15.08.2008

Matthias Sammer im Interview

»Ich war nur ein Lehrling«

Ein Gespräch mit dem früheren Trainer und heutigen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der im neuen Amt die Trainerausbildung anspruchsvoller gestaltet hat und dafür wirbt, dem Trainerposten mehr Wertschätzung zu schenken.

Interview: Christof Kneer Bild: Imago
Matthias Sammer im Interview
Herr Sammer, ein Blick auf die aktuellen Bundesliga-Trainerbänke müsste Sie glücklich machen, oder?

So eine interessante Trainerkonstellation hat es wirklich lange nicht mehr gegeben. Es gibt jüngere Trainer wie Labbadia, Frontzeck, Klopp oder auch Klinsmann, es gibt die Rückkehrer Daum und Rangnick, und es gibt die Etablierten wie Magath, Veh oder Schaaf, deren Qualitäten jeder kennt. Wenn das eine Mannschaft wäre, könnte man sagen: Die Mischung zwischen jung und alt stimmt. Und besonders spannend finde ich, dass wir neben zwölf Deutschen auch die Holländer Jol, Rutten und Luhukay haben, die Schweizer Favre und Koller und den Slowenen Prasnikar.



Was sagt Ihnen das?

Die Öffnung hin zu den kleineren Ländern wie Holland oder der Schweiz ist sicher ein Fortschritt. Das sind Länder, in denen es viel weniger Fußballer gibt als bei uns und die deshalb immer Wert darauf legen mussten, ihre Spieler zu entwickeln. Das geht nur über Trainerarbeit, und deshalb ist die Trainerfigur in diesen Ländern immer sehr wichtig gewesen. Man muss doch mal klar sagen, dass das kleine Holland viel mehr Fußballer in europäischen Topklubs hat als das große Deutschland. Das muss konzeptionelle Gründe haben! Das muss an den Trainern liegen! Wenn wir also sagen, dass wir hierzulande die Individualisierung des Trainings vorantreiben wollen, dann können wir von solchen Einflüssen nur profitieren. Aber Sie haben mich gefragt, ob mich die Entwicklung glücklich macht: Glücklich macht sie mich erst, wenn Konstanz eintritt.

Sie meinen, wenn Trainer nicht mehr entlassen werden?

Wir werden's nicht schaffen, dass nie mehr Trainer entlassen werden, aber ich denke schon, dass man hierzulande zwei Dinge noch besser begreifen muss: Erstens, dass der Trainer der Schlüssel zum Gelingen ist ...

... eine noch recht neue Erkenntnis in Deutschland, wo lange Zeit nur die Spieler verherrlicht wurden ...

... ja, und das führt direkt zum zweiten Punkt: Der Stellenwert des Trainers muss sich verbessern. Natürlich muss der Trainer auch Toparbeit nach dem neuesten Entwicklungsstand abliefern, aber wenn er das tut, dann muss sich sein Stellenwert auch viel stärker in Konstanz ausdrücken. Sie können schauen, wohin Sie wollen: Wer mittel- oder langfristig arbeiten darf, der hat auch Erfolg.

Ein edler Ansatz in der Bundesliga, in der Trainer meist am Ergebnis vom nächsten Samstag gemessen werden.

In den Vorstandsetagen wird oft ein Druck erzeugt, der niemals haltbar ist. Wenn zehn Vereine in den Uefa-Cup wollen, dann ist jetzt schon klar, dass sechs oder sieben ihr Ziel verfehlen. Ich bin der Letzte, der etwas gegen hohe Zielsetzungen hat, aber ich habe ein Problem, wenn vor der Saison hohe, kurzfristige Ziele ausgegeben werden. Das führt in der öffentlichen Wahrnehmung zu gefährlichen Fehlinterpretationen.


Auf der nächsten Seite: Bei welchem Satz Matthias Sammer die Hutschnur hochgeht - und was er von Klinsmanns Trainingsmethoden hält.

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