Matteo Campodonico gründete die größte Fußballerdatenbank der Welt

»Funktioniert wie autoscout24«

»Wyscout« bietet Scouts die größte Fußballerdatenbank der Welt. Kunden sind unter anderem der FC Arsenal, Borussia Dortmund, Manchester City und der FC Barcelona. Gründer Matteo Campodonico spricht hier über Paolo Guerrero und ein »schwarzes Brett« für Europas Fußball-Rentner. 

Matteo Campodonico, Sie bieten Scouts auf der ganzen Welt die »Wyscout«-Plattform an. Um was für einen Service handelt es sich genau?
Wir stellen Kontakte zwischen Agenten, Scouts und Vereinen her und helfen den Scouts, Talente auf der ganzen Welt zu entdecken. Dazu bieten wir das notwendige Videomaterial, damit sie sich ein Bild von deren Spielweise machen können. So ermöglichen wir internationale Transfers unter der Oberfläche.

Was heißt »unter der Oberfläche«?

Topspieler kennt man natürlich und bringen unserer Datenbank keinen großen Mehrwert. Für uns macht es vor allem Sinn unbekannte, aufstrebende Jungtalente aus aller Welt aufzunehmen, die Scouts sonst nicht zu Gesicht bekommen. Wir haben alle Daten, Infos und vor allem Videos aus den wichtigsten Nachwuchsturnieren in Südamerika, aber beispielsweise auch aus der Staatsmeisterschaft von São Paulo und der Uruguayanischen Meisterschaft. Wir sind eine Informationsfabrik.

Wie findet man sich da zurecht?
Unsere Datenbank umfasst 200.000 Spieler und man kann sie nach Kategorien durchsuchen. Die Scouts geben zum Beispiel ein: »Argentinien«, »Torschnitt von 1.2«, »geboren ab 1992« und »letzter Einsatz für die Nationalauswahl: vergangene Saison«. Dann spuckt die Datenbank die Namen von zirka fünf Spielern aus und liefert zu jedem die Angaben und Videos. Es ist auch möglich alle Kopfballtore eines Stürmers anzuschauen – was einem eben gerade beliebt.

Und das ist alles online. Kann ich mich auch anmelden?
Nein, das System ist reserviert für Vereine, Fifa, Uefa und Nationalverbände.

Wer zählt zu Ihren Kunden?
Mehr als 300 Klubs, 15 Nationalteams und alle wichtigen Spieleragenturen greifen zurzeit auf uns zurück. Darunter: Barcelona, Boca Juniors, Manchester City, Arsenal, Liverpool und alle Serie-A-Klubs.

Welche deutschen Klubs verwenden Ihre Datenbank?
Borussia Dortmund, Werder Bremen, Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, Greuther Fürth, 1. FC Kaiserslautern, Karlsruher SC, 1. FC Köln, Mainz 05, Union Berlin – ich kann sie gar nicht alle aufzählen. Neuerdings übrigens auch der DFB.

Was macht der DFB mit Ihren Daten, er kann doch keine Spieler verpflichten?
Um sich auf die gegnerischen Nationalmannschaften vorzubereiten. Der DFB kann so zum Beispiel statt nur die Länderspiele von Brasilien zu analysieren, deren Nationalspieler auch bei ihren Vereinsspielen betrachten. Brasiliens Stars sind schließlich über die ganze Welt verteilt.

Mit wem in Deutschland haben Sie Kontakt?
Meistens mit den Chefscouts der Vereine, zum Beispiel Jonas Boldt von Bayer Leverkusen. Er war einer der ersten in Deutschland, der uns unterstützt hat.

Wyscout wurde 2004 gegründet, wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Ich habe früher selbst gespielt und mochte die Videoanalysen meines damaligen Coachs. Es war zuerst nur ein Hobby von mir und Simone Falzetti, einem Freund von mir. Wir gingen an Partien und filmten. Unser erster Kunde war Genua CFC. Richtig Schub bekam unser Unternehmen 2008, als wir Walter Sabatini, den damaligen Sportdirektor von Lazio Rom trafen.

Weshalb?
Er hatte gerade die Chance verpasst, einen Spieler vor Transferschluss zu verpflichten, weil er seinen Film unter den 300 Spieler-DVDs nicht finden konnte. Da wurde unsere Idee für eine digitale Datenbank geboren. Als das erste iPad erschien, haben wir eine Applikation generiert und jedem Kunden ein Tablet mit unserer App geschickt. Sie waren absolut begeistert. Mit nur einer Berührung auf das Foto eines Spielers, konnten sie gleich seine Aktionen anschauen.



