Matthias Herget über Schalke-Bochum

»Derbys sind keine Highlights«

Am Sonntag trifft der FC Schalke 04 auf den VfL Bochum – ein Revierkracher, wie viele meinen? Libero-Legende Matthias Herget spielte für beide Mannschaften und sagt: Die Partie ist überschätzt. Warum, das erklärt er hier.  Matthias Herget über Schalke-Bochum

Matthias Herget, wo erwischen wir Sie gerade?

Zu Hause in Essen, ich bin gerade zurück aus Kempen, wo ich in dieser Woche für Frank Mills Fußballschule arbeite.

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Arbeiten Sie nur dort?

Nein. Ich bin seit 1994 freiberuflicher Fußballtrainer, arbeite für die eine oder andere Fußballschule. Dazu gebe ich noch Seminare für Amateurtrainer.

Während andere Stars der 80er noch immer als so genannte  Experten auftauchen, treten Sie kaum noch in Erscheinung. Haben Sie sich bewusst zurückgezogen?

Das ergibt sich zwangsläufig, wenn man aus dem Geschäft ausscheidet. Es kommt dann halt darauf an, wie man selbst damit umgeht, ob man das braucht, ob man meint, man müsste sich immer wieder in Erinnerung rufen. Ich muss mein Gesicht nicht in jede Kamera halten und habe es deshalb etwas ruhiger angehen lassen.

Sie galten Mitte der 80er Jahre beim DFB als legitimer Nachfolger von Franz Beckenbauer. Hätten es nicht eigentlich mehr als nur 39 Länderspiele sein müssen?

Nein. Wenn ich bedenke, dass ich erst mit 27 das erste Länderspiel gemacht habe, war das noch eine ganze Menge. Ich habe mich ja leider vor der WM in Mexiko verletzt. Dafür habe ich aber bei der EM in Deutschland wieder gespielt. In dieser Zeit war ich ohne Frage Libero Nummer Eins. Deshalb bin ich mit der Karriere in der Nationalelf auch so zufrieden.

Den Libero, wie Sie ihn gespielt haben, gibt es im modernen Fußball nicht mehr. Ein Verlust?

Natürlich. Ich denke, dass es nach wie vor einigen Mannschaften gut tun würde, wenn sie nicht den, in Anführungszeichen, modernen Fußball mit Viererkette spielen.

Das sagen Sie als jemand, der junge Spieler trainiert?

Warum denn nicht? Oftmals verfügen Mannschaften, egal ob erste oder zweite Liga, gar nicht über das Spielermaterial, um so spielen zu können. Man spielt einfach modern, ohne zu hinterfragen, ob man überhaupt die Qualität besitzt, um so spielen zu können. Da stemmt sich niemand gegen den Trend und lässt seine Mannschaft mal wieder mit Libero spielen, obwohl es dem Team vielleicht viel besser zu Gesicht stehen würde.

Sie haben Ihre Karriere in Bochum begonnen und bei Schalke beendet. Für welchen Verein schlägt am Sonntag das Herz?

Ich spiele zwar immer noch für die Schalker Traditionsmannschaft und bin gerne in der Arena, aber ich sehe auch das alles relativ gelassen. Es  reicht mir, wenn das ein gutes Spiel wird.

Also nicht: Einmal Schalker immer Schalker?

Nein, das war ja auch bei mir ein bisschen anders, ich hab ja auch lange in Essen und Uerdingen gespielt, lebe heute in Essen. Mit die beste Zeit hatte ich ja in Uerdingen. Deshalb bin ich nicht nur Schalker.

Die früheren Ruhrpott-Derbys werden rückblickend oftmals glorifiziert, sind sie heute, in den neuen Stadien, nicht viel intensiver?

Nicht unbedingt. Die Arena ist doch jedes Mal ausverkauft, egal wer da kommt. Deshalb hat so ein Derby wie jetzt Schalke gegen Bochum nicht mehr diesen Stellenwert, wie ihn viele gerne heraufbeschwören. Die Derbys wurden früher einfach anders bewertet. Sie sind heute nicht mehr die Highlights.

Und wie geht das Spiel aus?

Ich tippe mal auf viele Tore. 4:2 für Schalke.

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