12.12.2007

Matthias Herget im Interview

„Warum nicht mit Libero?“

Lichtgestalt Franz Beckenbauer erhob Matthias Herget einst zum „besten Libero aller Zeiten“. Doch er war einer der letzten seiner Art – die Viererkette forderte ihren Tribut. Nun fordert Herget die Rückkehr des freien Mannes.

Interview: Thomas Bläsen Bild: imago
Was halten Sie von der derzeit so oft praktizierten Doppel-6?

Das ist eine Ausrichtung, um die Viererkette oder die Abwehr generell nicht so stark unter Druck geraten zu lassen. Die Doppel-6 macht den Fußball nicht grundsätzlich unattraktiver. Mittlerweile erwartet man von einem Sechser, dass er in der Lage ist, auch offensiv Akzente zu setzen. Es gibt heute ja auch keine Spieler mehr, die nicht über die Mittellinie dürfen.

Das war zu Ihrer Zeit noch anders?

Nein, das kann man so nicht sagen. Wir hatten aber teilweise noch Manndecker, bei denen wir es nicht so gerne gesehen haben, wenn sie mit nach vorne gingen, denn manche waren schon begrenzt in ihren Möglichkeiten (lacht).

Aber Sie hatten damals als Libero alle Freiheiten?


Die hatte ich, aber die musste man sich auch erstmal verschaffen. Es war ja nicht automatisch so, dass man alle Freiheiten hatte. Da musste man auch ein bisschen was dafür tun, dass man in diese privilegierte Situation kam.

Bei welchem Verein könnten Sie sich vorstellen, einmal Profitrainer zu werden?

Das ist unabhängig vom Verein. Das ist abhängig von den Möglichkeiten, bei welchem Klub man etwas entstehen lassen kann. Und davon gibt es nicht viele, also über einen längeren Zeitraum.

Gibt es eine taktische Ausrichtung, die Sie bevorzugen würden?

Die hat jeder Trainer. Die Grundausrichtung bei mir ist die technische Versiertheit der Spieler und grundsätzlich nach vorne zu spielen, offensiv zu spielen.

Sie würden den Technikern den Vorzug lassen?


Heutzutage setzt man eher auf Schnelligkeit, was ja auch gut ist. Aber ein Techniker muss nicht zwingend schnell sein, wenn er eine gewisse Handlungsschnelle besitzt. Wenn er vom Kopf her den anderen voraus ist, dann muss er sich selbst gar nicht so schnell bewegen.

So wie Bernd Schuster und Sie damals…


Es geht darum, das Spiel schnell zu machen, ohne selber der Schnellste zu sein. Aber dazu muss ich viel sehen, dazu muss ich erkennen, wo ich den Ball hinspielen kann. Dazu brauche ich auch keine zehn Kontakte am Ball, denn ich weiß, bevor ich den Ball bekomme, wo ich ihn wieder hinspielen kann. Dann kann ich das Spiel schnell machen, indem ich direkt spiele.

Gibt es einen Trainer, den Sie besonders gut finden?

Volker Finke, der mit Freiburg alle Höhen und Tiefen erlebt hat. Das fand ich bewundernswert. Man hat an ihm festgehalten, als der SC abgestiegen ist, man hat das mit ihm durchgezogen, man ist wieder aufgestiegen, und er hat es geschafft, über Jahre vor allem eine fußballerisch gute Mannschaft zu formen. Freiburg hatte immer Spieler, die keiner kannte, und die entwickelten sich dann unter Finke zu Leistungsträgern. Vor allem haben sie immer sehr gut anzusehenen, offensiven Fußball gespielt.

Ähnlich wie der KSC letzt Saison in der 2. Liga.


Beim KSC war es ein Vorteil, dass die Mannschaft über Jahre gewachsen ist. Viele machen den Fehler, dass sie sich irgendwelche Leute holen. Das ist dann nichts Gewachsenes, das stört mich, denn es geht auch anders.

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