12.12.2007

Matthias Herget im Interview

„Warum nicht mit Libero?“

Lichtgestalt Franz Beckenbauer erhob Matthias Herget einst zum „besten Libero aller Zeiten“. Doch er war einer der letzten seiner Art – die Viererkette forderte ihren Tribut. Nun fordert Herget die Rückkehr des freien Mannes.

Interview: Thomas Bläsen Bild: imago

Herr Herget, Sie wurden in Ihrer Zeit als Nationalspieler von 1983 bis 1988 von Franz Beckenbauer als „bester Libero aller Zeiten“ bezeichnet. Warum ist die Libero-Position aktuell verloren gegangen?

Alle Mannschaften meinen heutzutage, „modernen Fußball“ spielen zu müssen, und da hat der Libero keinen Platz mehr. Obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass es für einige Mannschaften sinnvoller wäre, mit Libero zu spielen.

Sie waren selbst ein exzellenter Techniker und ein eleganter Spieler. Welcher Spieler der Bundesliga begeistert Sie?

Ein Spieler, der mir Spaß macht, ist Franck Ribéry. Der hat einfach alles drauf, er ist unheimlich stark am Ball, er bezieht die Mitspieler mit ein, er legt auf und kann selbst Tore erzielen. Er ist für mich fast schon ein perfekter Fußballer.

Davon gibt es nicht so viele in der Liga.

Nein, und deswegen ragt er auch heraus.

So wie Sie zu Ihrer aktiven Zeit. Was hat Ihnen der Ritterschlag von Beckenbauer bedeutet?

Natürlich besaß das schon eine gewisse Aussagekraft. Wir hatten während meiner aktiven Zeit ein ziemlich gutes Verhältnis. Ich habe Jahre lang in der Nationalmannschaft unter ihm gespielt. Da wusste er also durchaus, was er von mir zu halten hatte. Er hat auch nicht versucht, meine Spielweise zu verändern. Ihm hat das scheinbar gefallen, wie ich meine Position interpretiert habe.

Dennoch hat er irgendwann eher auf Augenthaler und Jakobs gesetzt.

Bei der WM 1986 waren wir grundsätzlich sehr defensiv ausgerichtet. Spielerisch war das keine gute WM von uns. Wir sind zwar Vize-Weltmeister geworden, aber wir haben grundsätzlich mehr Wert auf den Abwehrbereich gelegt. Komischerweise hat das Konzept aber funktioniert und entscheidend zu unserem Erfolg beigetragen.

2006 standen ebenfalls zwei taktisch eher defensiv eingestellte Teams im WM-Finale, mit der Doppel-6 im Mittelfeld.

Otto Rehhagel ist 2004 sogar mit einem Ausputzer Europameister geworden. Wenn ich meine, dass ich nicht die entsprechenden Leute für eine Viererkette habe, warum sollte ich dann nicht mit einem Libero zur Absicherung spielen?

Wenn Sie Trainer wären, würden Sie mit Libero spielen?

Je nach dem, welche Leute ich zur Verfügung hätte, würde ich natürlich auch mit Libero spielen. Das ändert doch nichts an der Grundausrichtung des Fußballs. Man kann mit einem Libero genauso offensiv oder defensiv spielen wie mit allen anderen Formationen.

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