich nur auf das Sportliche konzentriert. 

Wie wurden Sie Ende der 80er-Jahre als junger talentierter Spieler mit exotischem Look in der Bundesliga aufgenommen?

(lacht) Ich habe für meinen Look damals viel Anerkennung geerntet, aber nicht jedem hat es gefallen.

Sie haben damals mit Bernd Klotz, Roland Dickgießer und anderen zusammengespielt. Gibt es eigentlich noch die klassischen Leitwölfe im Team, die sich um die jungen Spieler kümmern?


Es gibt in jeder Mannschaft Spieler, die als Leitwölfe den Ton angeben und auf dem Platz das Sagen haben. Das sind heute wie damals die Älteren und Erfahrenen im Team. Gerade für die jungen Spieler wichtig, dass sie von den Erfahrenen geführt werden und sich das eine oder andere abschauen.

Profis der Gegenwart gelten als Musterprofis. Kann sich ein Spieler heute einen Gang zu ins Fast-Food-Restaurant oder ein paar Biere nach dem Schlusspfiff einfach nicht mehr erlauben?


Die Spieler von heute stehen natürlich ständig im Fokus der Öffentlichkeit. Sie haben Vorbildfunktion für unsere Jugend. Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Als Profisportler gehört es einfach dazu, auch mal abzuschalten und einen vernünftigen Ausgleich zum täglichen Sport zu suchen. Das darf man nicht ganz so verbissen sehen, solange die Leistung auf dem Platz stimmt.

Eine fachfremde Frage zum Schluss. Während der Recherche für dieses Interview ist mir erstmals das Video vom Spiel der Traditionsmannschaften Deutschland – England aufgefallen. Was haben Sie Boris Johnson, dem Bürgermeister von London, angetan, dass er Sie über den Haufen rannte?

(lacht) Ich glaube, der Bürgermeister hatte Rugby mit Fußball verwechselt.




Dürfen Sie jetzt in London wenigstens umsonst U-Bahn fahren?

Klar! Auf Lebenszeit!

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