Inwiefern verändern Angebote wie Wyscout den Transfermarkt?
Früher war der Transfer ein langer Prozess: Da riefen Agenten bei den Sportdirektoren an und schwärmten von einem phänomenalen Nachwuchsspieler, etwa aus Chile. Zwischen der Ankunft des DVDs und dem Entschluss, nach Chile zu fliegen, konnten Wochen vergehen. Aber vielleicht war die Reise auch umsonst, denn wenn der Berater die Videos schickte, konnte das Bild des Spielers auch verzerrt sein. Jeder Fußballer macht in seiner Karriere sicher 20 geile Spielzüge. Wir zeigen – im Gegensatz zum Berater – alle seine Aktionen. Heutzutage kann man diesen ganzen Prozess in Realzeit abspielen lassen. Noch während des Telefonats schauen sich die Scouts die Filme an. Dank des umfangreichen Videomaterials und der genauen Recherche können Vereine hohe Reisekosten einsparen.

Vor zwei Wochen schloss der Transfermarkt. Wie stressig sind die letzten Tage des Transferfensters für Sie?
Gegen Ende müssen wir Scouts teils schnell unter die Arme greifen. Es kommt vor, dass Vereine Spieler einkaufen, die sie nie persönlich getroffen haben. In dieser Phase greifen die Sportdirektoren schnell zum Telefon, um die Spieler abzurufen.

Zweimal jährlich organisieren Sie das »Wyscout-Forum«. Was passiert da?
Im Winter und im Sommer zu Beginn des Transferfensters gibt es eine Art »Speed-Dating« für den Fußballmarkt. Jeder Verein hat seinen eigenen Tisch, wo die Manager sitzen und die Agenten vorbeischauen. In unserem Forum können Klubs auf andere Klubs zugehen. Da ist jeder mit dabei: Boca Juniors, aber auch kleine tschechische Klubs.

Führen Sie nebst dem Forum und der Fußballerdatenbank noch weitere Produkte?
Unsere neuste Plattform heißt »Transferzone«. Es ist ein virtueller Marktplatz, wo Spieler zum Verkauf angeboten werden können. Wir haben Klienten in China, Aserbaidschan, Russland, Katar, Mexiko, Georgien, Amerika und den Vereinigten Arabischen Emirate. Sie haben das Budget eines Bundesligaklubs oder mehr, sind also alle besonders kaufkräftig, und wollen vor allem Spieler aus Europa verpflichten. Sie tun sich allerdings sehr schwer damit.
 
Was kann »Transferzone« daran ändern?
Sie gibt den Klubs die Möglichkeit, Inserate zu schalten. Sagen wir ein deutscher Verein schreibt aus: »Wir haben derzeit zwei Spieler, die am Ende ihrer Karriere stehen und für eine bestimmte Summe bereit wären, in den Mittleren Osten zu wechseln.« Dann können die Vereine von dort reagieren. Es ist ein Portal wie autoscout24.

Klingt wie ein »Schwarzes Brett« für Fußball-Rentner. Stehen tatsächlich Spieler aus Deutschland auf diesem Brett ausgeschrieben?
Diese Plattform ist natürlich geheim. Das würden wir nie verraten. Wir sagen aber soviel: Die Klubs stellen derzeit ihre Spieler online und im Sommer können die anderen dann auf die Inserate zugreifen. 

Bei welchem bekannten Spieler kam der Transfer dank Wyscout zustande?

Bei vielen wissen wir es gar nicht, aber der berühmteste uns bekannte Fall ist Paolo Guerrero, der 2012 vom HSV zu den SC Corinthians gewechselt ist. In Brasilien hatte man ihn noch nicht so oft gesehen und der Verein hat sich nach eigenen Angaben über unsere Datenbank ein komplettes Bild von ihm gemacht.

Wissen Sie ungefähr, wie viele Transfers Sie beeinflussen?

Fast alle größeren Klubs der Welt verwenden unsere Plattform. Wir gehen also davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Spielertransfers über unsere Datenbank laufen.

Verdient Wyscout eigentlich an den Transfers?
Nein, wir verlangen nur eine Gebühr für die Nutzung unserer Dienstleistungen.

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